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Weihnachtsgeschäft

Was bedeutet die 2G Regel für Direktvermarktung? 3 Landwirte berichten

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am Freitag, 26.11.2021 - 14:32 (Jetzt kommentieren)

Die verschärften Corona-Regeln auf 2G Regel oder sogar auf 2G+ Regel haben die Direktvermarkter eiskalt erwischt. Mitten im Startschuss zum Weihnachtsgeschäft heißt es umplanen, umorganisieren und vielleicht sogar absagen. Diese drei Landwirtinnen und Landwirte haben schnell reagiert und eine gute Lösung für ihre Direktvermarktung gefunden. Hier sind ihre Erfahrungen und Tipps.

Garnecker Galloways: Restaurant dicht

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Der Betrieb von Thomas Jetzlspeger liegt im Landkreis Rottal-Inn - heute gemeldeter Inzidenzwert: über 1.200. Das bedeutet, Hotels und Restaurant müssen seit Mitte dieser Woche ihre Türen schließen.

Landwirt Thomas Jetzlsperger hat mit den Garnecker Galloways eine gut laufende Direktvermarktung aufgebaut. Seine Rinder werden auf der Weide gehalten und auch geschlachtet. Das Fleisch verkauft er online, in seinem Hofladen über die Frischetheke und über sein Hofcafé und Events wie Burgergrillen etc.

„Mit Beginn des Lockdowns im Oktober 2020 ist unser Umsatz (ausschließlich Rindfleisch) um 100 Prozent angestiegen. Zusätzlich wurden von einigen Betrieben für ihre Mitarbeiter anstatt der Weihnachtsfeiern Geschenkboxen geordert.“ Die überdurchschnittlich positive Situation hielt an bis zum Wiedereröffnen der Gastronomie im Mai. Im Gegenzug dazu brach sein Betriebszweig Gastronomie komplett weg „In den Öffnungsmonaten kämpften wir mit der Umsetzung der ständig wechselnden Auflagen. Man ist immer am Rande der Illegalität, wenn etwas übersehen wird oder neue Regelungen noch nicht ganz durchgedrungen sind“, sagt Jetzlsperger. Seit er wieder vermehrt die Innenräume nutze, merke man auch die wachsende Zurückhaltung der Gäste. Die Gästezahlen gingen mit der steigenden Inzidenz zurück.

Corona Regeln: „Von der Politik erwarte ich mehr Planungssicherheit.“

Alle Aussagen, die über den Sommer bezüglich Weihnachtsmärkte oder Schließung der Gastro getroffen wurden, seien nicht eingetroffen. „Es gab auch kein langsames Vorbereiten“; beschwert sich Jetzlsperger. „Von heute auf morgen heißt es wir müssen wieder schließen. Die Versprechungen an die Geimpften wurden nicht gehalten.“ Zudem gebe es für junge Unternehmen keine oder nur niedriege Überbrückungshilfen, die zudem sehr kompliziert zu beantragen seien.

Weingut Walz: Wir fürchten um unsere Events

Mara-Walz-Weinberg

Jungwinzerin und Hofheld-Bloggerin Mara Walz vom Weingut Walz bei Vaihingen/Enz in Baden-Württemberg sieht die Situation derzeit noch relativ entspannt. Die Inzidenz ihn ihrem Landkreis liegt derzeit bei knapp über 350, also noch unter dem deutschlandweiten Durchschnitt. „Von den aktuellen Einschränkungen sind wir beim Ab-Hof-Weinverkauf kaum betroffen“, sagt sie. Der Weinverkauf gehört ebenso wie ein Hofladen oder ein Supermarkt zur Grundversorgung und unterliegt demnach nicht der 2G Regel.

Das Hygienekonzept für die Vinothek werde von ihr regelmäßig angepasst und auch auf die Einhaltung geachtet. „Die Kunden machen bei der Maskenpflicht gut mit“, sagt die junge Winzerin.

„Ein drittes Jahr mit Einschränkungen würde uns weh tun.“

Spannend werde es mit den Events. „Im Winter 2021/2022 haben wir gar nichts geplant. Für den Sommer 2022 hoffen wir, wieder normal unsere Events anbieten zu dürfen“, hofft Mara Walz. Auch sie würde sich von der Politik vor allem eines wünschen: Planungssicherheit! „Es ist traurig, dass die Entscheidungen der Politik oft den Entwicklungen hinterherrennen“, meint Mara Walz. Dazu wünsche sie sich von der Bevölkerung, dass alle ihre Verantwortung für die Gesellschaft wahrnehmen.

Erlebnisbauernhof Gertrudenhof: Bitte kein Lockdown

Geschäftsidee - Peter Zens (107)

CeresAward-Gewinner Peter Zens hat aus seinem Bauernhof in Hürth, Nordrhein-Westfalen eine riesige Direktvermarktung mit Erlebnisgelände, eigenem Weihnachtsmarkt und vielem mehr gemacht. Sein Einkaufsmarkt läuft, da er unter die Grundversorgung fällt und es keine G-Regelungen gibt. Trotzdem hat Zens hier eine Menge Arbeit reingesteckt, um das Einkaufen für Kunden und Mitarbeiter sicherer zu machen. „Wir haben fast alles in den Outdoorbereich verlegt, damit gibt es große Abstände und viel Freiraum.“ Seine Mitarbeiter würden täglich getestet. „Da wir im Sommer hier eine eigene Teststation betrieben haben, kennen wir uns da aus“ schmunzelt der Eventbauer.

Im Erlebnisbereich - der in den letzten Jahren auf stolze 25.000 m³ angewachsen ist - gelte streng die 2G Regel. „Zum Glück nicht für die Kinder bis einschließlich 15 Jahre“, so Zens. „Das ist das einzige,was das Konzept jetzt überleben lässt.“

„Wie soll man als Unternehmer da planen?“

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„Ich wünsche mir Verlässlichkeit, das kann man überhaupt nicht mehr erwarten“, bemängelt Peter Zens die politische Lage. Die Ampel lege noch nichts fest, die Kanzlerin entscheide nichts mehr, das hält er für keine gute Lösung. Peter Zens muss jetzt bereits für Ostern organisieren, die Investitionen, die Mitarbeiter, die Dekoration und so weiter. Für ihn als Unternehmer sei das extrem schlecht zu planen, zumal es in verschiedenen Warengruppen zu Lieferschwierigkeiten komme, beispielsweise bei Holz.

Am meisten aber fürchtet er einen Lockdown noch vor Weihnachten. „Ich habe dieses Jahr für 70.000 Euro neue Lichterketten für den Weihnachtsmarkt gekauft – war das jetzt umsonst?“

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