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BfN-Studie

Bestandsentwicklung bei Brutvögeln: Weniger Paare in Feld und Flur

Feldlerche
am Mittwoch, 05.02.2020 - 14:20 (3 Kommentare)

Das Bundesamt für Naturschutz hat einen Bericht zu den hiesigen Brutvögelpopulationen veröffentlicht. Es lohnt sich, genauer in die Ergebnisse der Studie hineinzuschauen.

Seit wenigen Tagen liegt ein neuer Bericht über die Bestandsentwicklung der hiesigen Vogelpopulationen vor. Auftraggeber waren das Bundesamt für Naturschutz (BfN), die  Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelwarten (LAG VSW) und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA).

Der Bericht zeigt einen deutlichen Rückgang bei Vogelarten in Feld und Flur. In Siedlungsbereichen stagnieren die Bestände, in Wäldern haben sie leicht zugenommen.

Die Fakten im Überblick

Die Verfasser der Studie kommen zu folgenden Schlüssen:

  • Mit mehr als 300 Brutvogelarten gehört Deutschland zu den artenreichsten Ländern in Mitteleuropa.
  • Der Nordosten ist artenreicher als der Südwesten. Als Grund gibt die Studie eine geringere Besiedlungsdichte, eine vielfältigere Landschaft und eine geringere Nutzungsintensität der Flächen an.
  • Hochgerechnet auf 24 Jahre (also den Zeitraum von 1992 bis 2016) wurde ein Verlust von insgesamt 14 Millionen Brutvögeln verzeichnet, vier Millionen aus dem sogenannten Offenland, fünf Millionen aus dem Siedlungsbereich. Insgesamt sind das rund 8% des Gesamtvogelbestandes. Der Hauptteil dieses Rückgangs war in der ersten Hälfte des Zeitraums zu verzeichnen.
  • In den vergangenen 12 Jahren (von 2004 bis 2016) sind bei noch etwa einem Drittel der Arten die Bestände geschrumpft. Bei zwei Dritteln dagegen blieben sie stabil oder nahmen zu. Insgesamt veränderte sich die Anzahl der Brutvogelpaare in diesem Zeitraum kaum.
  • Dramatisch ist die Situation laut Studie bei Rebhuhn und Kiebitz, hier nahmen die Populationen in 24 Jahren um bis zu 90% ab. Stark betroffen sind auch Feuchtwiesenarten wie Uferschnepfe und Bekassine. Turteltaube und Feldlerche kommen streckenweise gar nicht mehr vor.
  • Im Lebensraum Wald gibt es deutliche Bestandserholungen.
  • Einige seltene Arten wie Großtrappe, Schwarzstorch oder Wiesenweihe erholen sich weiterhin dank gezielter Schutzprogramme.

Gezählt und erfasst wurden die Vögel laut Studienbetreiber überwiegend von Freiwilligen, die sich an den Monitoringprogrammen des DDA beteiligen oder ihre Gelegenheitsbeobachtungen in die online-Plattform ornitho.de eingeben. Die verwendeten Zahlen stammen aus dem Jahr 2016.

Nabu fordert veränderte Agrarpolitik

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nutzte die Gelegenheit zu einer Presseerklärung und forderte erneut eine veränderte Agrarpolitik.

In einem Interview erklärte Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann, die meisten der von einem Bestandsrückgang betroffenen Arten litten unter der Intensivierung der Landwirtschaft. "Dazu gehört die zunehmende Maschinisierung der Landwirtschaft mit immer größeren Feldern, die immer weniger Restflächen wie Feldraine und Wegränder oder Hecken und Baumreihen übrig lässt, genauso wie der Wegfall von Brachflächen."

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