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Ernährung und Gesundheit

BfR: 'Neue Risiken durch Zoonosen'

© Paul Hakimata/aboutpixel
von am
09.04.2014

Über "weltweites Sourcing", unbekannte Gefahrenquellen und die Auswirkung für die hiesige Landwirtschaft, sprach agrarheute.com mit dem Präsidenten des BfR, Prof. Andreas Hensel.

BfR-Präsident Prof. Dr. Andreas Hensel. © Bundesinstitut für Risikobewertung
Einerseits gelten unsere Lebensmittel als so sicher wie nie zuvor, andererseits sind Produkt- und Prozessverunreinigungen mit Keimen, Schädlingen und Krankheitserregern durch zunehmende globalisierte Warenströme im Agrar- und Lebensmittelbereich keine Seltenheit mehr. Ernährungsexperten wissen, Verbraucher fragen nicht mehr: "Werde ich satt?" Sie wollen wissen: "Ist das, was ich esse, ein sicheres Lebensmittel?"
 
agrarheute.com sprach mit dem Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Prof. Andreas Hensel, über "weltweites Sourcing", unbekannte Gefahrenquellen und die Auswirkung für die hiesige Landwirtschaft.

Warum fragt sich der Verbraucher: Esse ich ein sicheres Lebensmittel?

Prof. Andreas Hensel: Unsere Lebensmittel sind so sicher wie nie zuvor. Dennoch gilt es, weiterhin große Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören neben bedeutenden mikrobiologischen Risiken auch der internationale Handel von Futter- und Lebensmitteln, die möglicherweise unzureichend kontrolliert wurden.
 
Ich werbe deshalb in den Erzeugerländern für unsere hohen Standards bezüglich Analyseverfahren. Wichtigste Aufgabe unseres Instituts ist es, mögliche Risiken in Lebens- und Futtermitteln sowie Stoffen und Produkten frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um sie schnell und nachhaltig zu verringern.

Was steckt hinter dem Ausdruck 'weltweites Sourcing'?

Der Begriff beschreibt die Tatsache, dass unsere Lebensmittel und Produkte nicht mehr nur aus der Region, unseren Nachbarstaaten oder von einzelnen internationalen Handelspartnern kommen. Es gibt weltweite, weitverzweigte Netzwerke für die Produktion und den Handel von Lebens- und Futtermitteln.

Welche neuen Risiken im Lebensmittelbereich bringt die Globalisierung?

Im Bereich der Zoonosen, also von Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, müssen wir damit rechnen, dass krisenhafte Geschehen häufiger werden können. Erreger können beispielsweise in Regionen eingetragen werden, in denen sie bereits erfolgreich bekämpft wurden oder bislang nicht vorkamen.
 
Auch stellt die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln und somit der Rückschluss auf die Sicherheit und Qualität der Lebensmittel eine große Herausforderung dar.

Welche Garantien gibt es zur Einhaltung internationaler Standards?

Ein nachhaltiger globaler Handel ist nur möglich, wenn Lebensmittel sicher sind. Um dies zu garantieren, ist zum einen die korrekte Deklaration notwendig. Zum anderen muss die Rückverfolgung der Lebensmittel gewährleistet sein. Dazu brauchen wir Methoden, um die Identität von Produkten bestimmen zu können.
 
Sicherheits- und Qualitätsstandards sowie Analyseverfahren müssen weltweit harmonisiert werden, die Lieferwege transparent sein und die Qualitätskontrollen global auf höchstem Niveau erfolgen.

Was bedeutet das alles konkret für den hiesigen Landwirt?

Der hiesige Landwirt trägt die Verantwortung für die von ihm produzierten Lebensmittel. Das bedeutet, dass er einerseits gewährleisten muss, dass die von ihm verwendeten Futtermittel sicher sind, auch wenn sie zum Teil aus Drittstaaten zugekauft sind. Er kann dies nur sicherstellen, indem er seine Futtermittel aus gesicherten Quellen bezieht.
 
Zum anderen muss er über Management, Fütterung und Hygiene die Tiergesundheit sichern, da nur gesunde Tiere für die Lebensmittelproduktion verwendet werden sollen. Indem er Infektionskrankheiten wirkungsvoll vorbeugt, kann er auch den Einsatz von Antibiotika auf ein Minimum reduzieren und somit der Resistenzentwicklung vorbeugen.
 
Schließlich ist er in der Pflicht, sicherzustellen, dass seine Tiere bei der Lebensmittelgewinnung möglichst keine oder geringe Rückstände von Stoffen aufweisen, die für die Gesundheit von Verbrauchern ab bestimmten Konzentrationen schädlich sind. Hier sollte der Landwirt Wartezeiten nach erforderlichen Behandlungen einhalten und Verunreinigungen des Futters vermeiden.
 
Auch wenn es banal klingt: Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften lässt einen besser schlafen.   

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