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Umwelt

Bienensterben: Insektizide unter Verdacht

von , am
16.01.2013

Laut einer heute veröffentlichten EFSA-Studie könnten Neonikotinoide in Insektiziden die Ursache für das Bienensterben sein. Ein Verbot des Wirkstoffes werde nicht ausgeschlossen.

Eine heute veröffentlichte Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt vor den Gefahren, die Bienen durch drei Insektizide drohen. Die Behörde war von der EU-Kommission beauftragt worden herauszufinden, welche Risiken von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam als Beiz- oder Spritzmittel auf bestäubende Insekten ausgehen. Alle drei Produkte gehören zur Wirkstoffklasse der Neonikotinoide, die seit einiger Zeit in der Diskussion sind. Vor allem seit dem Bienenunfall 2008 im Oberrheingebiet wurden Neonikotinoide immer wieder mit Vergiftungen und dem Massensterben von Bienen in Verbindung gebracht. Züchter und Pflanzenschutzindustrie betonen dagegen, dass gerade die Variante der insektiziden Beizung extrem sicher sei und dass in den letzten Jahren viel zur Verbesserung der Bienengesundheit getan wurde. Eine Pressekonferenz im Rahmen der DLG-Wintertagung am 15.1. galt der Problematik.
 

Untersuchung auf kurz- und langfristige Folgen

Die EFSA-Studie sollte Fragen klären zu den kurz- und langfristigen Folgen der Insektizidaufnahme, zur Wirkung subletaler (nicht tödlicher) Mengen auf Bienen und Larven und zu Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere. Bestandteil waren dabei drei Hauptaufnahmewege: über Rückstände an Nektar und Pollen, über Kontamination während der Aussaat gebeizten Saatgutes oder der Behandlung und über die Aufnahme von Guttationswasser. Aufgrund fehlender Daten konnten nicht alle Analysen endgültig ausgeführt werden. Dennoch äußert die Behörde im heute veröffentlichten Bericht, dass sie etliche Risiken für Bienen durch drei Insektizide gefunden habe. In der Folge solle auch das Risiko für weitere bestäubende Insekten genauer untersucht werden, forderten die Wissenschaftler. Die endgültige Fertigstellung des Berichtes stehe noch aus, es gäbe momentan ein "hohes Niveau an Unsicherheit". Datenlücken müssten durch weitergehende Untersuchungen geschlossen werden.
 

Hersteller bestreiten die Risiken

Als Reaktion auf die Veröffentlichung fordert die EU-Kommission die beiden Pflanzenschutzunternehmen Bayer und Syngenta, die Neonikotinoide anbieten, zu einer Stellungnahme auf. Auch ein Verbot des Wirkstoffes werde nicht ausgeschlossen. In einer ersten Erklärung wies Bayer CropScience darauf hin, dass weitaus mehr Faktoren für den Tod von Bienen verantwortlich seien. Das Unternehmen, dass extra ein Bee-Care-Center zur Untersuchung und Förderung der Bienengesundheit unterhält, fordert, dass politische Entscheidungen über die Zulassung von Neonikotinoid-Produkten auf eindeutigen wissenschaftlichen Nachweisen basieren müssten. Man habe umfangreiche Daten für seine neonikotinoidhaltigen Produkte erhoben. Diese wurden von den zuständigen Behörden in der EU und den Mitgliedsstaaten geprüft und bestätigen, dass keine inakzeptablen Risiken von diesen Produkten ausgehen.
 
Tatsächlich zeige die Analyse der wissenschaftlichen Forschung: Es herrscht weitgehend Übereinstimmung, dass schlechte Bienengesundheit und die Verluste von Bienenvölkern durch eine Vielzahl von Faktoren bedingt sind, wobei die parasitäre Varroa-Milbe die Hauptursache ist. 
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