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Wirtschaft

BioScience-Sparte vor dem nächsten Wachstumsschritt

Externer Autor ,
am
08.02.2010

Berlin - Bayer CropScience will in den nächsten Jahren seine Forschungsausgaben für die Saatgutzüchtung weiter erhöhen. Die Ausgaben für den Geschäftsbereich BioScience sollen auf 250 Millionen Euro pro Jahr klettern.

"Ziel ist es, für Forschung und Entwicklung bei Bayer CropScience rund 750 Millionen Euro pro Jahr zu investieren, davon 250 Millionen Euro für Saatgut und Pflanzenmerkmale. Eingesetzt wird dabei das ganze Spektrum moderner Pflanzenentwicklung - von der Hybridzüchtung über Smart Breeding bis hin zur Grünen Gentechnik", erklärte der Chef der Einheit BioScience bei Bayer CropScience, Dr. Joachim Schneider. Diese Zielmarke habe man noch lange nicht erreicht, sei aber auf gutem Wege dahin. Fast 30 Prozent des BioScience-Umsatzes investiere Bayer CropScience in Forschung und Entwicklung.

"Damit werden wir unserem strategischen Anspruch gerecht", betonte Schneider, der auch im Leitungsgremium, dem "Executive Committee" von Bayer CropScience, sitzt. Die bis 2018 angestrebte Verdreifachung des Umsatzes auf 1,4 Milliarden Euro im Segment BioScience will das Unternehmen vor allem mit seinen vier Kernkulturen stemmen, das sind Baumwolle, Raps, Reis und Gemüse. Bei der umsatzstärksten Einzelkultur, Canola - dem speziell in Nordamerika angebauten Raps - ist der Umsatz in den Jahren 2002 bis 2008 jährlich im Schnitt um mehr als 20 Prozent gewachsen; bei Baumwolle lag der jährliche Zuwachs bei 25 Prozent und bei Hybrid-Reis bei 38 Prozent. "Aber auch bei Gemüsesaatgut wachsen wir wesentlich stärker als der Markt", sagte Schneider.

Getreidekooperation in Australien

Bayer CropScience erweitert seine weltweite Forschung und Entwicklung im Bereich Saatgut und Pflanzeneigenschaften zudem um einen Schwerpunkt auf Getreide. Dazu haben das Unternehmen und die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), Australiens nationale Forschungsorganisation, eine langfristige Allianz vereinbart. CSIRO gehört zu den weltweit führenden Institutionen bei der Entwicklung neuer Weizensorten. Eines der ersten Projekte ist laut Schneider auf Weizenlinien mit erhöhtem Ertragspotential und gesteigerter Widerstandsfähigkeit ausgerichtet.

Verstärkt in den Fokus der Forschung rücke auch die Sojabohne. Großes Wachstumspotential sieht Schneider zudem bei Pflanzenschutzprodukten, die - zum Beispiel bei der LibertyLink-Technologie - teilweise ebenfalls im Zusammenhang mit den Lösungen von BioScience stehen. "Für uns ist die Biotechnologie ein Teil im Werkzeugkasten moderner Pflanzenzüchtung", unterstrich Schneider. Gut aufgestellt hält er Bayer CropScience nicht zuletzt durch die Bündelung von Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft: "Durch die angebotenen Komplettlösungen glauben wir, uns Vorteile erarbeiten zu können."

Marktreife neuer GVO-Linien in der zweiten Hälfte der Dekade

Mehr Wertschöpfung erwartet der Chef von Bayers Abteilung BioScience künftig, wenn der Monheimer Konzern über die LibertyLink-Saaten hinaus weitere Produkte mit Herbizidtoleranz aus eigener Entwicklung einführt. Mit einer weiteren Verengung des Anbieterspektrums auf dem Markt für gentechnisch verändertes Saatgut rechnet Schneider nicht. "Die anderen Firmen ziehen jetzt nach", sagte der Bayer-CropScience-Manager mit Blick auf die Marktführerschaft Monsantos und die Rolle der eigenen Firma ebenso wie die anderer Unternehmen wie DuPont und Syngenta. Für die Entwicklung einer gentechnisch veränderten Pflanze bis zur Marktreife würden mindestens acht Jahre benötigt.

Abzuwarten bleibe, wie sich der 2012 in Kooperation von Monsanto und BASF entwickelte GV-Mais auf dem Acker tatsächlich mache, der mit erhöhter Trockentoleranz vermarktet werden solle. Bei Bayer CropScience sieht Schneider die Entwicklung von GV-Linien mit erhöhter Toleranz gegenüber Trockenheit auf vielversprechendem Wege. Hier gebe es im Raps- und Baumwollbereich sehr gute Ansätze. Die Marktreife neuer GV-Sorten erwartet der Leiter der BioScience-Abteilung in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts.

Stresstoleranz und Ertragsstabilität kombinieren

Sowohl GV- wie auch konventionelle Sorten entwickelt Bayer CropScience im Raps. "Wir haben zwei komplett getrennte Programme", betonte Schneider mit Blick auf die Versuche im Gewächshaus. Die Entwicklung von Qualitätsmerkmalen richte sich hier unter anderem auf einen verbesserten Fettsäuregehalt. Beim Raps wie auch anderen Kulturen ist Bayer CropScience in der Entwicklung von Pflanzeneigenschaften zur Erhöhung der Erträge und zur Verbesserung der Stresstoleranz engagiert. Die beiden Ziele Stresstoleranz und Ertragserhöhung seien schwierig voneinander abzugrenzen.

Schließlich seien meist nicht nur ein, sondern in der Regel mehrere Gene beteiligt, wenn es um die Verbesserung solcher Pflanzeneigenschaften gehe. "Sowohl bei hohem als auch ohne Stress muss die Pflanze bessere Erträge bringen", umriss Schneider das Ziel der Forscher. Im Baumwollbereich beschäftigt sich Bayer CropScience darüber hinaus mit einer Verbesserung der Faserqualität, wo es offenbar vielversprechende Lösungsansätze gibt. "Wir werden das weiter forcieren", kündigte Schneider an, der seit 1984 in den USA ebenso wie in Großbritannien und in der Firmenzentrale langjährige Erfahrungen im Bayer-Konzern gesammelt hat.

Forschungszentren in Gent und den USA

Die von Bayer CropScience geplanten Investitionen gehen am Forschungsstandort Deutschland allerdings größtenteils vorbei, denn seit der global agierende Konzern im vergangenen Jahr sein Potsdamer Forschungszentrum geschlossen hat, ist er hierzulande mit der Grünen Gentechnik nur noch mit wenigen spezialisierten Wissenschaftlern vertreten. In Potsdam hatte sich die Arbeit auf den Bereich der Stärkequalitäten konzentriert.

Das sind Aktivitäten, die Schneider zufolge "noch nicht den Markt finden, den sie eigentlich verdienen", worin er einen Grund für die Verlagerung der Kapazitäten sieht. Die europäische Forschungszentrale im Biotechnologiebereich liegt im belgischen Gent; ein Standort mit ähnlicher Ausstattung ist in den Vereinigten Staaten entstanden. "Fakt ist, dass wir in den USA ein ganz anderes, fruchtbareres Marktumfeld vorfinden. Dort ist es auch deutlich einfacher, hochqualifizierte Arbeitskräfte im Bereich der Pflanzenbiotechnologie zu finden", betonte Schneider.

Berechenbarkeit der Politik vermisst

In einer fehlenden Berechenbarkeit des politischen Umfeldes sieht der Leiter von Bayers BioScience-Abteilung einen weiteren Faktor für Investitionsentscheidungen. Als verwirrend bezeichnete der promovierte Agrarwissenschaftler die seitens der Bundesregierung erlassenen Restriktionen gegenüber dem kommerziellen GVO-Anbau einerseits und die angebliche Offenheit gegenüber der Forschung andererseits.

Leider habe man feststellen müssen, dass wissenschaftliche Argumente zuweilen zu wenig Gewicht hätten. Mit Blick auf die im Koalitionsvertrag von Union und FDP geforderte Prozesskennzeichnung bei GVO sprach Schneider sich für Wahlfreiheit der Verbraucher und für klare Kennzeichnungsregeln aus. (AgE)

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