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Umwelt

BJV-Präsident stellt Landwirtschaft "an den Pranger"

von , am
03.05.2011

München – Der Anbau von Raps und Mais raube den Lebensraum von Wildtieren. Mit dieser Aussage entfachte der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), Jürgen Vocke, Ende vergangener Woche eine intensive Diskussion.

Bauernpräsident Präsident Gerd Sonnleitner und die Präsidenten der Bezirksverbände des Bayerischen Bauernverbandes kritisieren die pauschale Verunglimpfung der Bauernfamilien durch den Jagdpräsidenten. „Wir weisen die Vorwürfe von Herrn Vocke massiv zurück, denn in der Realität erbringen Bayerns Bauern auf jedem drittem Hektar freiwillig besondere Umweltleistungen für mehr ökologische Vielfalt“, betonten die Mitglieder der Präsidentenkonferenz des Bayerischen Bauernverbandes.
 
Vocke sollte als bayerischer Jagdpräsident eigentlich wissen, dass in Bayern die höchsten Hasenbestände in großflächigen Gäustrukturen zu finden sind und dass Faktoren wie Beutegreifer, Witterungsverlauf und Krankheiten den entscheidenden Einfluss auf die Wildpopulationen haben. Im Übrigen vernachlässigte Vocke völlig, dass in Bayern seit 1970 der Landwirtschaft gerade durch Siedlungs- und Verkehrsprojekte über 500.000 Hektar Grün- und Ackerland entzogen wurde, was dem heutigen Umfang an Äckern und Wiesen in ganz Niederbayern entspricht. „Als Jäger sollte Herr Vocke schon die richtigen Hauptursachen für Veränderungen des Lebensraums ins Visier nehmen“, erklärt die Präsidentenkonferenz.
 

Bauern betreiben freiwillig Naturschutz

Allein der Flächenverbrauch in Bayern bedeute, dass einem durchschnittlichen Familienbetrieb an jedem zweiten Tag im Jahr seine Betriebsflächen als Existenzgrundlage genommen werden. In Bayern haben viele Bauernfamilien in den letzten zwei Jahren zusätzlich Weiden für Bienenflächen sowie Äsungs- und Unterstandsflächen für Wildtiere mit rund 20.000 Hektar Blühflächen geschaffen. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hatte selbst nur mit rund 6.000 Hektar gerechnet.
 
Ebenso freiwillig errichten viele Bauern auf ihren Ackerflächen Lerchenfenster. Im letzten Jahr wurden alleine in Bayern rund 1.300 dieser zusätzlichen Lebensraummöglichkeiten für die Feldlerche von Bauern geschaffen. Aktuell läuft zudem die Initiative des Bayerischen Bauernverbandes „Blühende Rahmen“, bei der Landwirte entlang von Maisfeldern Blühstreifen freiwillig und auf eigene Kosten als Bienenweiden oder Wildlebensräume anlegen. „All diese Fakten sollte Herr Vocke würdigen, anstelle die Landwirtschaft an den Pranger zu stellen“, sagt die Präsidentenkonferenz.
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