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Interview

Blühpatenschaften an der Milchtankstelle

André-Mahlstedt-CeresAward
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Dagmar Deutsch, agrarheute
am
17.04.2019

André Mahlstedt aus Niedersachsen kam bei einem Treffen mit CeresAward-Finalisten auf die Idee, Blühpatenschaften anzubieten. Denn er findet, dass nicht nur Landwirte für den Artenschutz zuständig sind, sondern die gesamte Bevölkerung.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Blühpatenschaften anzubieten?

Beim Ceres-Finalistentreffen bei Hauptsponsor Deutz Fahr in Lauingen kommt man mit den Landwirten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum natürlich ins Gespräch. Wir haben unter anderem viel über das Volksbegehren Artenvielfalt gesprochen, dass zu der Zeit in Bayern lief, und dass die ersten Landwirte dort solche Blühpatenschaften anbieten. Auf der Heimfahrt haben meine Frau und ich dann überlegt, dass das für uns eigentlich auch etwas wäre.

Inwiefern ist Artenvielfalt und Insektensterben ein Thema in Ihrer Region?

Es wird schon auch diskutiert, jedoch nicht so krass wie in Süddeutschland. Doch gerade diejenigen, die beim Landwirt einkaufen und sich Gedanken über regionale Produkte machen, machen sich eben auch Gedanken zu solchen Themen.

Der ausschlaggebende Punkt für die Umsetzung meiner Blühpatenschaften war dann ein Gespräch mit einem Kunden unserer Milchtankstelle. Mit ihm habe ich über das Thema Artenschutz gesprochen und er hat erklärt, dass er in seiner Wohnung im dritten Stock kaum Möglichkeiten hat, sich für den Insektenschutz einzusetzen. Diese Möglichkeit habe ich ihm und anderen Verbrauchern somit gegeben. Schließlich sind ja nicht nur wir Landwirte für den Artenschutz zuständig, sondern eben auch der Rest der Bevölkerung.

Welches Konzept steckt hinter Ihren Blühpatenschaften?

Für 25 Euro verwandle ich 50 m² meiner Fläche zur Blühwiese. 100 m² kosten 45 Euro. Alle Paten werden auf einer Tafel genannt, die am Rand der Fläche stehen wird. Außerdem wird es einen Fußweg durch die Wiese geben mit einer Bank zum hinsetzen und genießen. Dort wird eine Infotafel zum Projekt stehen.

Wie kommt das Projekt an?

Wir haben zunächst ganz wenig Werbung dafür gemacht; haben das Angebot einlaminiert und an unsere fünf Milchtankstellen gehängt. Dann ging das Lauffeuer los. Die Presse kam, andere Landwirte schnappten die Idee auf und die Anfragen purzelten herein. Mittlerweile haben wir 1 ha Blühfläche zusammen, ich denke, dass wir noch an die 1,5 ha herankommen. Das ist die ganze Fläche, die direkt an meiner Milchtankstelle am Hof liegt.

Wie lange läuft das Projekt?

Erstmal ein Jahr. Nach Ostern säen wir aus. Je nach Nachfrage werden wir das Projekt nächstes Jahr wiederholen, denkbar wären dann auch mehrjährige Blühflächen.

Inwiefern hat sich durch das Projekt Ihr Verhältnis zur Bevölkerung geändert?

Unser Image hat sich sehr ins positive geändert. Davor war man der Landwirt mit den Milchtankstellen, jetzt ist man der Landwirt, der auch etwas für die Artenvielfalt tut. Das kommt gut an und bietet einen Mehrwert für die Bevölkerung.

Generell kann man mit den Blühflächen viele Leute erreichen. Meine Erfahrung ist, dass wenn man erklärt, was man tut, haben die Verbraucher auch Verständnis für unsere Arbeit. Indem wir mit der Bevölkerung reden, bevor sie über uns redet, können wir einen ganz großen Teil für ein positives Image unseres Berufsstands beitragen.

CeresAward-Finalisten 2018 bei Deutz-Fahr

CeresAward_Betrieb_Mayerle
CeresAward_Ulrich_Mayerle
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Tobias Ilg_Landwirt_des_Jahres_2018
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