Login
Politik national

BMELV setzt auf heimische Eiweißpflanzen

von , am
19.06.2012

Berlin - Das Landwirtschaftsministerium will die Abhängigkeit vom Eiweißpflanzen-Import - wie etwa bei Soja - verringern. Helfen soll eine "Eiweißpflanzenstrategie".

Mit dem Verlust von 12 cts/bu und einem Settlement von 11,03 ¾ US$/bu testete die Bohne gestern die alten Tiefs, die man Ende Januar 2014 verzeichnete. © Mühlhausen/landpixel
Mit der "Eiweißpflanzenstrategie" will das Bundeslandwirtschaftsministerium die Erforschung und Herstellung von neuen Lebensmitteln aus heimischen Leguminosen und den Anbau entsprechender Kulturpflanzen gezielt fördern. Wie das Agrarressort auf einem Fachkongress erklärte, liegt dabei der Fokus insbesondere auf der Verringerung von Wettbewerbsnachteilen hiesiger Leguminosen. Dazu nehme die Leguminosenforschung eine zentrale Rolle ein.
 
Außerdem wolle man entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Anbau bis zur Verwendung der Pflanzen neue Möglichkeiten aufzeigen. Ferner stünden agrarpolitische Instrumente wie attraktive Agrarumweltmaßnahmen (AUM) und mögliche Maßnahmen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 zur Diskussion.

Positive Umwelteffekte

Der heimische Anbau von Eiweißpflanzen sei nicht nur aus Aspekten der Versorgungssicherheit oder Wirtschaftlichkeit interessant, sondern auch im Hinblick auf den Schutz von Umwelt und Klima, betonten die mit der Umsetzung betrauten Fachleute. Eine konsequente Einbeziehung von Leguminosen in Anbausysteme und Fruchtfolgen führe zu einer positiven Kohlenstoffbilanz und einer verbesserten Bodenfruchtbarkeit. Der Verbrauch an Stickstoffdünger und die Emission von Treibhausgasen in der Landwirtschaft könnten signifikant verringert werden, was zur biologischen Vielfalt der Agrarlandschaften beitrage.

AbL: Leguminosen-Anbau lohnt zu wenig

Beim Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, stießen die Pläne des Bundesministeriums auf Kritik. "Dass Leguminosen heute trotz der unbestreitbar vielen Vorteile kaum noch angebaut werden liegt schlicht daran, dass sich für die Betriebe der Anbau von Mais, Weizen, Raps, Kartoffeln oder Zuckerrüben mehr lohnt", stellte zu Baringdorf fest. Alle Förderprogramme der letzten Jahre für den Anbau von Leguminosen hätten daran nichts Entscheidendes geändert, und auch teure Forschungsvorhaben würden das nicht schaffen.
 
Um die erwünschte starke Ausdehnung des Eiweißpflanzenanbaus zu erreichen, müsse betriebswirtschaftlich eine klare relative Vorzüglichkeit für den Anbau hergestellt werden. Im Zuge der aktuellen EU-Agrarreform müssten deshalb die Direktzahlungen daran gebunden werden, dass die Betriebe auf ihren Ackerflächen mindestens alle fünf Jahre Leguminosen anbauten. Solange das Ministerium diesen entscheidenden Hebel aber ausschlage, laufe die ganze Eiweißpflanzenstrategie ins Leere.

Soja meist gentechnisch verändert

Deutschland deckte laut Agrarressort in den vergangenen zehn Jahren bis zu 45 Prozent der jährlich benötigten eiweißhaltigen Kraftfutterkomponenten durch Futtermittelimporte. Die Nettoimporte von Sojabohnen und Sojaextraktionsschrot nach Deutschland belaufen sich jährlich auf bis zu vier Millionen Tonnen Sojabohnen und rund zwei Millionen Tonnen Sojaextraktionsschrot. Auf den internationalen Märkten hat gentechnisch verändertes Soja den mit Abstand größten Marktanteil. Nicht gentechnisch verändertes Soja wird nur noch in geringerem Maße und vor allem in Südamerika angebaut.
 
Heimische Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen, Futtererbsen, Lupinen- und Kleearten sowie Luzernen und Wicken werden bislang nur in geringem Umfang in der Tierernährung genutzt. In Deutschland werden derzeit den Angaben zufolge auf rund 95.000 Hektar Körnerleguminosen und auf rund 250.000 Hektar kleinsamige Futterleguminosen angebaut. Das entspricht in etwa drei Prozent der gesamten Ackerfläche in Deutschland.
  
Auch interessant