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Umwelt

Born: Ackerkulturen an veränderte Umweltfaktoren anpassen

von , am
02.08.2012

Berlin - "Unsere Ackerkulturen müssten dringend an die sich ändernden Umweltfaktoren angepasst werden", mahnte DBV-Generalsekretär Dr. Helmut Born beim Plant Biology Congress 2012 in Freiburg.

Ein Blick in die zurückliegende Vegetationsperiode mache mehr als deutlich, wie gewaltig die Veränderungen im Naturhaushalt sind. Starke Minustemperaturen und Kahlfröste haben im vergangenen Winter in ganz Europa zu erheblichen Auswinterungsschäden geführt. Allein in der Europäischen Union seien 1,5 Millionen Hektar Getreide durch Kahlfröste vernichtet worden.
 
Hinzu sei es zu erheblichen Auswinterungsschäden in der Schwarzmeerregion gekommen. Dem folgten Frühjahrs- oder Frühsommertrockenheiten in Verbindung mit vergleichsweise hohen Temperaturen. "Auch dieses Phänomen erleben wir immer häufiger", stellte Born fest. "In Deutschland haben wir in diesem Jahr mit nur 16 Litern Niederschlag pro Quadratmeter den dritttrockensten März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1881 erlebt. Die Temperatur im März lag bei uns im Durchschnitt bei 6,9 Grad Celsius. Normal wären aber nur 3,5 Grad."

Stärker auf die klassischen Zuchtziele achten

Und in der Ernte selbst müssten Landwirte vielfach mit viel zu nassen Erntebedingungen kämpfen. Mengen- und Qualitätsverluste seien die Folge. Darauf gebe es nur eine Antwort, stellte Born fest. "Wir müssen wieder viel stärker auf die klassischen Zuchtziele achten. Dazu gehöre Winterhärte, denn unsere Sorten müssen auch starke Frostperioden überstehen. Wir benötigen aber auch Pflanzen, die in frühen Entwicklungsstadien mit Trockenheit und Hitze umgehen können, also über ein gut ausgebildetes Wurzelsystem verfügen. Nicht zuletzt brauchen wir Sorten, die stabile Qualitätsparameter aufweisen, damit auch unter schwierigen Erntebedingungen noch Brotgetreidequalität geerntet werden kann", machte Born auf der Tagung in Freiburg deutlich.

Gut 60 Prozent mehr Nahrungsmittel gebraucht

Eng mit diesen Zuchtzielen verbunden sei auch das Ertragsniveau. Unsere wichtigste Aufgabe als Landwirte bliebe die Produktion von qualitativ hochwertigen und gesunden Nahrungsmitteln für sieben Milliarden Menschen. Bis 2050 müssten neun Milliarden Menschen ernährt werden. Das könne nur mit einer Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um gut 60 Prozent erreicht werden. "Unter diesen Vorzeichen darf dem Gunststandort Europa nicht durch eine siebenprozentige Flächennutzung im Umweltinteresse weitere Produktionsflächen entzogen werden", stellte Born unter Bezug auf die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission zur GAP-Reform fest. "Wir müssen unser Produktionspotenzial ausnutzen und der Steigerung der Erträge wieder mehr Aufmerksamkeit widmen."

Gemeinsam forschen für die Zukunft

Positiv äußerte sich Born dazu, dass die europäischen Landwirte seit 2004 Teil der sogenannten European Technoloy Platform "Plants for the Future" sind. Hierin sei es Dank der guten Zusammenarbeit mit EPSO (European Plant Science Organisation) und der ESA (European Seed Association) gelungen, gemeinsam eine Forschungsagenda aufzustellen, die die verschiedenen Herausforderungen unserer Zeit definiert. Besonders erfreulich sei, dass diese Forschungsagenda auch einen Beitrag zur Ausgestaltung des derzeitigen EU-Forschungsrahmenprogramms leisten konnte. So sei beispielsweise in das EU-Forschungsrahmenprogramm aufgenommen worden, durch die züchterische Bearbeitung von Leguminosen deren Produktivität zu steigern. Diese gute Zusammenarbeit gelte es fortzusetzen, um gemeinsam mit der öffentlichen und der privaten Forschung Prioritäten und Forschungsziele zu identifizieren. So plane COPA-COGECA zusammen mit den Mitgliedern von EPSO ein Netzwerk von Demonstrationsbetrieben zu entwickeln, wo neue Pflanzenzüchtungen getestet werden, erklärte Born.
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