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Umwelt

Brandenburg: Wolf attackiert Jagdhund

von , am
19.11.2014

In Brandenburg gab es in den letzten Monaten zwei Übergriffe von Wölfen auf Mutterkuhherden. Ende Oktober griff ein Rüde nun direkt vor dem Wohnhaus eines Försters dessen Jaghund an.


Die Försterfamilie Ueckermann lebt mit ihren Haustieren in einem abgelegenen Gehöft mitten im Wald im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in der Uckermark. Gegenüber jagderleben schilderte Oberforstrat Roland Ueckermann, was er am 31. Oktober erlebt hat. Gegen 9:00 Uhr ließ er seine Tiroler Bracke vor die Tür. Zurück im Haus hörte er plötzlich lautes Hundeklagen. Als er einen Blick aus dem Fenster warf, sah er, wie ein Wolf etwa sieben Meter von ihm entfernt die Hündin attackierte. Geistesgegenwärtig sprang er aus dem Fenster und eilte seinem Jagdhelfer zu Hilfe. Erst als er drei Meter vor dem Grauhund stand, ließ dieser ab. Er hatte der Bracke tiefe Wunden auf der Keule zugefügt. Sofort ging es zum Tierarzt. "Sie wird es überleben, aber hätte es zwei Sekunden länger gedauert, wäre sie tot gewesen", berichtet Ueckermann. Über eine Stunde dauerte die Notoperation.
 
"In Wolfsgebieten kann auf der Jagd so was passieren, da muss man wohl oder übel mit allem rechnen. Aber hier am Gehöft hätte ich nie gedacht, dass der Wolf so dreist ist und den Hund greift. Das ist eine neue Dimension, und unser anfängliches Interesse ist schlagartig in Respekt umgeschlagen - man sieht den Wolf plötzlich mit anderen Augen", sagt der Jäger und Förster besorgt.
Dass es sich tatsächlich um einen Wolf (Rüden) handelt, dokumentieren die qualitativ hochwertigen Wildkamerabilder (C1-Nachweis) eindeutig, auch wenn Rissgutachter Kai-Uwe Hartleb sich in seinem Gutachten noch vorsichtig ausdrückt: "Ein Wolf kann nicht ausgeschlossen werden." Absolute Sicherheit soll nun eine DNS-Analyse der Losung bringen. Außerdem könnten die Wissenschaftler dann feststellen, woher der Rüde stammt.

Landesamt bringt Elektrozaun gegen den Wolf an

Dass das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) den Vorfall auch ohne Genprobe sehr ernst nimmt, zeigt die Tatsache, dass es das gesamte Grundstück wenige Tage nach der Attacke durch einen Elektrozaun sichern lässt. Carina Vogel vom LANUV ist vor Ort, zieht die Stromlitzen. Sie ist für die Landesweite Koordinierung des Schadensmanagements und der Prävention in Sachen Wolf zuständig ist. "Wölfe lernen sehr schnell und gerade Strom ist eine gute Möglichkeit den Tieren klar zu machen, dass hier nichts für sie zu holen ist", erklärt Vogel.
 
Die Litzen und Drähte seien jedoch nur eine Leihgabe. Letztlich müsse sich jeder Halter überlegen, wie er seine Tiere sichert. Dafür könnten Fördergelder beim Landesumweltamt beantragt werden. Allerdings seien diese eigentlich nur für Haupt- und Nebenerwerbslandwirte gedacht gewesen und hier im speziellen für Schafhalter. "Die gerissenen Rinder in den Belziger Landschaftswiesen und der hier angegriffene Hund sind neue Fälle. Da müssen wir selber erst mal gucken, wie wir damit umgehen", sagt Vogel weiter. Ob Privatpersonen die Kosten für die Absicherung ihres Grundstücks in Zukunft selber tragen müssen, bleibt also abzuwarten.

Wolf sucht Partnerin

Nach Ansicht der Expertin habe der Rüde bei Ueckermanns ein Revier besetzt und warte auf eine Partnerin. "Wir können nur hoffen, dass er möglichst bald eine findet, weil er dann nicht mehr den Kontakt zu Hunden und läufigen Hündinnen sucht."
 
Schon jetzt hat der Vorfall direkten Einfluss auf das Alltagsleben der Ueckermanns. Ein Elektrozaun schirmt das Gehöft ab, die Tiere können sich nicht mehr frei bewegen und ein mulmiges Gefühl macht sich nun breit, wenn Anneliese Ueckermann abends im Dunkeln die Pferde von der Koppel holt. "Man fühlt sich beobachtet", sagt sie. Herr Hartleb, der Rissgutachter, habe Ihnen sogar geraten die Sache sehr ernst zu nehmen und empfohlen, draußen Pfefferspray mitzunehmen. "Angst habe ich nicht, aber abends guckt man schon mal in die eine oder andere dunkle Ecke", gesteht ihr Mann.  
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