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Wirtschaft

Brasilianer Azevedo wird neuer WTO-Chef

aiz
am
04.09.2013

Genf - Der neue WTO-Chef heißt Roberto Azevedo. Dem Brasilianer steht eine schwierige Aufgabe bevor: Die Wiederbelebung der eingeschlafenen Doha-Runde.

Auf den neuen Generaldirektor warten große Herausforderungen - in den kommenden Monaten muss Azevedo vor allem die für Dezember angesetzte WTO-Ministerkonferenz in Bali vorbereiten.
 
Trotz der stockenden Verhandlungen über Handelserleichterungen im Rahmen der sogenannten Doha-Runde spricht der scheidende WTO-Chef Pascal Lamy seinem Nachfolger Mut zu: "Ich schaue mit großer Zuversicht auf das Ministertreffen im Dezember", sagte Lamy. "Ich glaube wirklich, dass wir in Bali elementare Handelserleichterungen beschließen werden. Ich bin da deutlich optimistischer als noch vor drei Monaten."

Bürokratiekosten für den Handel senken

Potenzial für eine Annäherung in der Doha-Runde sieht Lamy im Abbau von Bürokratiekosten für grenzüberschreitenden Handel, die er mit 10 Prozent des Warenwertes veranschlagte. "Viele Produkte überschreiten fünf Grenzen, bevor sie beim Verbraucher landen", sagte er. "Wenn wir für 22 Trillionen Handelstransaktionen die Kosten senken, erreichen wir genauso viel, wie wenn wir ohnehin schon niedrige Zölle senken."

Lamy gegen Freihandel von EU mit USA

Bedenken äußerte Lamy zu einem möglichen Freihandelsabkommen zwischen USA und EU. "Die USA wollen das Abkommen als Defensivpakt gegen China", sagte Lamy. "Die EU muss wissen, ob sie da mitmachen will." Zudem müsse man die Ergebnisse der Verhandlungen abwarten. Gemeinsame Handelsspielregeln schafften zwar stärkeres Wachstum, aber häufig einige man sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Lamy-Nachfolger soll Doha-Runde neu beleben

Lamy stand seit 2005 für zwei Amtszeiten an der Spitze der WTO. Der 66-jährige Franzose verabschiedete sich Ende August in den Ruhestand. Sein Nachfolger Azevedo (55) ist seit 2008 ständiger Vertreter Brasiliens bei der WTO, die 1995 gegründet wurde, um internationale Handelsregeln zu erarbeiten und zu überwachen. Aktuell gehören der Organisation 159 Länder an. Azevedos Stellvertreter wird der Deutsche Karl-Ernst Brauner, der bisher Abteilungsleiter für Außenwirtschaftspolitik im Bundeswirtschaftsministerium in Deutschland war.
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