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Tierschutz-Videos

Brucker Schlachthof schließt nach heimlichen Videos der Soko Tierschutz

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Schlachtkörperzerlegung
© Imago/Westend61
von , am
10.05.2017

Der Verwaltungsrat des Brucker Schlachthofs nahe München hat beschlossen, den Betrieb zu schließen. Die Mitarbeiter sind entlassen.

Auf der Homepage des Brucker Schlachthofes ist von den jüngsten Ereignissen noch nichts zu sehen. Dort lächelt die Mannschaft des Betriebes in weißen Schürzen den Besuchern der Seite entgegen. Und es ist zu lesen, dass die gut ausgebildeten Metzgermeister und -gesellen motiviert durch das Bewusstsein um die Eigenverantwortung im Umgang mit den Tieren und dem hochwertigen Lebensmittel Fleisch eine hervorragende Schlachtqualität garantieren.

Doch das ist nun Geschichte: Der Verwaltungsrat hat beschlossen, den Betrieb in Fürstenfeldbruck zu schließen. Die Mitarbeiter sind entlassen. Das meldet die Süddeutsche Zeitung.

Weiterbetrieb des Brucker Schlachthofs unmöglich

Als Grund für diese Entwicklung gibt der Verwaltungsrat laut SZ an, dass die gesellschaftlichen und ordnungspolitischen Entwicklungen den Weiterbetrieb der Firma Brucker Schlachthofs unmöglich machten. Hintergrund ist Videomaterial der Soko Tierschutz, das über mehrere Monate hinweg heimlich in der Schlachterei gedreht wurde. Es soll "grobe Gewalt, systematische Rechtsbrüche und massive Probleme bei der Betäubung von Schweinen und Rindern" zeigen, wie die Tierschutzorganisation schreibt. Die Vorwürfe wurden unter anderem vom Bayerischen Rundfunk und von der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen. Der Brucker Schlachthof räumte ein, dass die Filme in seinem Betrieb angefertigt wurden und dass es wohl Verfehlungen der Mitarbeiter gegeben hat.

Verarbeitung von wöchentlich 39 t Biofleisch

Besonderen Zündstoff erhält der Fall dadurch, dass der Schlachthof Biotiere geschlachtet hat. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks hat er unter anderem für Bioland, Naturland und die Marken "Unser Land", "Hofpfisterei-Landfrau" und "Alnatura" gearbeitet. Der Brucker Schlachthof hatte eine Kapazität von wöchentlich maximal 39.000 kg Schlachtgewicht. Im Wartestall hatten 80 Schweine bzw. 14 Stück Großvieh Platz.

Tierschützer wollen Systemwechsel

Die Soko Tierschutz gibt sich mit der Schließung noch nicht zufrieden. Sie will mehr: "Dass der erste in Deutschland aus Tierschutzgründen geschlossene Schlachthof ein Schwerpunkt der Biobranche und viel gelobter Musterbetrieb war, stellt das komplette System dieser Branche in Frage", schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung.

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