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Ernährung und Gesundheit

Bundespräsident Wulff fordert "angemessene" Agrarpreise

aiz/dbv
am
06.10.2011

Berlin - Bei der Überreichung der Erntekrone 2011 in Berlin forderte Bundespräsident Christian Wulff angemessene Preise für landwirtschaftliche Produkte.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes (DLV), Brigitte Scherb und die Vorsitzenden des Bundes der Landjugend (BDL), Katrin Biebighäuser und Matthias Daun überreichten Bundespräsident Christian Wulff am Dienstag die Erntekrone 2011. Die feierliche Übergabe fand in der Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin im Beisein von 300 Gästen statt, darunter Bundestagsabgeordnete, Landesminister, Landesbauernpräsidenten sowie Persönlichkeiten der Kirchen und der Agrar- und Ernährungswirtschaft. 
 
Herausforderungen mit Innovationen und Investitionen lösen
 
Wulff lobte nach DBV-Angaben "den Fleiß, die Akribie und Einsatzbereitschaft der deutschen Landwirte ". Bei seinen Auslandsreisen mache er immer wieder auf Innovationen der deutschen Landwirtschaft aufmerksam, die sich zu einer der fortschrittlichsten der Welt entwickelt habe, so der Bundespräsident. Wulff betonte, weltweit könnten nur über Innovationen und Investitionen die großen Herausforderungen gelöst werden, wie die Weltbevölkerung zu ernähren, das Klima und den Boden zu schützen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Zukünftig müsste in der Landwirtschaft also aus weniger mehr gemacht werden, auch vor dem Hintergrund, dass weltweit heute schon ein Drittel des fruchtbaren Bodens durch Dürren, Wind oder Starkregen verloren gegangen sei.

Nahrungsmittel werden keine Inflationstreiber

DBV-Präsident Sonnleitner bilanzierte das äußerst schwierige Erntejahr. "Die deutschen Bauern haben eine bescheidene Getreide- und Rapsernte im Vergleich zu den Vorjahren eingefahren, aber Mais, Zuckerrüben, Äpfel und Wein lassen auf eine hervorragende Ernte hoffen." Auch wenn einige Preise gestiegen seien, könne die Bevölkerung sicher sein, dass Nahrungsmittel nicht zum Inflationstreiber werden. Angesichts des Welttierschutztages, der ebenfalls auf den 4. Oktober datiert ist, sagte Sonnleitner: "Wir können und wir wollen beim Tierschutz und beim Umweltschutz noch besser werden. Wir müssen – wie es gute bäuerliche Tradition ist – in Generationen denken sowie Verantwortung für Mitgeschöpfe und unsere Umwelt übernehmen. Wir brauchen aber die gesellschaftliche Akzeptanz und Verankerung genauso wie den wirtschaftlichen Erfolg in unseren Betrieben."
 
Landwirtschaft braucht politisch höheren Stellenwert
 
Anlässlich des Erntedankfestes müssten auch die Bauernfamilien im Hinblick auf die Hungerproblematik in der Welt innehalten, stellte Sonnleitner heraus. Hunger und Armut gebe es immer dann, wenn Menschen auf dem Land und in der Landwirtschaft vernachlässigt und unterdrückt würden. Vor allem die Bauernfamilien seien weltweit vom Hunger betroffen, das müsse jedermann nachdenklich machen. Fortschritt in den Entwicklungsländern gebe es nur, wenn Landwirtschaft politisch einen höheren Stellenwert bekäme, der Ausbau der ländlichen Infrastruktur höchste Priorität erhalte und rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten würden.

Wertschätzung der Nahrungsmittel gefordert

Brigitte Scherb, Präsidentin des dlv, stellte in der Feierstunde heraus, dass das traditionelle Binden der Erntekrone ein Zeichen des Dankes für die eingebrachte Ernte sei. "Verbunden mit dem Dank, wird uns der Wert der Feldfrüchte bewusst, die diese für die Sicherung unserer Ernährung haben. Die gleiche Wertschätzung sollte auch der Leistung der Bäuerinnen und Bauern sowie den verarbeitenden Betrieben entgegen gebracht werden, die hochwertige Nahrungsmittel produzieren", sagte Scherb. Die Mengen an einwandfreien Lebensmitteln, die im Müll landen würden, zeigten aber auf, wie weit wir uns von dieser Wertschätzung unserer Nahrung entfernt hätten. "Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen", nahm Scherb die Verbraucher in die Pflicht. 
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