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Politik national

Bundespräsident Wulff will ländliche Räume stärken

von , am
28.09.2010

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff hat den Stellenwert der ländlichen Räume in Entwicklungsländern und Industriestaaten hervorgehoben.

Christian Wulff (CDU) © pd

Zur Übergabe der Erntekrone der deutschen Landwirtschaft an Wulff in Berlin erklärte der Bundespräsident, viele Entwicklungsländer müssten stärker in die Landwirtschaft investieren und bräuchten die Unterstützung der Weltgemeinschaft. "Die dortigen Kleinbauern benötigen genauso wie die Landwirte hierzulande faire Produktions- und Lebensbedingungen", sagte Wulff.

Während sich der Nahrungsbedarf weltweit bis 2050 wahrscheinlich verdoppeln werde, sei die Zahl der unterernährten Menschen bereits jetzt auf einem inakzeptabel hohen Niveau. Der Bundespräsident betonte: "Wir sollten offen und konstruktiv mit neuem Wissen und Techniken umgehen, die Ertragssteigerungen begünstigen und die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherer machen." Dabei sei auch eine sachliche Diskussion zwischen Agrarforschung, Konzernen sowie Kritikern wichtig.

Ressourcenverbrauch reduzieren

Durch neue Umwelttechnologien wie Bioenergie, Biomasse und Windenergie ergäben sich neue Chancen für den ländlichen Raum, unterstrich Wulff. Entscheidend werde sein, die Menschen in Stadt und Land von den ökologischen und sozialen Leistungen der Landwirtschaft zu überzeugen. Gleichzeitig müsse auch der Agrarbereich weiter daran arbeiten, den erreichten Wohlstand vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln, die Bodenfruchtbarkeit zu fördern und die biologische Vielfalt zu schützen.

Industrie und Handel in die Pflicht nehmen

Wulff hob zudem die Bedeutung einer gesunden Ernährung hervor und betonte den Einfluss der Eltern auf die Ernährungsweise der Kinder. "Wir müssen ihnen zeigen, dass die Qualität und Frische eines Produkts Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden hat", sagte der Bundespräsident mit Blick auf die jüngere Generation. Kindergärten, Schulen und andere gesellschaftliche Einrichtungen sollten dabei helfen, jungen Menschen eine gesundheitsbewusste Ernährung zu vermitteln. Auch Nahrungsmittelindustrie und Handel müssten sich stärker der Frage stellen, wie sie gesunde Ernährung durch Transparenz unterstützen könnten. Die Verbraucher sollten diese in die Pflicht nehmen, indem sie genauer nachfragten und sich über die Qualität der Produkte informierten.

Bauern in Entwicklungsländern hungern

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, erinnerte daran, dass Hunger und Armut in vielen Entwicklungsländern vorrangig Bauern träfen. Ihnen würden Eigentum, Infrastruktur und hochwertiges Saatgut sowie Zugang zu Krediten und Bildung verwehrt. "Wir sind verstört, wenn in Diskussionen um wirksame Entwicklungspolitik die Schuld an allem Elend auf dieser Welt der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik zugeschoben wird", betonte Sonnleitner. Die EU-Agrarpolitik trage dazu bei, "dass wir die qualitativ hochwertigsten und sichersten Nahrungsmittel haben und zugleich die höchsten Standards beim Umwelt- und Tierschutz", erklärte der DBV-Präsident. Wäre die Förderung im Agrarbereich überall so wie hier, "dann sähe die Welt anders aus".

Höfesterben durch Dumpingpreise

Die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), Brigitte Scherb, unterstrich: "Die Verbraucher müssen sich fragen, welchen Stellenwert hochwertige Lebensmittel haben und diesen mit einem fairen Preis entgelten." Dauerhaft niedrige Dumpingpreise führten zu Höfesterben, das eine flächendeckende Landwirtschaft nicht mehr garantiere. In der Folge würden die ländlichen Natur- und Lebensräume verarmen. Der intensive Dialog zwischen landwirtschaftlichen Erzeugern und Verbrauchern sei deshalb ein wichtiger Weg hin zu gegenseitigem Verständnis, betonte Scherb.

Landjugendaktion "(B)isst du billig" 

Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), Gunther Hiestand, beschrieb die Erntekrone als Ausdruck der Wertschätzung der landwirtschaftlichen Produktion. Im Supermarkt finde diese Achtung nicht immer statt. Er erinnerte an die Landjugendaktion "(B)isst du billig", mit der zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten angeregt werden soll. Die Erntekrone war in diesem Jahr vom Landjugendverband Niedersachsen gebunden worden.

Großzügiges Schenken

Die Ansprache bei der ökumenischen Andacht hielt der amtierende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider. Er mahnte zu mehr Solidarität mit den Armen in der Gesellschaft und sprach sich für ein großzügiges Abgeben und Teilen der erhalten Gaben aus. Schenken bringe einen heilsamen Perspektivwechsel mit sich, weil der Schenkende immer daran erinnert werde, dass er selber zuvor beschenkt worden sei. Sparsamkeit werde hier fälschlicherweise mit Verantwortung gleichgesetzt. Dafür sollte man keine Gegenleistungen erwarten oder Beweise für die Bedürftigkeit verlangen. (AgE)

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