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Interview

CeresAward: Landwirtin des Jahres Linda Kelly im Exklusivinterview

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am Donnerstag, 27.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Linda Kelly ist die Landwirtin des Jahres 2019. Wir haben Sie zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen während der vergangenen Monate befragt.

Spielt der Preis jetzt noch eine Rolle oder ist Alltag eingekehrt?

Oh, nein, der spielt noch eine Rolle. Ich habe viele Anfragen für Vorträge. Das Interesse an unserem Lupinenkonzept von der Idee bis zur Marke ist groß. Für viele ist es auch spannend, dass ich die erste Frau bin, die den CeresAward gewonnen hat. Da wollen viele wissen, wie ich das gemacht habe. Insgesamt stellen immer noch viele Zeitungen und Fernsehsender unsere Ideen vor. Und diese Aufmerksamkeit hat der CeresAward geschaffen. Mein Mann sagt schon: Du bist gar nicht mehr zuhause.

Also sehen Sie den Preis mit einem lachenden und einem weinenden Auge?

Nein, ich sehe das positiv. Der Betrieb und die Familie sind nach wie vor da und müssen am Laufen gehalten werden. Aber Organisation ist alles. Ich habe jetzt eine Freundin eingestellt, die mir unter der Woche beim Abpacken der Lupinenprodukte hilft. Und mein Mann baut gerade unser nächstes Standbein auf, ein Blockheizkraftwerk. Der Vorteil: Er ist jetzt mehr daheim und kann auch auf die Kinder aufpassen.

Was hat sich durch den Preis für Sie persönlich verändert?

Ich finde, man wird für etwas geehrt, für das man lange gekämpft hat. An solchen Ideen wie der Lupinenvermarktung gab es ja auch Zweifel und wurde teilweise auch belächelt. Da ist der Preis eine Bestätigung. Das lässt einen wachsen und hat mich selbstbewusster gemacht.

Was hat der Preis für den Betrieb gebracht?

Im Gegensatz zum allgemeinen Trend, haben wir nicht auf permanentes Wachstum gesetzt. Wir haben viele unterschiedliche Betriebszweige aufgebaut. Neben dem Ackerbau mit 14 verschiedenen Kulturen, dem Grünland, der Landschaftspflege und den Lupinen werden wir noch ein kleines Ferienhäuschen aufbauen. Dazu kommt noch ein Blockheizkraftwerk mit Strom- und Wärmeerzeugung, welches die Kreisläufe mit eigenen Hackschnitzeln weiter schließt.

Wir zeigen damit wie stark Diversifizierung sein kann. Der CeresAward hebt das Konzept ins Rampenlicht und macht deutlich, dass es eine Alternative zu wachsen oder weichen gibt.

Hat sich die Wahrnehmung des Berufsstands durch den Preis verändert?

Momentan ist es ein Pluspunkt, dass wir ein Biobetrieb sind. Als wir 2007 umgestellt haben, war dieser Vorteil noch nicht absehbar. Wir haben immer versucht, einen Schritt vorauszudenken. Wichtig war für uns, dass wir umsteuern können, wenn es nötig ist. Oder auch, dass der Nachfolger einen anderen Weg gehen kann. Unsere Nachbarschaft findet es toll, dass wir den Preis gewonnen haben.

Wir werden jetzt viel stärker wahrgenommen. Die sind auch stolz, dass jemand aus Herdwangen diesen Preis gewonnen hat.
Ich will den Leuten vermitteln, dass sie in einer wunderbaren Region leben und dass sie das als Verbraucher unterstützen können, wenn sie regional einkaufen. Damit fördern sie gemeinsam mit uns Landwirten die eigene Lebensqualität.

Wie hat die Familie auf den Preis reagiert?

Meinen Eltern haben es zuhause mitverfolgt. Sie sind ins Bett gegangen, als ich Unternehmerin des Jahres wurde. Am nächsten Morgen hat eine Freundin angerufen und ihnen gesagt, dass ich auch die Landwirtin des Jahres bin. Da waren die ziemlich stolz. Mein Mann hingegen war bei der Preisverleihung dabei. Der wusste gar nicht mehr, was er sagen soll.

Was war das Highlight für Sie?

Die Preisverleihung ist wirklich fantastisch. Das ist eine tolle Veranstaltung. Ich will hier dem ganzen agrarheute-Team danken, für die tolle Organisation und die Möglichkeiten, die mit dem CeresAward verbunden sind. Ich war am Galaabend um drei Uhr nachts im Bett, weil ich dann doch erschöpft war.

Es ist auch ein Highlight im Fernsehen über seinen Betrieb und seine Ideen berichten zu können und damit zu zeigen, wie vielfältig Landwirtschaft ist.

Warum sollte man sich bei CeresAward bewerben?

Es gibt so viele Betriebe mit coolen, innovativen Ideen. Der CeresAward ist für die ein wirklich gutes Marketinginstrument. Unabhängig davon, ob man unter den Finalisten ist, hat die Bewerbung den Vorteil, dass man sich Gedanken über die eigenen Ziele und Gründe machen muss.
Der Austausch mit den anderen Finalisten war supercool. Da gibt es eine richtige Ceres-Family und man kann sehen, was andere machen. Da gibt es keinen Neid, sondern Ansporn. Gerade das Netzwerk und Freundschaften sind wirklich wertvoll.

So wirtschaftet die Landwirtin des Jahres 2019

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