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Umwelt

Chemie-Cocktail: Schon geringe Dosis schädigt Fische und Frösche

© Mühlhausen/landpixel
von , am
21.07.2014

Brüssel/Wien - Selbst wenn die Konzentration einzelner Arzneimittel, Pestizide oder Schwermetalle innerhalb der EU-Grenzwerte liegt, als Chemikalien-Cocktail schädigen sie bereits in geringer Konzentration die Umwelt.

11,3 mg Nitrat-Stickstoff dürfen laut Nitratrichtlinie im Wasser sein. © lightpoet/Fotolia.com
Fische, Frösche, Algen und Mikroorganismen werden durch Chemikalien bereits bei Konzentrationen, die innerhalb der gesetzlichen Grenz- beziehungsweise Toleranzwerte liegen, nachweislich geschädigt, wenn diese Stoffe nicht einzeln sondern in Mischungen auftreten. Nach Berichten der österreichischen Originaltext-Service GmbH, OTS, in Wien, bestätigt ein EU-Forschungszentrum, das der EU-Kommission in wissenschaftlichen Fragen zuarbeitet, die schädigende Wirkung der "Chemikalien-Cocktails".
 
Nach Ansicht der Studienautoren, müsste Europa die Einschätzung von Umweltrisiken durch Cocktaileffekte dringend aktualisieren. Des weiteren sollten Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung von Umweltschäden auch dann umgesetzt werden, wenn einzelne "Giftstoffe" in scheinbar harmlosen Konzentrationen vorlägen.

Einzeln sicher - zusammen schädlich

Die in dieser Studie untersuchten Gemische setzen sich laut Bericht aus 14 beziehungsweise 19 Chemikalien zusammen. Dazu zählten verschiedene Pestizide, Arzneimittel, Phthalate und Schwermetalle in Konzentrationen rund um die EU-Grenzwerte. Obwohl die Einzelkonzentrationen aller verwendeten Substanzen als sicher gelten, wurden anhand von 35 ausgewählten Untersuchungen negative Auswirkungen auf Mikroorganismen, Algen, Fisch- und Froschembryonen festgestellt, meldet der OTS.

"Umweltexperten werten die Ergebnisse der vorliegenden EU-Studie als Bestätigung ihrer bisherigen Beobachtungen", sagte DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, dem OTS.

Cocktailwirkung bei Zulassung bedenken

Die EU-finanzierte Studie zeige zudem Schwächen der traditionellen Risikobewertung auf, so Burtscher. Sie bestätige, dass kleine Mengen eines Umweltgiftes, die im Laborversuch harmlos scheinen, in den realen Umweltumgebungen, wo bekanntlich noch andere Schadstoffe dazukommen, bereits schädliche Wirkung entfalten.
 
Der österreichische Umweltchemiker fordert, die Cocktailwirkung bei der Festlegung von gesetzlichen Grenzwerten und bei der Zulassung von Pestiziden und Bioziden zu berücksichtigen.
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