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Wirtschaft

China: Milchimporte übertreffen Erwartungen

Dr. Olaf Zinke, agrarmanager
am
01.11.2012

China ist der größte Importeur von Milchprodukten der Welt. Nach Berechnungen der FAO gingen 2012 etwa 12 Prozent aller gehandelten Milchprodukte (in Milchäquivalent) in das Reich der Mitte.

Im Jahr 2012 haben die Importzuwächse die ursprünglichen Erwartungen sogar deutlich übertroffen. Nach der aktuellen Einschätzung des in China tätigen Büros des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wachsen die Importe im nächsten Jahr etwas langsamer.

Investitionen in Tiergenetik und Fütterung

Chinas eigene Milchprodukten ist im Jahr 2012 um knapp 6 Prozent (%) gewachsen und die Zahl der Milchkühe hat sich um 5 % auf etwa 8 Millionen (Mio.) Tiere erhöht. Aufgrund der knappen Ressourcen an Weideland und Futter investieren die chinesische Regierung und die großen Milcherzeuger vor allem in Tiergenetik und auch in eine bessere Futterqualität, um die Leistungen zu steigern. Auch ein Teil des Grobfutters (Luzerneheu/AlfaAlfa) wird mittlerweile - vor allem aus den USA - importiert.

Produktion wächst zu langsam

Für das kommende Jahr gehen die Analysten des USDA ebenso wie die nationalen Behörden von einem weiteren Wachstum der Milchproduktion um rund 6 % aus. Trotz des dynamischen Wachstums reichen die Produktionszuwächse nicht aus um den noch schneller wachsenden chinesischen Bedarf zu decken. Deshalb haben auch die Importe im laufenden Jahr stärker zugenommen als zunächst gedacht und werden nach bisherigen Einschätzung auch im kommenden Jahr weiter wachsen.

Extrakonjunktur bei Babynahrung

China ist der weltweit größte Importeur von Mager- und Vollmilchpulver. Beides wird vor allem zur Herstellung von Babynahrung verwendet. In diesem Jahr hat die Nachfrage offenbar noch einmal einen zusätzlichen Schub erhalten, denn 2012 ist das chinesische Jahr des Drachens und Menschen die in diesem Jahr geboren werden, gelten als erfolgreich und glücklich. Nach den Milchskandalen (Melanin) der letzten Jahre setzten viele Käufer zudem auf ausländische Ware.
 
Chinas mit Abstand wichtigstes Milchprodukt in der Produktion und im Import ist Vollmilchpulver. Nach den laufenden Daten des USDA werden die Einfuhren in diesem um knapp ein Drittel auf 420.000 Tonnen (t) steigen, obgleich die chinesische Produktion ebenfalls um etwa 5 % auf 1,16 Mio. t zugenommen hat. Für das nächste Jahr geht das USDA (bei weiter wachsenden chinesischer Produktion) von einem weiteren Zuwachs bei den Importen um 15 % auf 480.000 t aus. Größter Lieferant von Vollmilchpulver ist Neuseeland.

50 Prozent mehr Magermilchpulver importiert

Die chinesische Produktion von Magermilchpulver ist im Vergleich mit 57.000 t deutlich kleiner als die Vollmilchpulverproduktion und stagniert zudem seit einigen Jahren. Gleichzeitig nimmt jedoch der Import rasant zu und ist allein in diesem Jahr um 50 % auf 194.000 t gewachsen. Auch im Jahr 2013 rechnet das UDDA bei relativ stabilen Produktion mit einem weiteren Zuwachs bei den Einfuhren von knapp 20 % auf 230.000 t. Von diesem gewaltigen Importwachstum haben zuletzt vor allem auch die Europäer und die USA profitiert.

Frischmilch aus Deutschland

Ebenfalls große Zuwächse verzeichnet indessen der chinesische Import von pasteurisierter Frischmilch. In diesem Markt haben sich nach den Untersuchungen des USDA vor allem deutsche Exporteuer etabliert. Sie liefern mittlerweile vor Neuseeland und Australien den größten Teil der pasteurisierten Frischmilch. Unter anderem auch weil die deutschen Preise 2012 offenbar unter den ozeanischen lagen. Der Anteil der Frischmilch an allen Importen lag allerdings nur bei 3 %, der Anteil des Vollmilchpulvers bei knapp der Hälfte und der von Magermilchpulver bei 20 %. Auf Käse entfallen etwa 6 % aller Importe (fast ausschließlich aus Neuseeland) und auf Butter 3 %.
 
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