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Politik national

Christian Meyer: Über Anreize zu mehr Qualität

von , am
07.05.2013

Hannover - Über die "sanfte Agrarwende" und seine agrarpolitischen Ziele sprach der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) jetzt in einem LAND & Forst-Interview.

 
Herr Meyer, knapp drei Monate sind nach Ihrem Amtsantritt vergangen: Was hat Sie als Minister am meisten positiv überrascht?
 
Positiv hervorzuheben sind sicher vor allem die Offenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ministerium und in den nachgeordneten Behörden sowie die sehr hohe Kompetenz, mit der die kurz aufeinander folgenden drei Verbraucherschutzskandale und Krisen bewältigt wurden, die wir mit Pferdefleisch und Aflatoxin bis zum Betrug mit den angeblichen Bioeiern.
 
Mussten Sie schon Einschätzungen korrigieren, mit denen Sie ihr Amt angetreten haben?
 
Manches würde ich gern schneller erreichen. Das kennt man aus der Opposition anders, wo man viel allein entscheiden konnte. Jetzt geht das eben nicht mehr. Man muss sich mit den verschiedenen Ebenen abstimmen und mit anderen Ministerien und lernt schnell, wie die Abläufe und Dienstwege sind, die man einhalten muss.
 
Sie sprechen von der sanften Agrarwende, die Sie anstreben. Können Sie uns erklären, was darunter zu verstehen ist?
 
Hier geht es vor allem darum, die Landwirtschaft über Überzeugungen und Anreize weiterzuentwickeln in eine verbraucher- und umweltgerechtere Richtung, die dann auch eine höhere Akzeptanz in der Gesellschaft findet. Das meint auch, dass sich für die große, überwiegende Zahl der Landwirte nicht sehr viel ändert. Deshalb haben wir gesagt, dass wir die rund 40.000 bäuerlichen Familienbetriebe in den Mittelpunkt unserer Politik stellen. Ändern muss sich etwas bei den wenigen Formen der Tierhaltung, die sich in Dimensionen bewegt, für die sich in der Gesellschaft kaum noch Akzeptanz findet und die Umweltprobleme verursachen, mit hunderttausenden von Hühnern auf engsten Raum oder Schweinehaltungsanlagen mit zehntausenden Schweinen. Insgesamt aber soll es in Richtung mehr Qualität und Nachhaltigkeit gehen.
 
Was genau verstehen Sie darunter, die Qualität zu steigern?
 
Das heißt vor allem, dass gute Produkte einen besseren, einen faireren Preis erzielen. Denn wenn sie zum Beispiel mehr Tierschutz anbieten, müssen die höheren Kosten auch honoriert werden. Damit der Verbraucher das an der Ladentheke erkennen kann, muss man sich für Kennzeichnungen, Siegel oder Marketing einsetzen. Oder staatliche Anreize für mehr Nachhaltigkeit setzen. Wenn beispielsweise ein Landwirt einen Blühstreifen anlegt, dann hat er zunächst nichts davon, aber die Gesellschaft. Das ist für mich Ausdruck einer Qualitätslandwirtschaft, die auch die gesellschaftlichen Leistungen, die sie erbringt, stärker in den Mittelpunkt rückt anstatt nur möglichst auf Masse und auf möglichst billig zu produzieren.
 
Mit dem Ziel, Qualität besser zu bezahlen, rennen Sie bei vielen Landwirten offene Türen ein. Deren Erfahrungen mit Qualitätsprogrammen in der Vergangenheit waren leider häufig negativ. Woher nehmen Sie denn die Überzeugung, dass es dieses Mal funktionieren wird?
 
Ich kann die Bedenken verstehen, deshalb sagen wir ja auch nicht, steigt jetzt gleich alle auf Bio um ? das würde der Markt schließlich gar nicht hergeben. Aber Aufgabe der Politik ist es nun einmal, dafür zu sorgen, dass der Verbraucher beziehungsweise der Wähler das bekommt, was er in Umfragen immer angibt, es haben zu wollen. Dafür ist die Kennzeichnung sehr wichtig, und wir haben im Moment eben keine ehrliche Kennzeichnung. Solange man auf einer Eierpackung ein Huhn auf einer Wiese abbilden darf, obwohl keine der Legehennen jemals auf einer Wiese war, hat der Landwirt, der seine Hühner tatsächlich auf der Wiese hält, ganz klar einen Wettbewerbsnachteil. Gerade das Beispiel Eierkennzeichnung zeigt doch, dass es geht: Schreibt man "Käfigei" drauf, lässt der Verbraucher es liegen ? mogelt man ihm dasselbe, in der Regel zum Nachteil niedersächsischer Landwirte aus dem Ausland importierte Käfigei im fertigen Kuchen oder in der Mayonaise unter, dann kauft er, weil er es nicht erkennen kann.
 
 
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