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Politik EU

Ciolos: Fleischsektor europaweit stärken

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von , am
11.06.2012

Dacian Ciolos fordert eine bessere Zusammenarbeit und einen intensiveren Dialog auf internationaler Ebene für die Landwirtschafts- und Tierhaltungsbetriebe.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. © EC
Auf dem World Meat Congress in der vergangenen Woche in Paris betonte er ebenfalls, dass Handelsbeziehungen ausgebaut werden müssten. "Zahlreiche Gegensätze prägen und fordern den europäischen Fleischsektor", hob der EU-Agrarkommissar hervor. Während der Fleischverzehr in den Schwellenländern steigt, wird in den entwickelten Ländern vor einem übermäßigen gesundheitsschädigenden Konsum gewarnt. Wird die Tierhaltung einerseits im Zusammenhang mit der Erhaltung der natürlichen Artenvielfalt und Pflege der Landschaft genannt, äußern sich kritische Stimmen zu den Umweltauswirkungen der Tierproduktion. Profitieren einige Regionen vom Wachstum der neu entstehenden Absatzmärkte, erzeugt der Wettbewerb in anderen Gebieten zunehmend Druck.

Landschaft, kulturelle Identität und Umwelt bewahren

Auch die Tatsache, dass Europa im Zuge der aufeinanderfolgenden Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) heute selbst zum "Preisnehmer" geworden sei, stelle die Tierhalter vor weitere Herausforderungen: "Wir müssen uns dem Problem Ernährungssicherheit - also Deckung der wachsenden Nachfrage - stellen und dabei gleichzeitig die Landschaft, die starke kulturelle Identität, die mit Fleisch zusammenhängt, und die Umwelt bewahren", erklärte Ciolos. Dazu brauche es auch ein schlüssiges internationales Konzept, sowohl für bilaterale als auch für multilaterale Beziehungen, wie es zum Beispiel in der Verhandlungsrunde von Doha vorgesehen wäre.

Ciolos: Ausbau von Handelsbeziehungen nötig

Als bedeutend nannte Ciolos die Einhaltung von Normen, die jedoch nicht dazu verwendet werden dürften, Handelshemmnisse aufzubauen. Auch politische, gesellschaftliche und ethische Aspekte müssten anerkannt werden, um den Forderungen der Bürger Rechnung zu tragen. Die Vorreiterrolle Europas, welche für die Landwirte häufig mit Kosten verbunden ist, finde in internationalen Verhandlungen noch zu wenig Beachtung. "Sind es die übermäßigen Schwankungen der Weltmarktpreise, die sehr unmittelbare Auswirkungen auf die Tierhaltungsbetriebe haben, insbesondere auf diejenigen, die bei ihrem Tierfutter stark von Importen abhängen? Ist es die Zunahme der Gesundheitsrisiken infolge des Klimawandels und des Anstiegs des internationalen Handels? Alle diese Fragen machen deutlich, dass die Zusammenarbeit und der Dialog auf internationaler Ebene für die Landwirtschafts- und Tierhaltungsbetriebe verstärkt werden müssen (G-20 und FAO)", betonte Ciolos und verwies gleichzeitig auf den nötigen Ausbau der Handelsbeziehungen.
 
Dennoch konnten positive Entwicklungen in der Tierhaltung beobachtet werden. Etwa dadurch, dass mittlerweile Instrumente wie Ausfuhrerstattungen oder Beihilfen für die Private Lagerhaltung nur noch selten in Anspruch genommen würden. An die Stelle dieser Maßnahmen wären Sicherheitsnetze getreten, die keinen Einfluss auf den Markt mehr haben, sondern nur noch in ernsten Krisensituationen zur Anwendung kommen.

GAP-Reformen sollen Sektor stärken

Ehrgeizige Ziele für den Fleischsektor würden auch im Rahmen der GAP-Reform verfolgt. So sollen Junglandwirte eine gerechtere finanzielle Unterstützung erhalten, um den häufig im Fleischsektor schwierigen Generationenwechsel reizvoller zu machen. Zudem sollen die EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit erhalten, benachteiligte Gebiete, wo häufig Tierhaltung betrieben wird, stärker zu unterstützen. Verbesserte Maßnahmen sollen die Organisationen der Produktions- und Vermarktungskette (Erzeugervereinigungen) forcieren. Wirksame Instrumente zur Stabilisierung der Märkte mit entschiedener Förderung von Absicherungsmechanismen und Fonds sollen beibehalten und Anstrengungen für eine bessere Kommunikation der Qualität verstärkt werden.

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