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Politik international

Date mit Dacian

von , am
05.03.2010

München - Der Neue ist in Berlin! So hieß die aufgeregte Parole am Montag und Dienstag - und auch im Rest der Woche - unter Agrariern in der Bundeshauptstadt. Der frisch gebackene EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kam zum Antrittsbesuch.

Es war noch nicht einmal zwölf Uhr am vergangenen Dienstag als uns die erste Pressemeldung auf den Schreibtisch flatterte. Exakt um 11:42 Uhr verschickte das Büro des Genossenschaftspräsidenten Manfred Nüssel seine Einschätzung eines ersten Gesprächs mit Dacian Ciolos.


Das Meeting war erst wenige Minuten davor zu Ende gegangen. Und diese Pressemeldung sollte nicht die einzige zu diesem Thema bleiben.

Der Neue ist in Berlin! So hieß die aufgeregte Parole am Montag und Dienstag - und auch im Rest der Woche - unter Agrariern in der Bundeshauptstadt. Der frisch gebackene EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kommt zu einem Antrittsbesuch. Und das hieß erstmal Überstunden für die Presseabteilungen.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Und so fassten alle noch einmal ihre Ideen, ihre Vorstellungen und – vor allem – ihre Forderungen zur gemeinsamen europäischen Agrarpolitik und der Agrarreform 2013 zusammen. Und wer noch eine Einschätzung zur Person des neuen Kommissars parat hatte, ergänzte seinen Text damit.

Bis Mittwochabend ballerten die Verbände und die Fraktionen der Union, FDP und der Grünen ihre Pressemeldungen dann in die Redaktionen. FDP-Agrarexperte und Chef des Agrarausschusses Michael Goldmann liess anrufen, ob man ihn dazu nicht am Telefon interviewen möchte.

Nur Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, mittlerweile erfahren und deshalb eher gelassen in allen politischen Dingen, wollte keine Presseerklärung nach seinem Gespräch mit Dacian Ciolos herausgeben. Auf Interviewanfragen reagierte er – sagen wir – freundlich widerwillig. Stattdessen griff er anschließend zu seinem Handy und telefonierte lang und ausgiebig. Kurz darauf brachte ihn ein Linienjet weg von Berlin.

In einem Interview mit uns am späten Nachmittag des Dienstags – wir waren freundlich beharrlich an ihm drangeblieben - erklärte er, Ciolos sei zu einem Recherche-Besuch nach Deutschland gekommen, habe viel zugehört, viel gefragt, aber noch keine Konzepte verkündet. Wie denn auch? Ciolos schieße nicht aus der Hüfte, so Sonnleitner. Darüber sei er sehr erleichtert. Man will sich wieder treffen, eine Einladung zum Bauerntag in Berlin sei ausgesprochen.

Letzte Woche hatte Ciolos in einem Interview erklärt , dass er an der ersten Säule festhalten , auch für attraktive Etats kämpfen wolle. Die zweite Säule sehe er als Innovationswerkzeug. Keine Presseerklärung diese Woche nahm zu diesem Aspekt Stellung. In Berlin wird wohl noch verdaut.

Emotionen ganz anderer Art weckt im Süden derweil die Beitritt der rund 150 Milcherzeuger der „MEG Milch Board Günzburg“ zur „Bayern MEG“. Dieser Schritt weckt die Hoffnung auf eine stärkere Bündelung der Produktion und damit auf positive Preis-Effekte. In diesem Punkt sind sich Bayerischer Bauernverband und BDM einig. Bleibt nur zu warnen, dass dieser Beitritt zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber mit Sicherheit nicht die Probleme der Milcherzeuger lösen kann. Denn die Region ist eine keine Insel. Wäre interessant, was Ciolos hierfür ein Rezept hat.

Olaf Deininger


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