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Politik national

Dauerbrenner Glyphosat: agrarheute.com fragt nach

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von , am
12.06.2015

Die hessische Gemeinde Ahnatal verbietet Glyphosat auf verpachteten Flächen, toom-Baumärkte verkaufen das Pflanzenschutzmittel nicht mehr. Was ist dran an den Diskussionen um Glyphosat? Wir haben nachgefragt.

Ist Glyphosat für Landwirte gefährlich? Nein, nicht bei vorschriftsgemäßer Anwendung, sagt das BfR. © landpixel
Dauerthema Glyphosat: Das Pflanzenschutzmittel spaltet die Gemüter. Während die einen Gesundheitsgefahren fürchten und sich auf die Einstufung einer Unterorganisation der WHO namens IARC berufen, beziehen sich die anderen auf Statements der Zulassungshörden, zu denen auch das BfR zählt. Das sieht - bei vorschriftsgemäßer Anwendung - keine Gesundheitsgefahren für Landwirte und Verbraucher.
 
Deswegen haben wir nachgefragt: Beim BfR, beim Deutschen Bauernverband (DBV) und beim BUND.

Glyphosat zur Sikkation, Vorauflauf- und Vorsaatbehandlung

Während der BUND der Ansicht ist, dass Landwirte gut auf Glyphosat verzichten können ("Ein versierter Landwirt bekommt die ackerbaulichen Probleme auch anders in den Griff"), sieht der DBV glyphosathaltige Herbizide als normalen Bestandteil des Werkzeugkastens. Vor allem wenn eine mechanische Regulierung von Ausfallgetreide oder Unkräutern unmöglich ist, sei Glyphosat in der Stoppel- und Vorsaatbehandlung wichtig.
 
In Punkto Sikkation weist der Bauernverband darauf hin, dass diese nur in wenigen Ausnahmefällen erlaubt sei.
 
Das BfR schreibt dazu: "Ein Verbot der Sikkation in Ölsaaten bzw. bei Wurzeln- und Knollenkulturen hätte keinen signifikanten Einfluss auf die Verbraucherexposition."

Ausbringungsmenge begrenzen oder nicht?

Nachdem im vergangenen Jahr sowohl die jährlich erlaubte Höchstmenge, als auch der Mindestabstand zwischen zwei Behandlungen beschränkt worde ist, sieht der Bauernverband keine Notwendigkeit für schärfere Einschränkungen.
 
Der BUND hingegen plädiert für ein Totalverbot. Gemäß dem EU-Vorsorgeprinzip sieht er die Behörden in der Pflicht, auch "wenn der letzte Beweis für die Gesundheitsschädlichkeit eines Stoffes noch nicht vorliegt, jedoch ein hinreichender Verdacht besteht".

Gesundheitsgefahr für Landwirte?

Der BUND sieht insbesondere Landwirte durch den Einsatz des Pflanzenschutzmittels gefährdet. "Denn keine Berufsgruppe setzt mehr Glyphosat ein und kommt dadurch stärker mit diesem Wirkstoff in Konakt."

Ganz anders der Deutsche Bauernverband: "Bei striktem Einhalten der guten fachlichen Praxis sehen wir keine Gefahr."

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht bei in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln keine Gesundheitsgefahren für Landwirte - vorausgesetzt, diese werden "bestimmungsgemäß" angewendet.

Was ist mit dem Einsatz von Glyphosat im privaten Bereich?

Dem Einsatz von Glyphosat durch Privatpersonen kann der BUND nichts abgewinnen. Dementsprechend plädiert man für ein Verbot.
 
Das BfR äußert sich zu Gesundheitsgefahren für Verbraucher: Nachdem hier noch strengere Regeln gelten als für Landwirte sieht es hier keine Gefährdung.
 
Der Bauernverband hingegen denkt über eine bessere Qualifikation der Privatleute nach. Nachdem Landwirte und Händler durch den Sachkundenachweis gut für den Pflanzenschutzeinsatz ausgebildet sind, sei es überlegenswert, "ob solche Sachkunde auch von Privatverbrauchern gefordert wird oder eine Einschränkung erfolgen muss."
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