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Depressionen zwingen zum Hausverkauf: Finanzamt will Erbschaftssteuer

ältere Frau schaut traurig aus dem Fenster
am Donnerstag, 02.09.2021 - 11:44 (Jetzt kommentieren)

Das Finanzamt bleibt hart, als eine Witwe wegen Depressionen ihr geerbtes Haus verkauft.

Ein Ehepaar hatte lange gemeinsam im eigenen Haus gewohnt. Jedem Partner gehörte eine Hälfte der Immobilie. Als der Ehemann 2017 starb, erbte die Ehefrau dessen Hausanteil.

Für ein Eigenheim fällt keine Erbschaftssteuer an, wenn es der Erbe weiterhin selbst bewohnt. Wird die Immobilie innerhalb von zehn Jahren verkauft, entfällt jedoch die Steuerbefreiung.

Witwe verkauft ihre Immobilie wegen Depressionen

Im konkreten Fall verkaufte die Witwe das Einfamilienhaus Ende 2018 und zog in eine Eigentumswohnung um. Daraufhin änderte das Finanzamt den Erbschaftssteuerbescheid und verlangte nachträglich Erbschaftssteuer für die geerbte Haushälfte.

Dagegen wehrte sich die Frau: Sie habe das Eigenheim nicht mehr selbst nutzen können, weil sie nach dem Tod ihres Mannes unter Depressionen und Angstzuständen gelitten habe. Schließlich sei er im Haus gestorben, das habe sie sehr mitgenommen. Deshalb habe ihr Arzt dringend zu einem Umzug geraten.

Finanzamt: Depressionen sind keine zwingenden Gründe für Hausverkauf

Bei einem Verkauf des Familienheims entfalle die Steuerbefreiung nur dann nicht, wenn für den Verkauf zwingende Gründe vorlägen, erklärte das Finanzgericht Münster (3 K 420/20). Und das treffe nur zu, wenn es dem Erben unmöglich sei – beispielsweise wegen Pflegebedürftigkeit – im Eigenheim selbstständig einen Haushalt zu führen.

Das Finanzgericht räumte ein, der Tod des Ehemannes im Haus und die Depression hätten die Frau gewiss sehr belastet. Im rechtlichen Sinn stelle das trotzdem keinen „zwingenden Grund“ dar, die eigene Immobilie aufzugeben.

Mit Material von onlineurteile.de

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