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Wirtschaft

Deutlich höhere Preise für Agrarland gezahlt

© Mühlhausen/landpixel
AgE
am
17.08.2011

Berlin - Bei einer bundesweit nahezu unveränderten Bodenmobilität sind im vergangenen Kalenderjahr für Agrarland deutlich höhere Preise gezahlt worden als 2009.

Der Deutsche Bauernverband lehnt die Vorschläge zum „Greening“ der Direktzahlungen ab. © landpixel
Das geht aus den aktuell vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zu den Kaufwerten landwirtschaftlicher Grundstücke hervor. Demnach stieg 2010 in den neuen Ländern der Preis für Agrarflächen verglichen mit dem Niveau des vorangegangenen Jahres im Durchschnitt um 24,6 Prozent (%) auf 7.405 Euro je Hektar (ha). In Westdeutschland legten die Erlöse im Mittel um 4,2 Prozent auf 18.719 Euro/ha zu. Daraus leitete sich für das gesamte Bundesgebiet eine Verteuerung des den Besitzer wechselnden Acker- und Grünlandes um durchschnittlich 8,7 % auf 11.854 Euro/ha ab. Das Verkaufsareal nahm dabei im vorigen Jahr leicht ab, und zwar gegenüber 2009 um 0,7 % auf 113.866 ha.
 
Während in den alten Bundesländern, wo die Kaufwerte deutlich höher liegen, die veräußerte Gesamtfläche der landwirtschaftlichen Nutzung (FdIN) um 5,5 % auf 44.773 ha zurückging, erhöhte sie sich in Ostdeutschland um 2,6 % auf 69.092 ha. Die FdIN weicht im Detail etwas von der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) ab; so gehören beispielsweise Areale aus dem Garten- und Weinbau zur LF, aber nicht zur FdIN. An der Spitze in Sachen Bodenmobilität lag erneut Brandenburg mit einer verkauften Fläche von 26546 ha, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit 17.159 ha sowie 15.094 ha. Die Verkäufe im Rahmen des Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetzes (EALG) wurden wegen "zu geringer Fallzahlen" nicht mehr veröffentlicht. Diese sind in die Statistik über die Kaufwerte landwirtschaftlicher Grundstücke aber ohnehin nicht einbezogen.

Geringe Verkaufsbereitschaft im Süden

Am teuersten ist Agrarland nach wie vor in Nordrhein-Westfalen. Im Schnitt mussten dort im vergangenen Kalenderjahr 28.051 Euro pro Hektar FdIN gezahlt werden; das waren 4,5 % mehr als 2009 und fast 2.200 Euro/ha mehr als in Bayern, das in der Rangskala der Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke auf Platz zwei liegt. Im Freistaat erhöhte sich der mittlere Preis für die transferierten Flächen um 3,2 % auf 25.866 Euro/ha. Es folgt Baden-Württemberg, wo sich Acker- und Grünland 2010 im Schnitt um 4,3 % auf 19.824 Euro/ha verteuerten. Dabei war die Ertragsmesszahl der verkauften Grundstücke im Südwesten mit 49,5 unter den alten Bundesländern die höchste. Für Nordrhein-Westfalen weist das Statistische Bundesamt hier einen Wert von 48,5 und für Bayern von 45,0 aus. Allerdings war die Bodenmobilität in Baden-Württemberg sehr gering. Dort wurden 2010 nur 4 299 ha FdIN veräußert, was im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme um 23,0 % bedeutete. In Bayern - der Größe nach die Nummer eins unter den Bundesländern, vor Niedersachsen und Baden-Württemberg - wechselten 6.042 ha FdIN den Besitzer; das waren 14,4 % weniger als im Jahr 2009. In Nordrhein-Westfalen ging die Verkaufsfläche demgegenüber "nur" um 3,3 % auf 5.818 ha zurück.

Ein Drittel mehr Fläche in Schleswig-Holstein transferiert

Entgegen dem westdeutschen Gesamttrend wurde in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr deutlich mehr landwirtschaftliche Fläche verkauft als 2009; mit 5.293 ha wurde im Norden der Vorjahreswert um 32,4 % übertroffen. Die Preise erhöhten sich dort im Mittel um 5,2 % auf 16.923 Euro/ha. Am kräftigsten, sowohl relativ als auch absolut, zog der Kaufwert für Agrarland im Westen in Niedersachsen an, nämlich im Schnitt um 9,0 % auf 16.716 Euro/ha, wobei dort zuletzt 15.094 ha den Besitzer wechselten, 7,4 % weniger als im Vorjahr. Am preiswertesten unter den alten Bundesländern waren Acker- und Grünland auch 2010 im Saarland zu kaufen; nur dort kam es zudem im vergangenen Jahr zu einem Rückgang der Preise für Agrarflächen, nämlich um 13,6 % auf 8.706 Euro/ha. In Rheinland-Pfalz wurden 2010 im Mittel 10.017 Euro/ha und in Hessen 12.499 Euro/ha gezahlt, was einer Verteuerung um 4,3 % beziehungsweise 0,2 % entsprach.

Erheblich mehr Fläche in Sachsen verkauft

Zum Teil sehr stark in Bewegung war 2010 der Bodenmarkt in Ostdeutschland. Das galt besonders für Sachsen, wo der Umfang der veräußerten FdIN gegenüber dem Vorjahr um 45,2 % auf 6.908 ha zunahm und die Kaufwerte im Schnitt um 28,1 % auf 6.742 Euro/ha nach oben schnellten. Die durchschnittliche Ertragsmesszahl der veräußerten Areale belief sich dort auf 47,9. Noch größer fielen die Preisaufschläge im vergangenen Jahr jedoch in Regionen mit weitaus schlechteren Böden aus: So verteuerte sich Agrarland in Brandenburg im Mittel um 34,3 % auf 6.334 Euro/ha und in Mecklenburg-Vorpommern um 30,3 % auf 9.187 Euro/ha. Während dabei in Brandenburg die Verkaufsfläche um 10,8 % zunahm, verringerte sie sich in Mecklenburg-Vorpommern um 5,1 % auf 17.159 ha. Auch in Sachsen-Anhalt nahm die Bodenmobilität ab; das veräußerte Areal nahm gegenüber 2009 um 15,2 % auf 11.440 ha ab, während der mittlere Preis dafür um 13,5 % auf 8.264 Euro zulegte. Dabei wiesen die verkauften Böden in Sachsen-Anhalt mit 59,2 die bundesweit mit Abstand höchste Ertragsmesszahl aus. In Thüringen, wo mit 7 039 ha praktisch die gleiche Agrarfläche wie 2009 den Besitzer wechselte, mussten die Käufer durchschnittlich 6.350 Euro/ha und damit 22,4 % mehr als im Jahr zuvor zahlen. Hier belief sich die mittlere Ertragsmesszahl auf 45,9.

Münster am kostspieligsten

Den Wiesbadener Statistikern zufolge wurden in Deutschland ohne Stadtstaaten im Jahr 2010 im Mittel 2,57 ha FdlN pro Veräußerungsfall transferiert. In den alten Bundesländern waren es dabei durchschnittlich 1,48 ha und in den neuen Ländern 4,94 ha. Wie aus den Daten außerdem deutlich wird, variieren die Preise für landwirtschaftliche Flächen auch innerhalb der Bundesländer zum Teil erheblich. Am meisten kostete im vorigen Jahr Agrarland im Regierungsbezirk Münster, wo die Preise binnen Jahresfrist um 5,8 % auf 37 424 Euro/ha stiegen. Im ebenfalls nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Detmold waren hingegen "nur" 20.655 Euro/ha FdlN zu zahlen. Auch in Bayern differieren die Kaufwerte für Böden zur landwirtschaftlichen Nutzung deutlich: Im Regierungsbezirk Oberbayern, wo 2008 und 2009 der bundesweit höchste Durchschnittspreis registriert worden war, kostete ein Hektar 2010 im Mittel 36.500 Euro, im Regierungsbezirk Oberfranken dagegen lediglich 13.918 Euro.
 
In Hessen weichen die Preise ebenfalls stark voneinander ab: Dort stand die zuletzt im Schnitt pro Hektar gezahlte Summe von 19 752 Euro im Regierungsbezirk Darmstadt dem im Mittel erlösten Betrag von 9.409 Euro/ha im Regierungsbezirk Gießen gegenüber. Nicht so groß sind die Unterschiede in Baden-Württemberg, wo 2010 im Regierungsbezirk Stuttgart für Agrarflächen durchschnittlich 22.061 Euro/ha gezahlt wurden und im Regierungsbezirk Freiburg als dort „günstigstes Pflaster“ 16.478 Euro/ha. In Sachsen mit drei Regierungsbezirken reichten die Preise für landwirtschaftliche Grundstücke zuletzt von 5.680 Euro/ha im Bezirk Dresden bis zu 7.919 Euro/ha im Bezirk Leipzig. 
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