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Wirtschaft

Jeder deutsche Landwirt ernährt heute 133 Menschen

Externer Autor ,
am
23.12.2009

Hannover - Die Produktivität in der Landwirtschaft ist in den vergangenen 100 Jahren rasant gestiegen. Wie aus dem jüngsten Situationsbericht des DBV hervorgeht, kann ein Landwirt immer mehr Menschen mit seiner Arbeit ernähren.

© agrarfoto

Vor 100 Jahren galt Deutschland noch als Agrarstaat. In der Landwirtschaft arbeiteten rund 38 Prozent aller Erwerbstätigen und erwirtschafteten so einen Anteil von knapp 30 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung des Staates. Ein Landwirt erzeugte um 1900 mit seiner Arbeit aber nur Nahrungsmittel für etwa vier Menschen.

1950 konnte ein Bauer bereits zehn und nur weitere zehn Jahre später bereits 17 Menschen mit seiner Arbeit "satt machen". In den darauffolgenden Jahren nahm die Produktivität in der Landwirtschaft immer weiter zu. 1980 konnte ein Landwirt bereits so viele Nahrungsmittel produzieren, dass er 47 Personen ernähren konnte. Bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf 127. Heute kann ein Landwirt rein rechnerisch sogar 133 Personen ernähren.

Produktivitätssteigerung durch technischen Fortschritt

Die enorme Leistungssteigerung wurde vor allem durch verbesserte Produktionsmethoden wie leistungsstärkere Landmaschinen, effektive Pflanzenschutzmittel und neue Getreidesorten möglich. So wurden innerhalb der vergangenen 100 Jahre Zugtiere durch motorisierte Maschinen ersetzt, Fütterungsprozesse konnten automatisiert und präzisiert werden. Seit einigen Jahren bestimmt darüber hinaus immer mehr die moderne EDV den Technikeinsatz in der Landwirtschaft.

Durchschnittliche Hektarertrag viermal so hoch

Dementsprechend gelten heute Präzisionslandwirtschaft, computergesteuerte Prozesse oder Melkroboter als Stichworte für die moderne Landwirtschaft. Doch nicht nur beim Technikeinsatz hat sich die Moderne in der Landwirtschaft durchgesetzt. So konnte ein Landwirt vor 100 Jahren beispielsweise etwa 18,5 Dezitonnen Weizen von einem Hektar ernten. Heute liegt der durchschnittliche Hektarertrag mit 77,8 Dezitonnen pro Hektar mehr als viermal so hoch. Während vor 100 Jahren knapp 130 Dezitonnen pro Hektar Kartoffeln gerodet werden konnten, sind es heute 440,6 Dezitonnen pro Hektar.

Nur 2,1 Prozent in der Landwirtschaft tätig

Der Einfluss wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse in die Fütterung und verbesserte Haltungsbedingungen haben außerdem dazu geführt, dass auch die Leistungen "aus dem Stall" immer besser geworden sind. So gab beispielsweise eine Kuh vor 100 Jahren rund 2.165 kg Milch im Jahr, heute sind es durchschnittlich 6.827 kg. Der Einsatz all der kapital- und wissensintensiven Produktionsmittel hat jedoch nicht nur zu einer Produktivitätssteigerung, sondern auch zu einem rasanten Strukturwandel geführt. Heute arbeiten nur noch 2,1 Prozent aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die einen Anteil von rund einem Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung beisteuert. (pd)

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