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Kommerzielles Bauernbashing

Die DEVK und die Tierrechtler

DEVK-Schild
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Sabine Leopold, agrarheute
am
01.12.2017

Anfang November rief die DEVK zu einer Spendenaktion für Tierrechtler auf. Aus Renommee-Gründen machte der Eigentums- und Haftpflichtversicherer gemeinsame Sache mit Stalleinsteigern. Und setzte damit bedenkliche Zeichen für die Gesellschaft und deren Umgang mit Landwirten.

Anfangs kursierte das Gerücht, Tierrechtler hätten den Facebook-Auftritt der DEVK gehackt. Zu unglaublich schien, dass einer der größten deutschen Versicherer gemeinsame Sache mit Stalleinsteigern macht. 

Doch was da Anfang November verbreitet wurde, stammte tatsächlich aus der Feder von DEVK-Mitarbeitern: „Eure Spende gegen Tierquälerei! Animal Equality Germany kämpft gegen die Tierhaltung in Mastbetrieben und Schlachthäusern. [...] Doch Aufklärung ist teuer. Auf pack-mit-an.de könnt ihr helfen!“

Parolen werden nicht hinterfragt

Vor allem die Ausdrucksweise schockierte die landwirtschaftliche Community. Die verärgerten Kommentare ließen nicht lange auf sich warten.

Die Pressestelle der DEVK reagierte mit Unverständnis und Verwirrung. Auf Anfrage von agrarheute bestätigte das Unternehmen, dass die dramatisierte Ausdrucksweise nicht aus dem eigenen Hause stammte. Man hatte einfach unhinterfragt die Formulierungen von Animal Equality übernommen. Ein Problem sah die Kommunikationsabteilung der DEVK darin nicht, auch wenn es – nach eigenen Aussagen – keinerlei landwirtschaftliche Fachkompetenz unter den verantwortlichen Mitarbeitern gibt.

Es dauerte fast eine Woche und brauchte zahlreiche Kündigungsandrohungen von Versicherungskunden, bis sich die DEVK entschloss, den fragwürdigen Spendenaufruf von ihrer Seite zu nehmen.

Alles für den schönen Schein

Wie kann es aber sein, dass ein Privateigentumsversicherer wie die DEVK einen Spendenaufruf für Stalleinsteiger startet?

Die Antwort ist so einfach wie bestürzend: Niemand im Unternehmen hatte sich auch nur grundlegende Gedanken darüber gemacht, was Animal Equality beispielsweise unter „Undercover-Recherche“ versteht. In den meisten Fällen reicht inzwischen die scheinbar ach so edle Attitüde der Schweine- und Hühnerretter aus, um deren Aktivitäten unhinterfragt gutzuheißen.

Dass zu Letzteren neben Rufmord und Bedrohung nicht selten auch Sachbeschädigungen und Eigentumsdelikte gehören, fällt im glänzenden Schein des Weltrettertums kaum ins Kalkül.

Mit Umwelt- und Tierschutzaktivitäten schmückt man sich heutzutage eben gern. Das lenkt unter anderem hervorragend von kleineren oder größeren Makeln in der eigenen Unternehmensphilosophie ab. Die DEVK ist nicht der erste deutsche Großkonzern, der so verfährt.

Greenwashing auf Bauernkosten

Vor rund zweieinhalb Jahren brauchte der – auch vor seinen Abgasmauscheleien bereits angeschlagene – VW-Konzern dringend ein bisschen Greenwashing.

Die Lösung: vegetarisch-vegane Restaurants in der Wolfsburger Autostadt. Und eine beispiellose Kampagne gegen die konventionelle Landwirtschaft, die mit Rückständen von Anabolika, Antibiotika und Hormonen den Verbraucher vergifte und zudem ein bedenklicher Ressourcenverschwender und Klimasünder sei.

Der Zorn unter den Landwirten war verständlicherweise groß. Trotzdem dauerte es Wochen, bis VW sich bequemte, die diffamierenden Texte zu korrigieren. Schließlich galt abzuwägen, was dem Unternehmen mehr Reputation bringt: das grüne Mäntelchen oder ein ehrlicher Umgang mit Land- und Ernährungswirtschaft. Bei nur rund 940.000 Beschäftigten im Agrarbereich hierzulande fällt die Entscheidung wahrscheinlich nicht schwer.

Kampagnen nicht still ertragen!

Auch wenn es bitter ist: Der Missbrauch landwirtschaftlicher Themen zur Beförderung von Geschäftsmodellen und – unter anderem politischen – Karrieren gehört inzwischen zum Alltag.

Das gilt auch für Prominente jeglicher Coleur: Vom Spitzenschauspieler bis zum Dschungelkönig verkündet mittlerweile jeder, der seine soziale Kompetenz beweisen möchte, seine Abscheu gegenüber „Massentierhaltung“ und „industrieller Landwirtschaft“. Und so seicht diese Sprüche und ihre Autoren sein mögen – sie erreichen ein großes Publikum.

Dabei lügen nur die wenigsten „kommerziellen Bauernbasher“ bewusst. In den meisten Fällen ist es sträfliches Desinteresse, bei dem Wissen ersetzt wird durch kritiklos übernommene Meinungen. Das Beispiel der DEVK zeigt das. Und es beweist auch: Solche Äußerungen sollten nicht still akzeptiert werden.

Ohne den Protest zahlreicher Landwirte würde VW vielleicht heute noch erklären, nur Veganismus sei wirklich nachhaltig und nur Bioware gesundheitlich unbedenklich. Und die DEVK würde weiter Spenden für Stalleinsteiger sammeln.

Ein hoffentlich nachhaltiger Lerneffekt

Die Auseinandersetzung mit derartigen Kampagnen bewirkt aber noch etwas anderes: Die Kommunikationsabteilungen der betreffenden Unternehmen müssen sich wenigstens im Nachhinein mit den oberflächlich hingeworfenen Themen beschäftigen.

Das führt – hoffentlich – zu einer Erkenntnis: Deutsche Landwirte arbeiten verantwortungsvoll. Und sie stehen nicht kommentarlos als Prügelknaben zum Aufpolieren von Firmen- oder Personenrenommees zur Verfügung.

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