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Gesundheit

Diagnose Karpaltunnelsyndrom? So können Sie eine OP vermeiden

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am Freitag, 31.12.2021 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Kribbeln, Taubheit, Daumenschmerzen - bei solchen Symptomen erhalten Landwirte öfter die Diagnose: Karpaltunnelsyndrom. Muss operiert werden, kommt es zu längeren Ausfallzeiten. So lässt sich eine OP vermeiden.

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Der feste Griff um die Zitze ließ den Schmerz erstmals durch ihre Hand fahren. Seit Monaten schon spürte Ingrid Göttsberger immer wieder so ein Kribbeln in den Fingern, als würde ihre Hand einschlafen. Nun löste jeder zweite Handgriff beim Melken Schmerzen an der Handinnenseite aus. Auch die linke Hand begann irgendwann zu schmerzen. Nach und nach ließ die Kraft in den Händen nach und die Landwirtin suchte einen Arzt auf.

Karpaltunnelsyndrom ist eine Berufskrankheit

Die Diagnose: Karpaltunnelsyndrom. Das Problem kennen vor allem Menschen, die unter hohem Krafteinsatz viel mit den Händen arbeiten. Deshalb zählt das Karpaltunnelsyndrom auch zu den Berufskrankheiten der grünen Branche. Insbesondere bei Melkarbeiten werden die Finger unnatürlich oft gebeugt, aber viel zu wenig gestreckt. Wer solche Beugebewegungen täglich absolviert, bringt mit der Zeit hohe Spannungen in die Muskeln und Faszien seines Unterarms. Die Muskeln „verkürzen” sich und die Sehnen im Unterarm müssen dadurch immer größere Kräfte in die Hand und in die Finger übertragen.

Das sind die ersten Anzeichen

Erste Anzeichen sind Gefühlsstörungen wie Ameisenlaufen und Taubheitsgefühle. Sie treten gerne mal nachts oder früh morgens auf. Kommen Schmerzen dazu, ist dies ein deutliches Warnsignal, dass der Nerv gequetscht wird. Betroffenen fällt dann selbst das Halten einer Kaffeetasse schwer. Spätestens jetzt sollte gehandelt werden, sonst kann es zu irreversiblen Schädigungen des Nervs kommen. Im weiteren Verlauf kann es zum Verlust des Tastsinns und der Feinmotorik führen, im schlimmsten Fall zu Lähmungserscheinungen und Muskelschwund.

OP – Ja oder Nein?

Das Karpaltunnelsyndrom war bei Ingrid Göttsberger schon weit fortgeschritten. Das zeigte die Messung der Leitfähigkeit des Nervus medianus. Bei einer Druckschädigung des Nervs ist die Nervenleitungsgeschwindigkeit vermindert. Der Arzt riet ihr zu einem operativen Eingriff. So ließ sie zuerst die rechte Hand operieren.

Die Operation liegt bereits fünf Jahre zurück. Die Taubheitsgefühle und gelegentliche Schmerzen sind jedoch geblieben. Man riet ihr zu einem weiteren, diesmal minimal-invasiven Eingriff. Sie lehnte ab. „Die Ärzte konnten mir nicht zusagen, dass es dann besser wird, und ich wäre wieder für mindestens sechs Wochen ausgefallen.“

Eine OP ist nicht immer erfolgreich

Ein Grund, warum eine OP nicht immer zum gewünschten Erfolg führt, ist, dass „durch die operative Durchtrennung des Karpalbands die Ursache des Reizsyndroms meist nicht beseitigt wird, da die zu hohen Spannungen der beteiligten Muskeln und Sehnen nicht ausgeglichen werden“, erklärt Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht. Werde die Hand nach der OP wieder in gleicher Weise belastet, bauten sich die Spannungen wieder auf und die Symptome kehren zurück. Das Tragen einer Schiene über einen längeren Zeitraum sieht der Schmerzspezialist kritisch. „Alles, was den Körper von außen stützt, schwächt die Muskeln und Faszien. Das kann einer nachhaltigen Heilung im Wege stehen.“

Krankengymnastik ist genauso wirksam wie eine OP

Bei entsprechend belastenden Arbeiten wie Melken, sei es daher ratsam, regelmäßig ausgleichende Übungen für Muskeln und Faszien zu machen. Schmerzexperte Liebscher-Bracht empfiehlt dafür gezielte Dehnübungen, bei denen die Beuger gedehnt werden und das Handgelenk überstreckt wird.

„Damit werden die Spannungen der Muskeln und Faszien normalisiert und die Sehnen im Karpaltunnel können auf natürliche Weise abschwellen.“ Um die angesammelte Flüssigkeit in Bewegung zu bringen und den Stoffwechsel im Gewebe anzukurbeln, helfen Massagen mit der Faszienrolle. So ließe sich mit regelmäßiger Praxis in vielen Fällen eine OP vermeiden.

Eine medizinische Studie (EFIC/2017) mit hundert Probanten mit Karpaltunnelsyndrom hat bestätigt, dass manuelle Behandlungsformen über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten ähnlich wirksam sind wie eine OP.

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