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Dialekte in Deutschland: 7 Fakten zur Mundart

Dialekt Schafe
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Katharina Krenn, agrarheute
am
20.03.2018

Laut einer Umfrage kann jeder zweite Deutsche Dialekt sprechen. Was die Mundartverbreitung angeht, zeigt sich jedoch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.

Gackelesbusch, Bettbrunzer, Saustock – Allein in Baden-Württemberg zählten Sprachforscher 19 verschiedene Wörter für die Pflanze Löwenzahn, je nach Region. Dafür haben die Forscher 57 Dialektsprecher im ganzen Bundesland besucht und für einen Sprachatlas aufgenommen. Bundesweit untersuchen zahlreiche Sprachforscher Dialekte und kartografieren diese.

Für Baden-Württemberg gibt es seit Kurzem einen Online-Sprachatlas, durch den man sich durch die Vielfalt der Südwest-Dialekte klicken kann.

1. Was ist Dialekt?

„Dialekte, auch Mundarten genannt, sind Varietäten der deutschen Sprache, die nur in bestimmten Regionen verwendet werden“, erklärt Professor Dr. Roland Kehrein vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg. Dialekte wie Bairisch (Schreibweise für bayerische Dialekte in der Germanistik), Alemannisch, Fränkisch oder Hessisch lassen sich auf die Sprachen germanischer Stämme zurückführen.

2. Wie viele Dialekte gibt es in Deutschland?

Aufgrund ihrer Ähnlichkeit haben Sprachwissenschaftler die deutschen Mundarten zu großen Verbänden zusammengefasst. Je nach Einteilung gibt es bis zu 20 solcher großen Dialektgruppen. Rheinhessisch und Pfälzisch gehören demnach zur Gruppe der rheinfränkischen Dialekte.

3. Wie viele Deutsche sprechen Dialekt?

Laut einer Umfrage des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim behauptet jeder zweite Deutsche, dass er einen Dialekt sprechen kann, wobei das Ausmaß des Gebrauchs sehr unterschiedlich ist. Unter Dialekt versteht jedoch die Mehrheit der Befragten nicht die tatsächliche Mundart, sondern eine Sprechweise, die eine regionale Prägung hat.

4. Nord-Südgefälle in Deutschland

Nach Norden hin hat die deutsche Standardsprache die Mundarten schon stark verdrängt. "Die alten Dialekte in Berlin, im Ruhrgebiet oder etwa Sachsen sind ausgestorben", erklärt Georg Cornelissen vom Bonner Amt für Rheinische Landeskunde. Im Süden Deutschlands wird noch mehr Mundart gesprochen. Die meisten Dialektsprecher finden sich laut IDS in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und Saarland. Das liege unter anderem daran, dass der oberdeutsche Süden über lange Zeit eine stark ländliche und erst später industrialisierte Gegend war.

5. Dialekt hat ein Imageproblem

„Dialekt zu sprechen, gelte als minderwertig und bäuerlich“, sagt der Sprachwissenschaftler Ralf Knöbl vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Bairisch gehört zu den meistgesprochenen Dialekten und zu den Mundarten, die am positivsten bewertet werden. Im deutschen Süden überlebe Dialekt relativ gut, weil es möglich sei, eine Mischung aus Standartsprache und der Mundart zu sprechen. Im Unterschied dazu sei beispielsweise Platt eine andere Sprache mit anderen Wörtern, die nicht mit Standardsprache gemischt werden kann und in der junge Menschen keinen Nutzen mehr sehen.

6. Zunehmender Schwund der Dialekte

In vielen Regionen verschwinden Dialekte zunehmend. Das gelte zum Beispiel für Pendlerstädte, die früher 800 Einwohner hatten und heute 10.000 haben, und für Dörfer, die in Großstädten untergegangen sind. Den derzeitigen Niedergang der Dialekte ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach in einer Umfrage. Während 1991 noch 41 Prozent der Ostdeutschen fast immer Dialekt sprachen, waren es 2008 nur mehr 33 Prozent. Im Westen fiel der Wert von 28 auf 24 Prozent. Immerhin: 73 Prozent der Befragten konnten noch die Mundart ihrer Region sprechen – 48 Prozent gut und 25 Prozent ein bisschen.

7. Wie verändern sich Dialekte?

Während der Dialekt allmählich verschwindet, hält sich der sogenannte Regiolekt, der zwischen Dialekt und Standardsprache liegt. “Das ist eine regional gefärbte Umgangssprache, die Grammatik ist aber trotzdem Hochdeutsch”, so Wissenschaftler. Zum Beispiel wird der “ich”-Laut, den Menschen etwa in Hessen oder der Pfalz als “isch” aussprechen, im Standarddeutschen integriert.

Mit dem Leben verändert sich über die Zeit auch der Wortschatz. Bevor Begriffe untergehen, weil sie nicht mehr gebraucht werden, bleiben sie laut Sprachforschern noch einige Zeit als Schimpfwort erhalten. Beispielsweise "Mähre" sei früher eine gängige Bezeichnung für Pferd gewesen – als Schindmähre ist sie zur Beschimpfung geworden.

Mit Material von dpa/uni tübingen/IDS

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