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Blog Leo

Dieselpreise: Müssen wir Landwirte bald wieder mit Pferden pflügen?

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am Freitag, 25.03.2022 - 05:00 (3 Kommentare)

Der Ukrainekrieg treibt die Spritpreise in unendliche Weiten. Ackerprofi Leo Rösel hat ein paar Tipps, wie man als Landwirt mit kleinen Tricks Diesel einsparen kann. Zum Thema Vorkontrakte hat er eine ganz eigene Meinung.

Hallo liebe agrarheute Leser,

sicherlich ging es euch die letzten Wochen wie mir. Ungläubig sieht man die Preistafel an der Tankstelle, der Preis kennt nur eine Richtung, steil nach oben. Wer dachte, bei zwei Euro wäre Schluss, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Doch wie soll man nun umgehen mit der Situation? Denn, ohne Diesel geht in der Landwirtschaft nicht viel. Im folgenden Blog habe ich euch mal ein paar Erfahrungen zusammengestellt, wie ich in der Vergangenheit schon versucht habe den teuren Kraftstoff einzusparen, Tipps vom Praktiker so zu sagen.

Viele kleine Stellschrauben helfen beim Dieselsparen

grünlandpflege-hof

Wo kann ich an den Maschinen Diesel einsparen? Bei meinen Überlegungen komme ich zuerst aufs Fahrverhalten, das hat man schon in der Fahrschule gelernt. Aber auch bei der Wartung kann man vieles optimieren.

Soviel Diesel kam man sparen mit Wartung:

  • Sauberer Kühler und Luftfilter: bis zu 5%
  • Motoreinstellung und Wartung (z.B. Leichtlauföl): bis zu 5%
  • Reifen: Auswahl, Zustand und vor allem angepasster Luftdruck: bis zu 10%

Vielleicht schaut man in diesen Zeiten einfach mal öfter nach dem Zustand der Maschinen.

Sprit sparen auf dem Acker

grünlandpflege -arbeitstiefe-anpassen

Bei der Feldarbeit kommen mir so einige Dinge in den Sinn, die sich positiv auf dem Dieseltank auswirken. Bei der Bodenbearbeitung nicht tiefer als unbedingt notwendig arbeiten, jeder Zentimeter kosten mehr Kraft! Sauberes Anschlussfahren und unnötige Überfahrten vermeiden, Arbeitsschritte kombinieren und auch hier wieder auf den angepassten Luftdruck achten! Das tut nicht nur dem Boden gut.

Aber genau hier haben wir unser größtes Problem. Durch die Umstellung auf Ökolandbau müssen wir mehr Bodenbearbeitung machen, und auch die mechanische Pflege mit Striegel und Hacke wird zu mehr Dieselverbrauch pro Hektar führen. Wenn auch die Energiebilanz durch den fehlenden Mineraldünger besser sein wird.

Gute Organisation ist alles

Auch wenn bis zur Ernte noch etwas hin ist, hier lässt sich durch Organisation Zeit und Diesel sparen. Eine Lagebesprechung vor dem Erntetag kann die eine oder andere Leerfahrt vermeiden. Wir machen seit Jahren eine Flurkarte mit festen Routen So kennt sich jeder aus, es wird kein Feld vergessen und man vermeidet Stress mit Gegenverkehr und Anwohnern etc. Bei uns hat das eine rund 10% schnellere Ernte beim Grashäckseln gebracht. Und das kann sich jeder für sich ausrechnen, was so eine Erntekette pro Stunde an Diesel benötigt.

luftdruc-reifendruck-schlepper

Bei Mietmaschinen versuchen wir unnötige Fahrten zum Abholen oder Wegbringen zu vermeiden indem wir uns absprechen wer die Maschine als nächstes bekommt oder wo man sie holen kann.

Die Sache mit dem Vorkontrakt

„Hätten wir mal im Dezember eine Teilmenge Diesel abgesichert.“ Wie oft ich diesen Satz gehört habe. Aber wer kann schon in die Zukunft sehen. Wir sind bisher mit den Tagespreisen vom Agrardiesel im Jahresverlauf nie wirklich schlecht gefahren und machen hier keine Kontrakte. Auch wie anderswo hat unser Diesellieferant bisher keinen Lieferengpass und bedient uns als Stammkunden weiterhin zuverlässig, das war auch beim Ad Blue Engpass im Herbst schon so.

wartung-mähdrescher

Zukünftig möchte ich hier aber mehr Marktbeobachtung betreiben und eine Teilmenge absichern, dann hat man vielleicht nicht den günstigsten Preis, aber eine kalkulierbare Zahl auf dem Schreibtisch.

Wie geht es nun weiter?

Klar, meine Maßnahmen sind allesamt nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich hoffe aber, dass sie sich auf die Dieselmenge positiv auswirken, denn den Preis haben wir nicht in der Hand. Ob es zukünftig Entlastungen bei den Preisen gibt, weiß ich nicht, aber solche Sonderregeln führen meistens nur zu Unmut und Mehrarbeit ohne wirklichen Effekt.

Jedes schlechte hat auch ein Gutes: So hoffe ich, dass die Dieselpreis Diskussion auch die Entwicklung alternativer Antriebe voranbringt und wir vielleicht bald weniger oder gar keinen Diesel mehr benötigen.

traktor-dokumentation

Ich denke aber auch, dass sich die Preisspirale weiter dreht und wir mit diesen Kosten leben müssen. Hoffen wir, dass auch unsere Erlösseite diesen Weg mitgeht. Aber es ist wohl wie beim Dieselkontrakt, hinterher ist man immer schlauer.

Ihr seht also, das Pferd muss nicht mehr Pflügen bei uns, nur das Dieselross ;)

Es bleibt spannend! Bis bald!

Euer Leo

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