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Ernährung und Gesundheit

Dioxin - was ist das?

Externer Autor
am
11.01.2011

München - Immer wieder werden Dioxine in Lebens- und Futtermitteln in erhöhter Konzentration nachgewiesen. Meist zieht das Sperren von landwirtschaftlichen Betrieben, Produktrückrufe und Marktstörungen nach sich. Aber woher kommt Dioxin, wie hoch sind Grenzwerte und wie gefährlich ist es wirklich? agrarheute.com hat die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Was ist Dioxin?

Unter dem Begriff Dioxin wird umgangssprachlich eine Gruppe von rund 200 chemischen Stoffen zusammengefasst. Allen gemein ist eine ringförmige Struktur aus Kohlenstoff- mit daran angebundenen Chlor-Atomen. Der bekannteste und gefährlichste Vertreter der Gruppe ist das "Seveso-Gift", ein Dioxin, das im Juli 1976 bei einem Chemieunfall in der Nähe der norditalienischen Stadt Seveso in die Umwelt gelangte.

Woher stammt Dioxin?

Dioxine werden nicht gezielt hergestellt, sondern sie entstehen als unerwünschte Nebenprodukte in Verbrennungsprozessen. Sobald organische Kohlenstoffverbindungen und Chlor bei einer Temperatur zwischen 300 und 900 Grad Celsius verbrannt werden, entstehen Dioxine. Das kann in der Müllverbrennung geschehen, bei Wald- oder Torfbränden oder bei der illegalen Verbrennung von lackiertem Holz im heimischen Kaminofen. Dioxin ist in der Umwelt allgegenwärtig oder ubiquitär, wie der Fachmann sagt. Auch in 200 Millionen Jahre alten Kaolinitböden wurde Dioxin nachgewiesen.

Wie kommen Dioxine in Lebens- und Futtermittel?

Weil Dioxine überall in der Umwelt vorkommen, ist eine gewisse Belastung von Lebens- und Futtermitteln unvermeidlich. Tiere nehmen Dioxine über Futterpflanzen oder mit Bodenpartikeln auf. Außerdem gelangen sie über verunreinigte Roh- oder Hilfsstoffe in das Futter. Die Dioxine finden sich dann teilweise im Fleisch der Tiere, in ihrer Milch und Eiern, aber auch in Fisch. So gelangt das Umweltgift in die Nahrungskette des Menschen.

Wie gefährlich ist Dioxin?

Dioxine in sehr hohen Dosen können akute Vergiftungserscheinungen hervorrufen, zum Beispiel die so genannte Chlorakne. Das geschieht jedoch nur durch Industrieunfälle oder eine absichtliche Vergiftung wie im Falle des ukrainischen Politikers Viktor Juschtschenko. Bei geringeren Dosen liegt die Gefahr für den Menschen in der Langlebigkeit oder Persistenz der Dioxine. Über die Nahrung aufgenommen, sammeln sie sich im Fettgewebe an. Im Tierversuch wurden Störungen der Fortpflanzung, des Immun- und des Nervensystems sowie des Hormonhaushalts beobachtet. Einige Dioxine gelten als krebserregend. Wegen der Langlebigkeit der Dioxine ist es wichtig, ihre Aufnahme dauerhaft so niedrig wie möglich zu halten. Nach unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen ist die Dioxinbelastung von Milch, Fleisch und Eiern seit Mitte der neunziger Jahre deutlich zurückgegangen. Dafür haben zahlreiche Maßnahmen zur Minderung des Dioxineintrags in die Umwelt gesorgt, beispielsweise bessere Filter für Müllverbrennungsanlagen oder das Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel.

Besteht eine akute Gesundheitsgefahr?

Im aktuellen Dioxinfall sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse beim kurzfristigen Verzehr von Eiern und Geflügelfleisch keine akute Gesundheitsgefahr. In einer amtlichen Untersuchung wurde im Fleisch von Legehennen von gesperrten Betrieben aus Nordrhein-Westfalen ein Höchstwert von 4,99 Picogramm TEQ je Gramm Fett gemessen; das entspricht dem Zweieinhalbfachen des Grenzwertes. Das Geflügelfleisch ist nicht in den Verkehr gebracht worden. Für belastete Eier wurden die betroffenen Chargennummern bekannt gegeben, beziehungsweise die Partien zurückgerufen.

Welche Grenzwerte gibt es?

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Menge von ein bis vier Picogramm (zehn bis zwölf Gramm) Dioxin-Toxizitätsäquivalent (TEQ) pro Kilo Körpergewicht als tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) festgelegt. Das ist die Menge an Dioxinen, die ein Mensch während seines Lebens täglich an Dioxinen aufnehmen kann, ohne gesundheitliche Folgen fürchten zu müssen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) kann in Deutschland derzeit von einer täglichen Aufnahme von ein bis zwei Picogramm TEQ pro Kilo Körpergewicht über die Nahrung ausgegangen werden. In der Europäischen Union gelten für Dioxine in Futter- und Lebensmitteln seit Jahren gesetzliche Höchstwerte.

Futtermittel
Der Höchstgehalt für Dioxine in pflanzlichen Ölen und Fetten in Mischfuttermitteln beträgt in der EU 0,75 Nanogramm TEQ pro kg Futtermittel mit 88 Prozent Trockenmasse. Weitere Grenzwerte regelt die Futtermittelverordnung. Die am 21. Dezember 2010 von der Firma Wulfa-Mast, Dinklage, in einer Selbstanzeige gemeldeten Dioxinwerte betrugen 1,1 und 1,5 Nanogramm TEQ pro Kilo Legehennenfutter, überschritten den Grenzwert also nur geringfügig.

Lebensmittel
Für bestimmte Lebensmittel regelt Abschnitt 5 der EU-Verordnung 1881/2006 die Höchstgehalte unter Berücksichtigung der üblichen Verzehrsmengen.

  • Für Rohmilch und Milcherzeugnisse, Eier und Eiprodukte gilt ein Grenzwert von 3,0 Picogramm TEQ pro Gramm Fett.
  • Für Fleisch und Fleischerzeugnisse
    - vom Rind beträgt der Wert 3,0
    - von Geflügel 2,0
    - und vom Schwein 1,0 Picogramm TEQ pro Gramm Fett.

Wer ist für die Kontrolle zuständig?

In Deutschland ist die amtliche Überwachung von Futter- und Lebensmitteln die Aufgabe der Bundesländer. Die Kontrollen erfolgen stichprobenartig und risikoorientiert. Die Überwachungspläne werden von den Ländern mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) abgestimmt. Im Jahr 2009 wurden 2.290 amtliche Untersuchungen von Einzel- und Mischfuttermitteln auf Dioxine und dioxinähnliche Polychlorierte Biphenyle (PCB) durchgeführt. Dabei wurden 30 Beanstandungen festgestellt; das entspricht einer Quote von 1,3 Prozent. Rechtlich sind alle Hersteller von Lebens- und Futtermitteln verpflichtet, die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften regelmäßig durch Eigenkontrollen zu dokumentieren. Sie können sich dabei privatwirtschaftlich organisierten Zertifizierungssytemen wie QS oder GMP+ bedienen. Der aktuelle Dioxinfall kam durch eine Eigenkontrolle eines Mischfutterherstellers ins Rollen.

Links zu weiteren Informationen im Internet:

{BILD:130851:jpg}Norbert Lehmann
Freier Agrarjournalist

 

 

 

 

 

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