Login
Ernährung und Gesundheit

Diskussion um Glyphosat-Studie

pd
am
14.06.2013

Bei einer europaweiten Untersuchung zu Glyphosat-Rückständen in Menschen wurde das Pestizid im Urin von Großstädtern aus 18 Staaten nachgewiesen. Das sorgt jetzt für Aufregung.

Der BUND hat gestern die Ergebnisse einer europaweiten Untersuchung zu Glyphosat-Rückständen in Menschen veröffentlicht. Bei den Stichproben wurde der Wirkstoff im Urin von Großstädtern aus 18 europäischen Staaten nachgewiesen. 70 Prozent aller Proben in Deutschland sind belastet, berichtet der BUND.
 
Von März bis Mai dieses Jahres hatten der BUND und sein europäischer Dachverband Friends of the Earth (FOE) Urin-Proben von insgesamt 182 Stadtbewohnern auf Glyphosat analysieren lassen. Pro Land und Stadt wurden in der Regel zehn Urin-Proben untersucht. Laut Selbstauskunft hatte keiner der untersuchten Stadtbewohner selbst Glyphosat eingesetzt.  

BUND: Höchstbelastungen in Ländern mit intensiver Landwirtschaft

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Es ist erschreckend, dass fast die Hälfte der Bewohner von Großstädten in Europa Glyphosat im Körper hat." Auffällig sei, dass außer in Malta ausgerechnet bei Bewohnern jener Länder Höchstbelastungen auftreten, die wie Deutschland, Großbritannien, Polen und die Niederlande intensive Landwirtschaft betreiben. Der BUND fordert, genau zu untersuchen, woher die Rückstände im Einzelnen kommen.  

Harald Ebner (Grüne): Studie ein 'Armutszeugnis für Bundesregierung'

Harald Ebner, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnet es als einen "Skandal, dass die Bundesregierung trotz zahlreicher Anlässe nicht längst eigene Studien zur Glyphosat-Belastung in Auftrag gegeben hat." Der von den Grünen vor zwei Jahren eingebrachte Antrag auf Aussetzung der Zulassung von Glyphosat sei von den Koalitionsfraktionen im Agrarausschuss "in beispielloser Ignoranz und unkritischer Euphorie für den chemischen Pflanzenschutz abgelehnt" worden.

Christel Happach-Kasan (FDP): Kein erhöhter Handlungsbedarf

Christel Happach-Kasan, agrarpolitische Sprecherin der FDP, sieht hingegen keinen erhöten Handlungsbedarf bei Glyphosat. Die Studienergebnisse brächten keinen neuen Erkenntnisgewinn über eine mögliche Schadwirkung von Glyphosat. "Daraus einen verstärkte Handlungsbedarf für die Risikobewertung abzuleiten, ist unangemessen." Der Nachweis im Urin zeige vielmehr, dass das vom Menschen aufgenommene Glyphosat sofort wieder ausgeschieden wird. Eine mögliche Anreicherung im Körper werde durch die Studie nicht belegt. "Ebenso wie Alkohol wird Glyphosat als potentiell gesundheitsgefährdend, aber nicht als giftig eingestuft."
  • Boden schonend bearbeiten: Welche Rolle spielt Glyphosat? (18. Januar) ...
Auch interessant