Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Plakataktion

Drohende Enteignung: Münchner Bauern wehren sich

am Freitag, 28.04.2017 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

In Feldmoching nördlich von München droht Landwirten die Enteignung für den Bau einer Trabantenstadt. Sie stemmen sich mit der Aktion "Heimatboden München" dagegen.

Es ist ein sonniger Frühlingstag, die Landwirte und Gärtner bestellen ihre Felder und dazwischen sieht man den recht selten gewordenen Kiebitz. Es ist ein idyllisches Bild direkt am Rande der hektischen Landeshauptstadt. Das würde alles der Vergangenheit angehören, wenn es Oberbürgermeister Dieter Reiter und seinem Stadtrat gelingen würde, ihre Pläne zur „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme München“ (SEM) in Feldmoching umzusetzen. Denn dann droht den ansässigen Landwirten die Enteignung.

Diese Megaentwicklung lassen sich die betroffenen Landwirte, Gärtner, Bürgerinnen und Bürger nicht gefallen, wie auch unsere Userkommentare zeigen. Mit der neu gegründeten Initiative "Heimatboden München" wollen sie sich wehren und die Stadt zur Umkehr bewegen. Hinter der Aktion stehen bereits Eigentümer mit einer Eigenfläche von 400 ha. Das ist mehr als die Hälfte der 900-ha-SEM-Planungsfläche, die Stadt besitzt mit den Seen und Grünanlagen selbst einige hundert Hektar in dem Gebiet.

Plakataktion gegen SEM

Der entschiedene Widerstand gegen die SEM erreichte jüngst einen weiteren Höhepunkt. Unter Beteiligung von betroffenen Eigentümern, von Bürgerinnen und Bürgern, mehreren Repräsentanten aus der Politik und von Verbänden wurde auf einem Feld, direkt neben der Feldmochinger Straße, ein großes Informationstransparent aufgestellt. Auf diesem steht gut sichtbar für alle Vorbeifahrenden eine klare Botschaft:

"900 ha! Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme München (SEM) bedeutet Zerstörung, Enteignung und Gigantismus. Stoppt SEM-Wahnsinn. Für Stadt, Land und Mensch."

Insgesamt zwölf solcher Transparente hat die Initiative "Heimatboden München" schon an zentralen Orten platziert – verteilt über das riesige Gebiet, das die Landeshauptstadt überplanen will. "Wir wollen mit dieser Aktion auf die geplante SEM aufmerksam machen, die Bevölkerung informieren und sensibilisieren und die dramatischen Folgen dieses Planungswahnsinns aufzeigen", erklärte der Pressesprecher von "Heimatboden München" Josef Glasl am vergangenen Freitag bei der offiziellen Vorstellung der Plakatkampagne.

"Die mangelnde Aufklärung der Stadtverwaltung über die tatsächlichen Konsequenzen einer SEM, wie Zerstörung und Enteignung von Natur und Existenzgrundlagen, aber auch die berechtigten Ängste vor behördlichem Gigantismus haben uns veranlasst, diese Informationskampagne in die Welt zu bringen", betonte Martin Zech jun. aus Feldmoching, Mitbegründer von "Heimatboden München".

Unterstützung von BBV, CSU und Naturschutzbund

Klar gegen die SEM positionierte sich Oberbayerns BBV-Bezirkspräsident MdL Anton Kreitmair. "Ich bin heute hier, weil der Widerstand gegen die SEM wichtig ist, denn es geht um unsere Heimat. Wir brauchen ein besseres Konzept als eine SEM", sagte Kreitmair. Er befürchtet, dass ein solches Planungsvorgehen in ganz Bayern Schule machen könnte, wenn es in München durchgeführt würde.

Auch sein CSU-Landtagskollege Joachim Unterländer war gekommen, um die Aktion gegen die SEM zu unterstützen. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Dieter Reiter hat er schon ausführlich die Gründe dargelegt, die sowohl politisch als auch städtebaulich, ökologisch wie kulturell gegen dieses Vorhaben sprechen. "Das plötzliche Einleiten von Verfahren dieser Art spricht nicht dafür, dass eine Stadtentwicklung mit der Bevölkerung gestaltet, sondern diese ohne eine Legitimation auf den Weg gebracht werden soll", so Unterländer.

Gegen das "vorschnelle Durchpeitschen" der SEM hat sich auch der CSU-Bundestagsdirektkandidat im Münchner Norden Bernhard Loos ausgesprochen: "Ich fordere den Stadtrat auf, den Beschlusstermin zu verschieben. Bürgernahe Politik schaut anders aus."

Auch der Bund Naturschutz in Bayern positioniert sich klar gegen diese Megaplanung. "Wir unterstützen die Betroffenen, dass ihre Flächen erhalten bleiben und nicht bebaut werden. Wir brauchen die Flächen für Natur und Artenvielfalt, für die Landwirtschaft und den Gartenbau, für Erholung und als Frischluftschneise in Zeiten des Klimawandels, weil sich eine versiegelte Stadt massiv aufheizt", erklärte Christian Hierneis. Er ist Kreisvorsitzender in Stadt und Land München beim Bund Naturschutz und Mitglied des Landesvorstandes.

Hermann Berchtenbreiter, Geschäftsführer eines Gärtnereibetriebes im Stadtgebiet und Vizepräsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes, betonte: "Die Politik darf nicht nur von Selbstversorgung in der Nähe sprechen, sondern sie muss diese auch ermöglichen. Wir sollten München nicht zu einer Stadt mit Wohngettos machen, sondern der Vielfalt auch in Zukunft eine Chance geben. Aus meiner Sicht schießt die Stadt mit dieser Planung deutlich über das Ziel hinaus."

Bauernstand ist Ehrenstand: Zitate zur Landwirtschaft

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...