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Glosse

Dschungelcamp 2020: Gülletrunk und Gammelfleisch

Kakerlaken essen
am Mittwoch, 05.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Jedes Unglück hat seine Gaffer. Das gilt auch, wenn Menschen sich freiwillig schikanieren lassen. Willkommen im Dschungelcamp. Was Ekelprüfungen mit hiesiger Landwirtschaft zu tun haben, lesen Sie in unserer Glosse aus der agrarheute-Februarausgabe.

Denken wir gemeinsam ein paar Wochen zurück: Es ist Mitte Januar 2020 und alle Augen sind auf Australien gerichtet. Mehrmals täglich vermelden große Medien, was auf dem fünften Kontinent die Gemüter bewegt. Kummer und Leid, Zorn und Verzweiflung – die Menschen auf dem Bildschirm werden schweren Prüfungen unterworfen. Die Rede ist vom ... Dschungelcamp 2020. Was dachten Sie denn?

Minister, die über Autobahnen stolpern

Bereits zum 14. Mal erfreute RTL seine Fans mit diesem Format, in dem sich "Stars" um die Wette zanken, ekeln und zum Affen machen. Dabei recycelt der Sender – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – vornehmlich abgelegte Teilnehmer anderer Blamierformate wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Der Bachelor".

Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen. Für die neue Staffel zog sogar ein Minister a. d. in den australischen Busch. Ex-CDU-Verkehrsminister Günther Krause gab allerdings bereits am ersten Tag auf. Trotzdem muss man dem früh gescheiterten Kandidaten, der einst wegen diverser windiger Autobahnraststättenverträge von sich reden machte, einen gewissen Pioniergeist zugestehen. Immerhin hat er den Weg für andere bereitet – nur falls doch noch mal ein Bundesverkehrsminister über seine millionenschweren Fehlentscheidungen stolpert ...

Gülle im Glas

Bis dahin aber verfolgte das deutsche Publikum mit atemloser Begeisterung die verbliebene Handvoll Möchtegern-Dschungelprominenzen. Um die 40 Prozent Einschaltquote hatte die 2020er-Staffel in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen und lag damit regelmäßig auf Quotenplatz 1. Das waren im Schnitt 5,24 Mio. Zuschauer, die sich an Ratteninnereien, Gammelfleisch und Würmercocktails kaum sattsehen konnten – in einer Nation, die sich unentwegt am Rande des Untergangs wähnt wegen der gesundheitsgefährdenden Nahrung, die angeblich aus der hiesigen Landwirtschaft auf ihren Tellern landet.

Und während hierzulande über die Bedrohung durch Gülle auf dem Acker diskutiert wird, avancierte Dschungelcampteilnehmerin Danni Büchner zur gefeierten Heldin, weil sie – nach einem leckeren Kamelanus-Gericht – ohne mit der Wimper zu zucken ein Glas Kuhurin ausgetrunken hat. Glauben Sie mir: Ich habe bei der Recherche zu diesem Artikel sehr viel mehr erfahren, als ich jemals über diese Sendung wissen wollte!

Kandidaten quälen, nicht Koalas!

Aber immerhin gab's dieses Jahr kein echtes Feuer im Camp. Damit nicht auch noch die ehemalige Farm südlich von Brisbane, wo RTL das Format aufnimmt, in Flammen aufgeht, saßen die Kandidaten bei Lebensbeichten, hysterischen Anfällen und gegenseitigen Beleidigungen um einen Campingkocher herum. Schließlich wollen die Zuschauer die Campbewohner leiden sehen und nicht niedliche Koalas. Das Dschungelcamp, so scheint es, ist zwar komplett geschmack-, aber wenigstens nicht ganz gewissenlos.

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