Login
Politik national

Der Durchschnittsminister: Dr. jur., 51, Wessi

von , am
28.10.2009

Berlin - Natürlich gibt es in der neuen schwarz-gelben Bundesregierung keinen Durchschnittsminister. Aber wenn, dann sähe er ungefähr so aus: Mann, Jurist, Doktortitel, verheiratet, 51 Jahre alt und zwei Kinder. Und geboren im Westen der Republik.

© Deutscher Bundestag

Streng genommen gibt es 20 Jahre nach dem Fall der Mauer im neuen Bundeskabinett keinen einzigen ostdeutschen Minister mehr. Aber wie immer spiegelt eine solche Statistik die tatsächlichen Verhältnisse nur unzureichend wieder. Zum Beispiel treibt Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit ihren sieben Kindern die Nachwuchs-Quote auch in diesem Kabinett ziemlich nach oben.

Und selbstverständlich ist die frühere DDR- Bürgerin Angela Merkel als Kanzlerin die prägende Figur. Oder wie Merkel selbst mit dem ihr eigenen Understatement zur schlechten "Ossi-Quote" sagt: "Immerhin haben wir es geschafft, dass das Gesicht der Kanzlerin ostdeutsch ist. Das ist ja schon mal was." Gerade beim Nachwuchs gibt es in der 16-köpfigen Regierung große Unterschiede: Die Kanzlerin und fünf ihrer Minister sind kinderlos. Unter den Ministerinnen ist von der Leyen sogar die einzige Frau, die Kinder hat. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bringen es auf jeweils vier Kinder. Die Frauenquote sank im Vergleich zur bisherigen großen Koalition deutlich: von 44 auf 31 Prozent. Statt sieben gibt es nur noch fünf Ministerinnen.

Minister werden  jünger

Senior ist mit Abstand der 67-jährige Schäuble. Jüngster ist Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit gerade mal 36 Jahren und acht Monaten. Unter 40 ist auch der neue CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg (37). Immerhin noch unter 50 sind Agrarministerin Ilse Aigner (44), Umweltminister Norbert Röttgen (44), Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (46) und Außenminister Guido Westerwelle (47). Im Schnitt sind die Minister dreieinhalb Jahre jünger als in der bisherigen großen Koalition.

Kein einziger Ressortchef in der DDR geboren

Nicht einmal die Kanzlerin kam im Osten zur Welt, sondern in Hamburg. Allerdings zogen Merkels Eltern in die Uckermark, als sie noch ein Baby war. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte das gleiche Ressort schon einmal in Sachsen inne, kommt aber aus Bonn. Ansonsten kann noch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) Berlin als Geburtsort vorweisen. Er ist aber bereits Jahrgang 1945. Die Kanzlerin und sechs Minister bekennen sich zum protestantischen Glauben, sieben sind römisch-katholisch. Von zweien ist keine Konfession bekannt: von Niebel und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (beide FDP). Die bayerische FDP-Chefin ist als einziges Kabinettsmitglied verwitwet. Ansonsten sind bis auf Aigner, Bildungsministerin Annette Schavan und Westerwelle alle verheiratet.

Sechs  Juristen und zwei Ärzte im Bundeskabinett

Bei den Berufen ist es im neuen Bundeskabinett wie oft in der deutschen Politik: Größte Berufsgruppe sind die Juristen. Davon gibt es gleich sechs. Ausgebildete Ärzte gibt es zwei (von der Leyen und Rösler). Auch eine Physikerin (Merkel), ein Müllermeister (Ramsauer) und eine Elektrotechnikerin (Aigner) sind dabei. Einen Doktortitel tragen gleich elf Mitglieder des neuen Kabinetts. Nur vier Ressortchefs können bislang noch keinerlei Regierungserfahrung vorweisen (Westerwelle, Niebel, Röttgen und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla). Dagegen waren drei Kabinettsmitglieder sogar schon in den 90er Jahren unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) in der schwarz- gelben Vorgängerregierung dabei: Merkel, Leutheusser-Schnarrenberger und Schäuble. Die neue Justizministerin bekam als einzige den Posten, den sie damals schon hatte. (pd)

Auch interessant