Login
Niedersachsen

Eckpunktepapier zum Wolf: Auffällige Rudel dürfen geschossen werden

Wölfin
Thumbnail
Katharina Krenn, agrarheute
am
02.10.2017

In Niedersachsen hat es einen Durchbruch beim Umgang mit Wölfen gegeben. Im Einzelfall können zukünftig auffällige Wölfe und auch ganze Rudel geschossen werden.

Bund und Land haben sich am vergangenen Donnerstag in Hannover auf ein gemeinsames Eckpunktepapier, das den Konflikt zwischen dem Artenschutz für den Wolf und dem Schutz der Weidetiere in dem Bundesland entschärfen soll. Wörtlich heißt es dazu im Eckpunktepapier „Wölfe, die „sich Menschen gegenüber auffällig verhalten, sind zu beobachten und gegebenenfalls zu töten“. Unter Beachtung der Vorgaben des Artenschutzes sollen im Einzelfall solche Eingriffe ermöglicht werden.

Entnahme eines Wolfsrudel möglich

Hierzu könne in letzter Konsequenz sogar die Entnahme eines ganzen Rudels gehören, wenn die gemeinschaftlich jagenden Individuen gelernt hätten, sämtliche der empfohlenen und zumutbaren Schutzmaßnahmen zu überwinden, so Bund und Land. Die Forderung, Wölfe in das Jagdrecht aufzunehmen, bewerten Bund und Land hingegen als „nicht zielführende Option“.Auch vereinzelt geäußerten Wünschen, Wölfe „nach Belieben“ jagen zu können, erteilten beide Seiten eine Absage. Das Schutzniveau des Wolfes würde durch eine Aufnahme in das Jagdrecht nicht verändert.

Weidetierhaltung muss wirtschaftlich bleiben

Bund und Niedersachsen stimmen im Eckpunktepapier darin überein, dass die Weidetierhaltung wirtschaftlich bleiben müsse. Sie leistet nach Auffassung der Unterzeichner des Papiers einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege und zum Naturschutz. Die Weidetierhaltung müsse deshalb auch dort zukünftig sichergestellt werden, wo durch die Zuwanderung des Wolfes vermehrt Konflikte auftreten würden. Bund und Land sind sich darin einig, dass sie zukünftig verstärkt gemeinsam daran arbeiten werden, Lösungen für diejenigen Regionen zu entwickeln, die mit der Ausbreitung desWolfes verbunden sind.

Mecklenburg-Vorpommern fordert bundesweites Vorgehen

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus zeigte sich erfreut über die Aussagen im Eckpunktepapier, stellte aber zugleich fest, dass sich die Regelung, Wölfe mit auffälligem Verhalten zu töten, nicht auf Niedersachsen allein beschränke. Allerdings seien die Anforderungen für das Erteilen einerAusnahmegenehmigung, verhaltensauffällige Tiere zu töten, aufgrund des Artenschutzes für die Tiere sehr hoch. Hier müsse man aber endlich zu einem bundesweit einheitlichen Vorgehen im Umgang mit Problemwölfen kommen, um Schaden von Mensch und Nutztieren abzuwenden, so der Minister.

Backhaus hatte die Bundesregierung bereits am vergangenen Mittwoch vor dem Schweriner Landtag aufgefordert zu prüfen, ob mit den aktuellen Besatzzahlen die Schwelle des guten Erhaltungszustandes beim Wolf bereits erreicht sei. Zudem erwarte er auf der nächsten Umweltministerkonferenz (UMK) im November, dass der Bund endlich definiere, wie mit Problemwölfen einheitlich umgegangen werden solle, betonte der SPD-Politiker. Bleibe diese aus, will der Minister eine entsprechende Bundesratsinitiative einleiten. Notwendig seien allgemeingültige Rechtsgrundlagen, um auffällige Wölfe zu vergrämen oder zu erlegen, außerdem Instrumente, um auf Wölfe zu reagieren, die ein notorisch unerwünschtes Verhalten zeigten.

Die Wolfsvorkommen in Deutschland im Überblick

Wolfsvorkommen-2017-2018-Deutschland
Wolfsvorkommen-2017-2018-Bayern
Wolfsvorkommen-2017-2018-Brandenburg
Wolfsvorkommen-2017-2018-Mecklenburg-Vorpommern
Wolfsvorkommen-2017-2018-Niedersachsen
Wolfsvorkommen-2017-2018-Sachsen
Wolfsvorkommen-2017-2018-Sachsen-Anhalt
Wolfsvorkommen-2017-2018-Thüringen
Auch interessant