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Wirtschaft

EHEC: EU erteilt Importstopp für Sprossensamen aus Ägypten

aiz
am
07.07.2011

Brüssel - Die Europäische Union hat nach der EHEC-Epidemie in Deutschland das als Quelle der Erkrankung vermutete Saatgut aus Ägypten vorübergehend verboten.

Das ägyptische Landwirtschaftsministerium reagiert empört auf das EU-Importverbot. © Dieter Schütz/pixelio
Ägyptisches Saatgut von Bockshornklee, Sojabohne und Ölpflanzen soll umgehend vom Markt genommen und die Importe aus Ägypten bis Ende Oktober gestoppt werden, erklärte die Kommission in Brüssel.
 
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hatte zuvor eine Lieferung ägyptischer Bockshornkleesamen für die EHEC-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich verantwortlich gemacht.

Ägypten zeigt wenig Verständnis

Das ägyptische Handelsministerium wehrt sich gegen das EU-Importverbot, weshalb es diesbezüglich eine Krisensitzung einberufen hat. Viele Ägypter sind der Meinung, ihr Land werde zu Unrecht an den Pranger gestellt. Einige sprechen sogar von einem politischen Komplott mit dem Ziel, ihrem Land, das nach der Revolution ohnehin wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bewältigen hat, zu schaden. Dabei hatten lokale Medien und das ägyptische Umweltministerium in den vergangenen Jahren selbst mehrfach darauf hingewiesen, dass Abwasser in Ägypten gelegentlich in die Bewässerungskanäle für Felder gelange.

Spanien will 80 Millionen Euro

Nach den Verzehrswarnungen für frische Tomaten, Salat und Gurken durch die deutschen Behörden ist der Absatz von europäischem Gemüse eingebrochen. Spanien war davon besonders betroffen, da dessen Gurken - wie sich später herausstellte, fälschlicherweise - als Quelle des EHEC-Erregers ausgemacht wurden. Spaniens Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar forderte deshalb 80 Millionen Euro Entschädigung von der EU für seine betroffenen Gemüsebauern.

Sprossenimporte nach Österreich

In Österreich wurden bis jetzt vier Betriebe eruiert, die Lieferungen von dem Sprossenhersteller im niedersächsischen Ort Bienenbüttel erhalten haben. Der Zwischenhändler, welcher auch Samen aus Ägypten importiert, gilt als Ausgangspunkt für die EHEC-Erkrankungen in Deutschland. Einige in Österreich gezogene Proben werden derzeit untersucht, wobei erste Analyse-Ergebnisse nach Angaben der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) keine Verunreinigung mit EHEC-Keimen zeigen. Endgültige Untersuchungsergebnisse werden voraussichtlich Ende dieser Woche erwartet. Erkrankungen in Zusammenhang mit Bockshornklee sind in Österreich bis jetzt nicht aufgetreten. Es wurde jedoch empfohlen keine rohen Sprossen zu verzehren.

Verheerendstes EHEC-Drama in Deutschland

Tausende EHEC-Erkrankungsfälle der vergangenen Wochen in Deutschland lassen die Behörden von dem bisher größten EHEC-Ausbruch des Landes sprechen. Mindestens 48 Menschen starben bis jetzt nach einer Infektion mit dem lebensbedrohlichen Darmkeim EHEC. Entspannung signalisiert allerdings die rückläufige Zahl an neuen Fällen, da der Erkrankungsgipfel den Behörden zufolge bereits Mitte Mai überschritten wurde. Auch in Frankreich brach die Infektion nach dem Verzehr von Sprossen aus. In der gesamten EU waren fast 4.200 Menschen davon betroffen.
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