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Lebensmittelsicherheit

Eierskandal wegen Fipronil: Das sollten Sie wissen

Eierpackungen auf Fließband
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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
09.08.2017

Wie ist das Insektizid Fipronil in die Eier gekommen und wie gefährlich ist es beim Verzehr? Die wichtigsten Antworten zum aktuellen Eierskandal.

Wie wirkt Fipronil?

Fipronil ist ein Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe wirkt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU aber verboten.

2013 hat die Europäische Union beschlossen, den Einsatz des Mittels Fipronil in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel auch nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden.

In Hühnerställen ist nicht selten die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae), umgangssprachlich auch Blutlaus genannt, zu finden. Die Milbe ernährt sich vom Blut verschiedener Vogelarten und gilt in Europa als einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schädlinge in der Geflügelzucht - auch, weil sie verschiedene Krankheiten übertragen kann. Bei einem Befall sind die Vögel gestresst und werden krankheitsanfälliger. Ein massiver Befall kann vor allem bei Küken und Junghühnern zu Blutarmut und sogar zum Tod führen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Fipronil illegalerweise in einem homöopathischen Milbenmittel enthalten war (siehe nächster Punkt).

Wie kam das Insektizid Fipronil in die Eier?

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Da sich chemische Substanzen sehr schnell im Körper der Hühner ansammeln und dann auch im Ei zu finden sind, ist die Zahl der zugelassenen Arzneimittel für Legehennen sehr eingeschränkt, Firponil gehört dazu.

Im aktuellen Fall haben viele Landwirte in Belgien und den Niederlanden und auch in Deutschland ein Mittel mit Fipronil eingesetzt, allerdings wohl ohne zu wissen, dass es das Insektenmittel illegalerweise enthält. Sie verwendeten Dega-16, ein homöopathisches Mittel aus ätherischen Ölen, das gegen die Rote Vogelmilbe helfen soll.

Die Hennen können das Insektizid über die Haut, beim Einatmen, auch beim Herumpicken aufgenommen haben, erklärt Manfred Kietzmann, Experte für Pharmakologie bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Der Stoff reichere sich in den für die Dotterbildung zuständigen Zellanlagen, den Follikeln, an, erklärt der Veterinärprofessor. "Deshalb findet man das Fipronil auch hauptsächlich im Eidotter." Das hänge damit zusammen, dass Fipronil lipophil ist - also fettliebend. Die Reifung des Eis im Huhn dauere ungefähr zehn Tage. «Das heißt, der Wirkstoff, der heute in einem Follikel eingelagert wird, wird dann in zehn Tagen im Ei sein.»

Was macht BASF mit Fipronil?

Der Wirkstoff Fipronil wurde 1987 vom französischen Chemieunternehmen Rhône-Poulenc entdeckt. Darauf basierende Produkte sind seit 1993 auf dem Markt. BASF erwarb 2003 die Rechte an dem Wirkstoff. Der Konzern und andere Firmen weltweit produzieren und verkaufen sowohl den Wirkstoff selbst als auch Fipronil-haltige Produkte.

Zu Umsatzzahlen mit Fipronil macht BASF aus wettbewerblichen Gründen keine Angaben.

Wie gefährlich ist Fipronil für den Menschen?

"Die sich im Markt befindlichen Fipronil-basierenden Produkte sind für Mensch und Umwelt ungefährlich, sofern man sich strikt an die Gebrauchsanweisung hält", heißt es von BASF. Die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren ist grundsätzlich nicht erlaubt.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist Fipronil als Gefahrstoff eingestuft. "Der Wirkstoff ist giftig beim Einatmen, bei Hautkontakt und Verschlucken und führt zur Schädigung von Organen." Auf Wasserorganismen wirke Fipronil sehr giftig.

Zwar sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher aus Expertensicht bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen gefährlich sein - vorerst ist in Deutschland aber keine gesundheitsschädliche Menge des Gifts pro Kilogramm Ei entdeckt worden. Die Messwerte lägen bisher "um einen Faktor zehn unterhalb" des Wertes, bis zu dem eine Gefährdung für Erwachsene wie Kinder als unwahrscheinlich eingestuft wird, erklärte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Wo trat der erste Fall auf?

Die belgischen Behörden waren bereits seit Anfang Juni über einen Fipronil-Verdachtsfall bei Eiern informiert. Das bestätigte eine Sprecherin der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am 05. August der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Dort hatte man jedoch keine Informationen weitergegeben, mit dem Argument, dass man die Arbeit der ermittelnden Staatsanwaltschaft nicht behindern wollte.

In den Niederlanden wird Fipronil in Eiern von sieben Betrieben am 22. Juli entdeckt. Die Höfe werden gesperrt. Zuvor war das Insektizid in Belgien aufgetaucht. Die niederländische Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen ein Putz- und Desinfektionsunternehmen in Barneveld bei Apeldoorn auf wegen des Einsatzes eines Anti-Milbenmittels, dem unerlaubter Weise Fipronil beigemischt wurde. Auf der Kundendatei wurden 180 Höfe in den Niederlanden aufgeführt und vier deutsche. Unklar ist, ab wann das toxische Mittel in den Ställen eingesetzt worden war.

Mit Material von dpa

Was passiert mit den Hennen in den Ställen?

Was mit den gut 125.000 Hennen in den betroffenen und gesperrten deutschen Betrieben passieren soll, weiß noch keiner. Die Landwirte hoffen, dass die Tiere das Fipronil wieder abbauen und wieder unbelastete Eier legen. Diese könnten unter Umständen wieder vermarktet werden.

Nach Angaben des niederländischen Bauernverbandes LTO müssen in den kommenden Tagen mindestens eine Million Hühner in etwa 150 Geflügelbetrieben getötet werden. Bis jetzt seien bereits «mehrere Hunderttausend» Hühner getötet worden. Wie viele Tiere tatsächlich getötet werden müssten, sei noch unklar. Ob auch in Deutschland am Ende Hennen wegen des Fipronil-Skandals getötet werden sollen, steht noch nicht fest.

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