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Politik international

Eingreifen auf den Agrarmärkten schadete Landwirten

von , am
03.02.2010

Berlin - Um die Ernährungssicherheit in Ostafrika zu verbessern, sollten die Staaten der Region den Handel untereinander verstärken. Diese Empfehlung geben Wissenschaftler der niederländischen Universität Wageningen in einer neuen Studie ab.

© til5/Fotolia

Darin nehmen die Wissenschaftler die Entwicklungen in Kenia, Tansania, Uganda und Äthiopien während des Preisbooms an den Getreidemärkten im Jahr 2008 unter die Lupe. In den meisten Fällen hätten die Landwirte unter der kurzfristig angelegten Politik der Regierungen wie Preiskontrollen und Ankäufen von Mais zu bestimmten, unter den Marktnotierungen liegenden Preisen, gelitten, heißt es mit Blick auf ergriffene Maßnahmen in Kenia, Äthiopien und Tansania.

Niedrigere Erlöse im Vergleich zu einer nicht-interventionistischen Politik seien das Resultat gewesen. Nur Uganda setzte laut der Studie auf langfristig ausgelegte Maßnahmen wie die Förderung von Produktivitätsfortschritten. Nachteile hätten die Farmer auch durch sehr hohe Düngerpreise erlitten, worauf sie den Maisanbau eingeschränkt hätten, was wiederum die Ernährungslage verschärft habe.

Große Preisunterschiede

Geholfen habe den Landwirten die interventionistische Politik der Regierungen insofern, als dass sie Netto-Bezieher von Nahrungsmitteln seien, wenn auch in geringerem Maße als die städtische Bevölkerung. Äthiopien, Kenia und Tansania sind laut dem Bericht Nettoimporteure von Mais, während Uganda hier einen Überschuss produziert und daher weniger unter dem Getreidepreisboom litt als die anderen drei untersuchten Staaten. Die Getreidepreise drifteten in der Region aber selbst in einzelnen Ländern wie Kenia während der Hochpreisphase stark auseinander. Im Landesdurchschnitt hatten die Maispreise 2008 gegenüber dem Vorjahr in Kenia um 69 Prozent zugelegt.

Für den Export oder für den Eigenbedarf?

Differenziert setzen sich die Wissenschaftler aus den Niederlanden mit der Praxis vieler Landwirte auseinander, nicht voll auf "Cash Crops" für den Export, sondern mit dem Anbau verschiedener Ackerfrüchte auf eine Diversifizierung zu setzen. Dies sei angesichts fluktuierender Preise und Ernteergebnisse vernünftig. Eine solche Strategie verringere das Risiko, behindere aber auch Produktivitätswachstum. "Würden die Landwirte sich stärker spezialisieren, wären Investitionen in Betriebsmittel wie Saatgut und Düngemittel billiger zu haben", so die Wissenschaftler, die weiterhin starke Preisfluktuationen an den ostafrikanischen Lebensmittelmärkten erwarten. Die hohen Preisunterschiede zwischen den Ländern deuteten auf hohe Transport- und Transaktionskosten. Mehr Handel könne die Ernährungslage hier verbessern.

Tradition des Intervenierens

Die Geschichte zeige, so die Wissenschaftler, dass die Regierungen in Ostafrika immer stark in die Agrarmärkte eingegriffen hätten, und zwar vor allem über die Handelspolitik, aber auch über Steuern auf Betriebsmittel und Endprodukte. In den sechziger und siebziger Jahren habe die Regierungspolitik in Zeiten der Industrialisierung die Landwirtschaft stark benachteiligt. Diese Benachteiligung habe sich in den achtziger und neunziger Jahren verringert, insbesondere durch den Abbau von Exportsteuern. Heutzutage erhalte die Landwirtschaft in Kenia und in geringerem Maße in Uganda Unterstützung, während anti-agrarische Gesetzgebung auf makroökonomischer Ebene in Äthiopien und Tansania fortbestehe. Die meisten "Cash Crops" wie Kakao, Tee und Kaffee würden in den Staaten südlich der Sahara weiterhin stark besteuert. Bei Getreide ergebe sich ein uneinheitliches Bild, so die Wissenschaftler. Einige Kulturen wie Sorghum würden subventioniert, während es die Landwirte bei anderen wie Reis und Mais mit einer Netto-Besteuerung zu tun hätten. (AgE)

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