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Wirtschaft

Einzelhandel erwirtschaftet trotz Krise gute Zahlen

Externer Autor ,
am
23.11.2009

Berlin - Der deutsche Einzelhandel erwartet in diesem Jahr gegenüber 2008 einen Umsatzrückgang von zwei Prozent.

Das hat der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Josef Sanktjohanser, vergangene Woche beim Jahreskongress seines Verbandes erklärt. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 sei die Branche mit einem leichten Umsatzminus von ebenfalls zwei Prozent bislang gut durch die Krise gekommen. Die Perspektive von 73 Milliarden Euro Umsatz für das Weihnachtsgeschäft sorgten für Optimismus.

Neue Ideen und Konzepte des Handels würden auch in Zukunft ihre Märkte nden. Wie der HDE, so geht auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) für 2009 gegenüber dem Vorjahr von einem Umsatzrückgang in einer Größenordnung von zwei Prozent auf gut 161 Milliarden Euro aus. Damit bleibt der Anteil des Lebensmittelhandels am Einzelhandel insgesamt mit rund 41 Prozent stabil.

Lobbyarbeit der Agrarwirtschaft als Vorbild

Eine Prognose für 2010 gab Sanktjohanser auf dem Kongress zwar nicht ab, glaubt aber, dass Exportaktivitäten das nächste Jahr prägen werden. Aufholbedarf der Branche sieht Sanktjohanser in der politischen Arbeit. Das Lobbying der Agrarwirtschaft sei stärker als das des Handels, erklärte der HDE-Präsident anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung der Studie "Mythos Nachfragemacht". Langsam hole man auf und nde auch mehr Gehör bei Gesetzesvorgaben. Wie aus ersten Ergebnissen der Studie hervorgeht, haben die größten fünf Hersteller im Molkereibereich einen Anteil von 40 Prozent am Inlandsumsatz und nehmen rund 65 Prozent des Nettobeschaffungsvolumens im Inland auf.

Bei Brot und Backwaren stellen die "Top 5" lediglich gut zehn Prozent des Umsatzes und fragen knapp 30 Prozent der heimischen Rohstoffe nach. Der Markt funktioniere, und nur "ausnahmsweise dominieren die Produzenten bei einigen wenigen Produktgruppen".

Branche soll weg vom Image des "billigen Jakobs"

Zum Preisdruck auf den Märkten äußerte sich beim HDE-Kongress Prof. Stefan Feuerstein von der Markant AG. Die bislang 14 Preisrunden des Handels im Jahr 2009 seien fatal. Feuerstein fürchtet um das Image der Branche, die zum "billigen Jakob" zu werden drohe. Der Handel müsse zusammen mit der Industrie gemeinsame Wertschöpfungspotentiale erschließen und den Kunden mit neuen Produkten zum Konsum anreizen. "Wer ständig seine Preise senkt, schafft Verunsicherung", warnte Feuerstein. Der Händler suggeriere dem Kunden, dass es morgen noch billiger werden könnte. Das sei ein Grund, warum sieben von zehn neu eingeführten Produkten floppten. Verbraucher bräuchten zudem "kein 50. Fertiggericht".

Der Handel müsse sich vom Modell der Kostenführerschaft ab- und in Richtung Kunde einer qualitativen Prozessorientierung zuwenden. Neue Produkte müssten beispielsweise im Bereich Gesundheit und Wellness den Menschen einen wirklichen Nutzen bringen. (AgE)

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