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Wirtschaft

Elefantenhochzeit zwischen Nordmilch und Humana ist perfekt

Externer Autor
am
03.02.2011

Everswinkel/Bremen - Der neue Riese unter den deutschen Milchverarbeitern heißt Deutsches Milchkontor (DMK). Nach ihrer Fusion tragen Nordmilch und Humana Milchunion diesen Namen.

Einen Tag nach der Zustimmung von Vertretern der Humana sprachen sich am Donnerstag 98,5 Prozent der genossenschaftlichen Vertreter der Nordmilch für eine Fusion ihrer beiden Tochtergesellschaften aus. Vertreter der Humana Milchunion eG billigten die Verschmelzung bereits am Mittwoch mit einer Mehrheit von rund 93,3 Prozent. Die Gremien der Nordmilch hatten der Fusion zum Stichtag 01. Juli 2010 bereits im Vorfeld zugestimmt. Zusammen mit Humana machte das Unternehmen nach eigenen Angaben in 2010 einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro und beschäftigte rund 5.500 Mitarbeiter. Insgesamt liefern über 11.000 Milcherzeuger an den Konzern. Das Einzugsgebiet des neuen Konzerns erstreckt sich über weite Teile Nordeutschlands mit Schwerpunkten in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
 
Das entstehende Gemeinschaftsunternehmen wird den Namen Deutsches Milchkontor GmbH (DMK) tragen und belegt im europäischen Ranking Platz sechs. Das fusionierte Unternehmen wird eine GmbH, beide Vertragspartner sind zu gleichen Teilen daran beteiligt. Die Genossenschaften Humana Milchunion eG und Nordmilch eG als Muttergesellschaften bleiben von den Fusionsplänen unberührt. Eine Fusion der Genossenschaften (eGs) ist jedoch später möglich. Als juristischer Sitz des DMKs ist das niedersächsische Zeven vorgesehen, Sitz der Geschäftsführung und zentraler Verwaltungssitz ist Everswinkel in Nordrhein-Westfalen.

National Superschwergewicht - international Mittelgewicht

Was Umatz und angelieferte Milchmenge betrifft, nimmt die DMK mit der Fusion national einen absoluten Spitzenplatz ein. Im internationalen Vergleich ist das Unternehmen dagegen nur im Mittelfeld zu finden. So rangiert es nach den Umsatzzahlen 2009 auf Platz 12 der Milchverarbeiter weltweit. Selbst die zwanzig größten heimischen Mitspieler zusammengenommen erreichen hier nicht den Umsatz der weltweiten Nummer Eins, des Schweizer Nestlé-Konzerns (2009: 18,6 Mrd. Euro). Bereits 2004 standen Humana und Nordmilch kurz vor einer Fusion, die dann aber kurz vor Abschluss doch nicht zu Stande kam. Trotzdem arbeiten sie beiden Unternehmen bereits seitdem enger zusammen. Gemeinsam betreiben sie eine Molkefabrik in Altentreptow, seit Mitte 2009 vermarkten sie ihre Produkte in dem Gemeinschaftsunternehmen Nord-Contor.

Ziel: Überdurchschnittlicher Milchauszahlungspreis

Übergeordnetes Ziel der Fusion von Humana und Nordmilch ist die Erwirtschaftung eines überdurchschnittlichen Milchauszahlungspreises für die genossenschaftlichen Eigentümer beider Unternehmen. Hier lag die Nordmilch in den vergangenen Monaten immer leicht über der Humana. Um dies zu erreichen, wurden verschiedene Unterziele gesetzt, wie der Ausbau der Marktführerschaft bei Käse, ein profitables Wachstum des Markengeschäftes und die Sicherung des Marktanteils in der Weißen Linie. "Aufgrund ihrer spezifischen Kompetenzen und der unterschiedlichen Schwerpunkte in den Produktportfolios ergänzen sich beide Unternehmen in idealer Weise", so Albert Große Frie, Geschäftsführender Vorstand der Humana Milchunion eG.
 
Der Ausbau des Ingredientsgeschäftes und die Teilnahme am Wachstum internationaler Märkte stehen genauso im Fokus wie der Ausbau und die Weiterentwicklung der strategischen Zusatzgeschäftsfelder Eis, Babynahrung und Gesundheitsprodukte. Ein besonderer Fokus wird im DMK auf das Geschäftsfeld Eiskrem gelegt. Um dieses in der Zukunft besonders zu fördern, wird das Eiskrem-Geschäft im Laufe des Jahres 2011 in eine eigene Gesellschaft ausgegründet.

Große Frie moderiert Übergang

Für das fusionierte Unternehmen ist eine Aufbauorganisation mit sechs Ressorts und sechs Geschäftsführern vorgesehen:
  • Dr. Josef Schwaiger, Sprecher der Geschäftsführung (operatives Geschäft/Strategie)
  • Dr. Dirk Gloy (Landwirtschaft/Rohstoff/Einkauf und Logistik)
  • Rolf Janshen (Vertrieb)
  • Ingo Müller (Forschung & Entwicklung/Qualitätsmanagement/Ingredients)
  • Volkmar Taucher (Finanzen)
  • Sönke Voss (Produktion) 
Zur Unterstützung der Integration der beiden Unternehmen sieht der zukünftige Gesellschaftsvertrag für die Jahre 2011 bis 2013 die Errichtung einer Integrationsarbeitsgruppe vor. Bis zu seinem Ausscheiden aus Altersgründen ist Albert Große Frie die Rolle der designierte Integrationsverantwortliche. (hek)
 
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