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Umwelt

Enthauptete Wölfe: Polizei tappt im Dunkeln

von , am
19.10.2015

In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr zwei erschossene Wölfe ohne Kopf aufgefunden. Die Spurensuche erweist sich als schwierig. Die Kriminalpolizei vermutet, dass die Wolfsköpfe zu Jagdtrophäen wurden.

Vergangenes Jahr wurden zwei enthauptete Wölfe gefunden. Wurden Sie zur Jagdtrophäen? © Jens Bredehorn/pixelio.de
Immer wieder werden getötete Wölfe aufgefunden. Im Sommer 2014 gab es den ersten Fund eines enthaupteten Wolfs bei Lieberose an einer Bundesstraße. Im darauffolgenden Dezember einen weiteren im Elbe-Elster-Kreis an der Grenze zu Sachsen. Zunächst prüfte das Landeskriminalamt einen Zusammenhang, der mittlerweile aber so gut wie ausgeschlossen wird. "Wir gehen von zwei Einzeltätern aus", sagt der Kommissariatsleiter für schwere Umweltkriminalität, Harry Jäkel.

Motiv: Jagdtrophäe

Warum wurden die Wölfe geköpft? Jäkel sieht als mögliches Motiv eine Trophäensammlung. Es könne aber auch sein, dass der Täter Spuren verwischen wollte, ergänzt er. Im Fall bei Lieberose gibt es noch Hoffnung, den Schützen zu finden. Die Ermittler bitten um Hinweise aus der Bevölkerung: Neben dem geköpften Wolf lag eine Tasse. Die Polizei will herausfinden, wie lange sie schon dort war. Möglicherweise kann auch geklärt werden, ob solche Tassen in der umliegenden Gastronomie eingesetzt werden.

'Aasfresser machen Spuren kaputt'

Für die Ermittler beginnt mit jedem erschossenen Wolf eine schwierige Spurensuche. Das liegt laut Jäkel daran, dass die Tiere in Waldgebieten getötet werden was bedeutet, dass es selten Zeugen gibt. "Dann kommen Aasfresser, die Spuren kaputt machen." Nicht immer ist eindeutig, ob überhaupt ein Schütze hinter einem Wolfstod steckt. Das zeigte unlängst ein Beispiel aus Siegadel: Ein Jagdpächter hatte beim Pilzsuchen einen toten Wolf entdeckt - scheinbar mit einem Einschussloch in der Schulter gesteckt. Bei einer Untersuchung stellte sich dann nach Angaben des Umweltministeriums heraus, dass dies vielmehr eine Bisswunde war.

Dunkelziffer Wolfstötungen

Butzeck geht davon aus, dass nicht jeder erschossene Wolf auch gefunden wird. Es könne durchaus sein, dass tote Tiere vergraben würden. Dass ein Täter ermittelt wird, kommt selten vor. 2013 hatte es in Koblenz in Rheinland-Pfalz ein Verfahren gegen einen Jäger gegeben, weil er einen Wolf im Westerwald erschossen haben soll. Der Mann hatte angegeben, das Tier für einen wildernden Hund gehalten zu haben. Der Prozess wurde gegen Auflagen eingestellt. Der Wolf, bei dem es sich um den ersten in dem Bundesland seit rund 120 Jahren gehandelt haben soll, kam als Präparat in ein Museum.
 

Wolfsichtungen: Der Wolf tappt in die Fotofalle

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Am 7. Januar 2015 begegnete einem Förster in der Nähe von Munster (Niedersachsen) ein achtköpfiges Wolfsrudel. Glücklicherweise hatte er seine Kamera dabei. © R. de Mol
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Im Juli 2014 konnte mit einer Fotofalle diese Aufnahme eines Wolfspaares im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) gemacht werden. © Landesjägerschaft Niedersachsen / Olaf Kuball
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Bei diesem Fallen-Schnappschuss handelt es sich um einen Wolf aus dem Nieskyer Rudel. Es bewohnt das Gebiet im Landkreis Niesky in der Oberlausitz (Sachsen). 2014 sollen mindestens 4 Welpen geboren worden sein. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
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Im Juli 2014 wurden zwei Jährlinge des Nochtener Rudels abgelichtet. Das Rudel lebt vorwiegend im Tagebaugebiet Reichwalde in der Oberlausitz. Bei sogenannten Jährlingen handelt es sich um einjährige Jungtiere. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
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Einsamer Wolf? Eher nicht - dieser Grauhund stammt vom dem Nochtener Rudel aus der Oberlausitz. Er tappt Ende November 2014 in die Fotofalle. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
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7. März 2016: Im nördlichen Landkreis Starnberg ist letzte Woche am Montag ein Wolf fotografiert worden. Die Aufnahme stammt von einer routinemäßigen Kontrolle der automatischen Kamera. Das Tier weist dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zufolge wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf, die es eindeutig von einem Hund unterscheiden. Das Landesamt für Umwelt soll aktuell die Aufnahme auswerten. © BLU
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Anfang Mai 2016 fotografierte ein Autofahrer diesen Wolf. Es ist der erste Bildnachweis aus Baden-Württemberg. Der Grauhund wanderte auf der Baarhochmulde zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alp. © privat/FVA
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April 2016: Bei der Kontrolle einer Wildtier-Kamera im Nationalpark Bayerischer Wald (Landkreis Regen) wurde dieses Foto entdeckt. Die Aufnahme vom 17. April zeigt eindeutig einen Wolf: das Tier weist wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf. © NPVBW
Wolf
Juli 2016: Im Raum Göhrde, Landkreis Lüchow-Dannenberg, konnte das neunte Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen werden. Seit dem Jahr 2015 war dort ein territoriales Paar bestätigt, nun gelang mittels Fotos der Nachweis von mindestens sechs Wolfswelpen. © Gerhard Stark/LJN
Wolfswelpen
September 2016: In der Ueckermünder Heide tappten diese drei Wolfswelpen in die Fotofalle. © Bundesforstbetrieb BImA/Jüttner
4 Wolfswelpen
August 2016: Auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide nahm eine Fotofalle diesen Schnappschuss mit 4 Welpen auf. © BFB/Trave/BImA/N. Stier
Wolf mit Waschbär
Dezember 2016: Ein Spaziergänger fotografierte diesen Wolf mit Waschbär-Beute im Maul am Waldrand von Afferde bei Hameln. © Thomas Fietzek
Wölfe
Januar 2017: In der Kalißer Heide tappten diese fünf Wölfe in eine Fotofalle. Die Aufnahme bestätigt nun offiziell die Existenz eines weiteren Wolfsrudels in Mecklenburg-Vorpommern. © Forstamt Kaliß
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