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Politik international

EP: Landwirtschaft für Lebensmittel-Versorgung entscheidend

von , am
20.01.2011

Straßburg - Angesichts einer weltweit steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln und eines Anteils von 16 Prozent EU- Bürger, die unter der Armutsgrenze leben, gewinne der Zugang zu Lebensmitteln zunehmend an Bedeutung.

Italien übernimmt ab Juli EU-Ratspräsidentschaft. © Schmuttel/pixelio.de

"Die EU braucht eine starke Landwirtschaftspolitik, um eine ausreichende Versorgung mit erschwinglichen Nahrungsmitteln sicherstellen zu können", betonte das Europäische Parlament in einer Entschließung zu diesem Thema und forderte insbesondere, die Spekulation zu bekämpfen und der Überalterung der in der Landswirtschaft tätigen Bevölkerung engegenzuwirken. Auch die österreichische Europa-Abgeordnete Elisabeth Köstinger begrüßte die "Entschließung über die Anerkennung der Landwirtschaft als Sektor von strategischer Bedeutung für die gesicherte Nahrungsmittelversorgung".

Wissen über gesunde Ernährung vermitteln

Die zukünftige Gemeinsame EU-Landwirtschaftspolitik (GAP) stehe derzeit im Zentrum heftiger Debatten zwischen den EU-Institutionen, betonte das Europäische Parlament. Sie müsse allen Bürgern Ernährungssicherheit bieten, die Lebensfähigkeit des ländlichen Raumes in Europa aufrechterhalten und die Agrarproduktion in allen Teilen der EU sicherstellen. Die künftige GAP müsse auch dazu beitragen, einer breiten Öffentlichkeit Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln. So sollten etwa die Rahmenbedingungen für Programme wie Schul-Obst oder -Milch verbessert werden, meinten die Parlamentarier.

Spekulationen eindämmen

Finanzinstrumente sollten dazu beitragen, die Krise in der Landwirtschaft zu überwinden, und nicht in Form von Spekulation für extreme Preisschwankungen sorgen. Die Abgeordneten fordern daher eine Überarbeitung der geltenden Rechtsvorschriften für Finanzinstrumente, die ein transparenteres Geschäftsverhalten vorschreiben sollten. Die Abgeordneten begrüßten die diesbezüglichen Initiativen des derzeitigen G-20-Vorsitzes. Die Unterschiede zwischen Rohstoffderivaten und anderen Finanzprodukten sollten berücksichtigt und Rohstoffderivate nur von "Händlern gehandelt werden, die ein legitimes Interesse daran haben, landwirtschaftliche Güter vor Risiken zu schützen".

Mehr Anreize für Junglandwirte schaffen

Weiters soll die neue GAP jungen Landwirten einen größeren Stellenwert einräumen. Nur sieben Prozent der EU-Landwirte seien heute jünger als 35 Jahre. Ihnen stünden rund 4,5 Mio. Landwirte gegenüber, die im kommenden Jahrzehnt in den Ruhestand treten. Die Abgeordneten forderten daher mehr Maßnahmen, um junge Menschen in die Landwirtschaft zu holen, etwa durch Unterstützungen in Form von Betriebsgründungsprämien oder zinsbegünstigten Darlehen.

Weltweite Nahrungsmittelsicherheit gewährleisten

Ferner haben die Abgeordneten vorgeschlagen, ein "zielgerichtetes weltweites Vorratssystem für Nahrungsmittel" einzurichten, mit Notreserven zur Verringerung des Hungers und Beständen zur Regulierung der Rohstoffpreise. Nach Ansicht der Abgeordneten sollte ein derartiges System von der UNO oder der Welternährungsorganisation FAO geleitet werden. Die Kommission möge untersuchen, welches der effektivste Weg sei, um eine derartige Maßnahme durchzusetzen.

Köstinger: Steigende Nahrungsmittel-Nachfrage als Herausforderung

"Das EU-Parlament setzt mit der heutigen Verabschiedung eines Initiativberichts ein Zeichen. Die Landwirtschaft ist von strategischer Bedeutung für die weltweite Nahrungsmittel-Versorgung", unterstrich Köstinger. Ein Blick in die Zukunft zeige, wie dringend der Handlungsbedarf sei: "Bis 2050 rechnen Experten mit einer Verdoppelung der weltweiten Nachfrage nach Nahrung. Den Bedarf der wachsenden Bevölkerung an unbedenklichen und ausreichenden Lebensmitteln zu decken, wird zum Angelpunkt der Landwirtschaft. Gleichzeitig muss den Hindernissen begegnet werden, die durch die Begrenzung der natürlichen Ressourcen, hohe Energiepreise und den Klimawandel entstehen", erklärte Köstinger.

Regionalität und Sicherung der Bauerneinkommen

"Immer noch leben 79 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Nur wenn Agrar-, Entwicklungs-, Handels-, Finanz- und Energiepolitik sowie Forschung zusammenarbeiten, können Verbesserungen erzielt werden", forderte Köstinger eine Abstimmung der einzelnen Politikfelder. "Die Sicherung der Einkommen der Landwirte und die Versorgung mit ausreichend Qualitätslebensmittel müssen Kernziele der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU sein", betonte Köstinger. "Die Antwort auf Umwelt- und Klimafragen heißt Regionalität. Wenn wir unsere Ernährung verstärkt im regionalen Wirtschaftskreislauf gestalten und auf eine unabhängige und lokal angepasste Landwirtschaft setzen, ist das ein Schritt in die richtige Richtung", so die Europa-Parlamentarierin.

Interventionen und Reserven als Krisenmechanismen

"Die stark schwankenden Marktpreise im Agrarsektor werden durch Ernteausfälle, Spekulationen und eine Konzentration im Handel bedingt und sind wesentliche Unsicherheitsfaktoren. Interventionen und Lagerhaltungen sind die Mechanismen, die Marktmissbrauch und Spekulationstransaktionen einen Riegel vorschieben können. Marktinterventionsmechanismen müssen in der künftigen GAP eine zentrale Rolle spielen. Durch den gezielten, weltweiten Aufbau von Nahrungsmittelvorräten und Notreserven könnte zusätzlich Druck abgebaut und zur Regulierung der Rohstoffpreise beigetragen werden", unterstrich Köstinger. (aiz)

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