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Erlösanteile: 'Smartphones sind wichtiger geworden als Lebensmittel'

Weizenfeld in der Sonne
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Julia Eder, agrarheute
am
02.03.2017

Von einem für Lebensmittel ausgegebenen Euro erhält ein Landwirt heute im Schnitt noch 22 Cent. Über diese Nachricht haben besonders viele agrarheute-Leser diskutiert.

Anfang der Woche berichteten wir darüber, wie sich die Anteile der landwirtschaftlichen Erlöse an den Verbraucherausgaben für Lebensmittel verändert haben. Im Schnitt bekommt der Landwirt demnach noch 22 Cent für einen für Lebensmittel ausgegebenen Euro.

Besonders gering ist der Erlösanteil bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen, wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) mitteilte. Der Weizenerzeugerpreis habe 2015 in etwa auf dem Niveau von 1950 gelegen; bezogen auf das Endprodukt habe der Landwirt hier nur rund 7 Prozent erlöst, verglichen mit noch zwei Drittel des Brotpreises im Jahr 1950.

Von unseren Lesern bekamen wir auf Facebook viele Rückmeldungen auf diese Nachricht. Wir fassen zusammen.

Lebensmittel haben an Wertschätzung verloren

Mathilde Noppel meint schlichtweg: "Deswegen fällt Erntedank heute auch so schwer." Und fügt hinzu: "Wenn man da an unsere Jugend zurückdenkt: wir sind nicht verhungert aber es hatte auch niemand ein Smartphone."

Dominic Harms hat einen ähnlichen Standpunkt: "Heutzutage "braucht" man nur noch das neueste Handy aber die täglichen Mahlzeiten sind zur Selbstverständlichkeit geworden - traurig eigentlich."

Max Maier sieht vor allem in einem Punkt Veränderungsbedarf: "Lieber sollte mehr beim Landwirt für Bio-Lebensmittel ankommen. Dann haben Landwirt, Verbraucher und die Umwelt was davon."

"Über Brot für 8 Cent würde der Bäcker lachen"

Manfred Cremers rechnet das mal durch und geht auf die Sicht eines Bäckers ein: "Mein Vater hat es vor 35 Jahren schon als lächerlich empfunden, wenn der Bäcker den Brötchenpreis um 2 Pfennig angehoben hat, weil das Weizenmehl teurer geworden ist. Früher hatte der Bauer 120 Pfund Roggenmehl abgegeben und bekam dafür 100 Pfund Brot zurück. Die 20 Pfund waren der Backlohn für den Bäcker. Heute kostet 1dt (100 kg) Roggen ungemahlen ca. 13 Euro. Würde ich den Kalender auf 1960 zurückdrehen, dürfte das Pfund Brot im Verhältnis explizit auf den Getreidepreis bezogen nur etwa 0,08 Euro kosten (wenn ich dies dem Bäcker sage, würde er vermutlich lachen)."

Erlösanteile: Wie geht der Trend weiter?

Angesichts dieser Zahlen fragt Oliver Steinbach: "Wie soll das zu unserer Zeit aussehen?"

Hans-Peter Jenisch sieht so jedenfalls keine Zukunft für einen Betrieb: "Und da sollst du deinen Nachkommen sagen, mache meinen Betrieb weiter? Für die 22 Cent wirst du jeden Tag an den Pranger gestellt. Wenn du einen Feldweg mit dem Traktor fährst, wirst du angeschaut, wie der erste Mensch. Nee, da stell lieber alles voll mit Wohnwägen und Wohnmobilen, gehe ins Geschäft und lasse den Herrgott einen guten Mann sein!"

Lebensmittelverschwendung: Beute aus der Supermarkt-Tonne

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