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Wirtschaft

Ernährungswirtschaft: Export bleibt Wachstumsmotor

AgE
am
16.06.2011

Berlin - Für die deutsche Ernährungswirtschaft bleibt der Export ein attraktiver Absatzkanal, der größere Margen bieten kann als der inländische Markt.

Die EU-Außenminister haben sich am Montag auf Zollerleichterungen für Kiew verständigt. © Marvin Siefke/pixelio
Das ist beim dritten Außenwirtschaftstag deutlich geworden, den Bundeslandwirtschaftsministerium, Auswärtiges Amt und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) in Berlin veranstalteten. "Auch die Großen haben es schwer in Deutschland, das Geld wird vor allem im Ausland verdient", erklärte der BVE-Vorsitzende Jürgen Abraham vor mehreren hundert Besuchern in Berlin.
 
Abraham erwartet, dass sich die Exporte der Agrar- und Ernährungswirtschaft, die im vergangenen Jahr ein Niveau von schätzungsweise 54 Milliarden Euro erreichten, im zweiten Halbjahr auf hohem Niveau festigen, insbesondere durch den Beitrag der Drittlandsmärkte.

Auch die Einfuhren haben zugelegt

Wie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Gerd Müller, betonte, wies der deutsche Außenhandel mit Agrar- und Ernährungsgütern im ersten Quartal 2011 zweistellige Zuwachsraten auf. Exporte und Einfuhren wuchsen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um jeweils gut 12 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro beziehungsweise 15,9 Milliarden Euro. Stark überdurchschnittlich legte dabei der Drittlandsexport mit einem Plus von knapp 28 Prozent zu. Das Gros des deutschen Agrarexports entfällt aber nach wie vor auf die EU-Staaten mit einem Anteil von rund 80 Prozent.

Bekenntnis zu offenen Märkten

Trotz des Außenhandelsdefizits unterstrich der CSU-Politiker die Bedeutung des Freihandels. "Nur offene Märkte bedeuten Zukunft", sagte Müller und hob die Rolle von Entwicklungsländern als Lieferanten für den deutschen Markt hervor. Vor dem Hintergrund der abgewickelten Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) lobte er die Arbeit der Wirtschaft, Alternativen in der Exportförderung auf die Beine zu stellen, so durch „Food Made in Germany“ (FMiG), eine von der BVE unterstützte Organisation. Unerwähnt ließ der Staatssekretär hingegen die German Export Association for Food and Agri Products (GEFA), der die FMiG nach längerem Hin und Her vor rund einem Jahr beigetreten war. Die GEFA versteht sich als zentrale Anlaufstelle für die Wirtschaft in Sachen Agrar- und Lebensmittelexport und war auf Initiative der Wirtschaft, insbesondere exportorientierter Branchen, geschaffen worden.

Deutsche Brotvielfalt als Exportschlager?

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, warb beim Außenwirtschaftstag für die Dienstleistungen staatlicher Stellen in Sachen Exportmarketing. Die Ressorts träten als Team auf, so die Staatsministerin von der FDP. Sie sprach von einer Verzahnung der Exportförderanstrengungen, auch mit Blick auf die Entwicklungspolitik. Als positives Beispiel für deutsche Exporterfolge nannte Pieper den deutschen Riesling - der im globalen Maßstab für die Weltmärkte allerdings nicht in großen Mengen zur Verfügung steht. Laut Pieper kann Vielfalt daher auch Nachteile haben - wegen der beschränkten Volumina. Sie ermunterte die Ernährungsbranche, die Stärken deutscher Produkte vermehrt auch im Ausland umzumünzen und nannte Brot und Brötchen als ein Beispiel, wo sich wegen der deutschen Vielfalt an Rezepturen Chancen böten. Staatssekretär Müller lenkte den Blick über die bloßen Warenexporte auf Ansiedlungen im Ausland, auf sogenannte Musterfarmen, die mit deutschem Steuergeld in Ländern wie China und Äthiopien entstanden sind. Laut Müller geht es dabei in erster Linie um die Aus- und Weiterbildung. In Agrar-Ausbildungsfarmen würden umweltschonende Produktionsverfahren und der Einsatz moderner Technologien vermittelt.

Abraham: Nachholbedarf in der Öffentlichkeitsarbeit

Für den BVE-Vorsitzenden Abraham sind im Export Strukturen von gewisser Größe notwendig, um erfolgreich zu sein: "Das geht nicht mit kleinbäuerlicher Idylle, das geht nur mit hochprofessioneller Arbeit", so der Schinkenproduzent aus dem Hamburger Umland. Er wandte sich gegen die im Europaparlament befürwortete Ursprungskennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte, so für Schweinefleisch. Er befürchtet protektionistische Tendenzen durch eine solche nationale Herkunftskennzeichnung und bezweifelt zudem, dass die Verbraucher das Ursprungsland bei solchen Produkten interessiert. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner sieht er bei diesem Thema auf seiner Seite.

Mehr Messeförderung befürwortet

Notwendig hält Abraham verstärkte Öffentlichkeitsarbeit über die Ernährungsindustrie und die von ihr verwendeten Rohstoffe. "Wir arbeiten daran, die Menschen besser zu informieren", so der BVE-Vorsitzende. Man habe das Feld zwischenzeitlich den Nichtregierungsorganisationen überlassen. In der Ernährungswirtschaft sei man sich einig, "dass wir hier viel versäumt haben" und etwas nachholen müsse. Noch Luft nach oben gibt es laut Einschätzung Abrahams bei der staatlichen Förderung von Messeauftritten der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die gegenwärtigen knapp neun Millionen Euro könnten "noch aufgestockt werden", forderte der BVE-Vorsitzende. Insgesamt befürwortete er die Ausrichtung der Exportförderung als "Hilfe zur Selbsthilfe".
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