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Dorf und Familie

Ernte 2011: Neuer Zwischenstand auf Bayerns Feldern

jz
am
29.07.2011

München - Seit April besuchen wir regelmäßig einige Landwirte aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, um zu erfahren, wie der Anbau sich entwickelt und wie die Ernte verläuft. Es gibt einen neuen Zwischenstand.

Vor ein paar Wochen hat die Getreideernte in ganz Deutschland begonnen. Und wieder ist ein knapper Monat vergangen, seit Landwirt Josef Wörl aus dem bayerischen Dörfchen Galgen uns seine Äcker gezeigt hat. Jetzt, mitten in der Erntephase, ist es Zeit für einen dritten und letzten Besuch auf seinen Feldern.
 
"Die Sommergerste habe ich schon geerntet. Das war recht schnell erledigt", erklärt Josef Wörl. Das ist wenig verwunderlich, denn immerhin macht die Braugerste den kleinsten Teil seines 55 Hektar großen Betriebs aus. Mehr Zeit wird er da sicher für die Ernte des Winterweizens brauchen. Während er vor dem Weizenfeld steht, beginnt es leicht zu regnen. "So ein Wetter im Juli - das gibt’s doch nicht! Kaum scheint mal zwei Tage die Sonne, fängt es auch schon wieder an zu regnen!", sagt er verärgert. Auch der Winterweizen hat offensichtlich genug vom Regenwetter: Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass einige Flächen des Feldes im Lager sind. Für die Ernte sei das nicht gerade von Vorteil, sagt der Landwirt.

Viel Sonne für die Zuckerrüben erwünscht

Auch Zwiewuchs ist ein Thema auf Wörls Feldern. "Zum Glück halten sich die grünen Triebe aber in Grenzen und machen mir keine großen Probleme", so der Landwirt. Anders sieht es da auf einigen Feldern ein paar Ortschaften weiter, in Olching, aus. Dort ziehen sich teilweise ganze grüne Streifen durch die Weizenfelder, die schon von weitem auffallen. Doch das braucht Josef Wörl nicht zu interessieren. "In ein bis zwei Wochen würde ich gern ernten. Hoffentlich macht mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung". Da gibt es zum Glück Hoffnung, denn die Wettervorhersagen für die kommende Woche sind besser.
 
Und wie haben sich seine Zuckerrüben in den letzten Wochen entwickelt? "Die sind gut gewachsen!", freut sich der Landwirt. Inzwischen steht er vor seinem Rübenfeld und die Sonne blitzt wieder hinter den Wolken hervor. Und das ist auch das richtige Stichwort: "Ein bisschen mehr Sonnenlicht in den nächsten Monaten wäre schon gut für die Rüben", meint Wörl. Die Erntezeit für dieses Feld ziehe sich von September bis Dezember hin, erklärt er. "Letztes Jahr habe ich sogar kurz vor Weihnachten noch Rüben geerntet", so der Familienvater. Die Fabriken hätten es am liebsten, wenn sich die Kampagne in die Länge zieht. Wörl selbst scheint diese Ansicht nicht zu teilen. "Es ist schon mühsam. Wenn es so kalt ist, müssen die Rüben durch Folien vor dem Frost geschützt werden und das ist natürlich ein zusätzlicher Arbeitsaufwand".

Ertragseinbußen von bis zu hundert Prozent für Andreas Hatzl aus Esting

Wenn man aber Biobauer Andreas Hatzl aus dem nur zehn Kilometer entfernten Esting danach fragt, wie es ihm seit dem letzten Besuch im April auf seinen Äckern ergangen ist, so rücken Josef Wörls Sorgen in den Hintergrund. Ihm wurde dieses Jahr am 6. Juni ein starker Hagelschauer zum Verhängnis. "Mein Getreide und meine Erbsen konnten danach nicht geernetet werden. Der Fruchtstand war zu hundert Prozent weg", so der Landwirt. "Nur für Biogas war es noch zu gebrauchen", fügt er hinzu.
 
Mit den Kartoffeln unter Vlies hatte er etwas mehr Glück. "Davon waren 80 Prozent gut, weil die so zeitig dran waren", sagt Hatzl. Und immerhin gibt es einen schwachen Trost für den Bio-Landwirt, denn ein Gutes hat die ganze Sache: Nächstes Jahr kann es eigentlich nur besser werden. Das hoffen wir auf jeden Fall für Andreas Hatzl.
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