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Pilotprojekt

Erste praktische Erfahrungen mit der Erdverkabelung

RA Hubertus Schmitte / WLV
am
08.12.2015

Die Erdverkabelung hat bei den geplanten Gleichstromtrassen Vorrang. Bei Wechselstromleitungen ist die Erdverkabelung technisch wesentlich anspruchsvoller und teurer. Aus einem Pilotprojekt in Raesfeld gibt es erste Erfahrungen.

Das bundesweit erste Wechselstrom-Erdkabel liegt in der Erde: im Kreis Borken, Nordrhein-Westfalen, in der Gemeinde Raesfeld, hat einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, die Firma Amprion GmbH aus Dortmund, im Jahr 2014 auf 3,4 Kilometer Länge Erdkabel in die Erde gelegt. Die Skepsis der Landwirte gegenüber Erdkabeln ist groß. verständlich, wenn man sich die Dimensionen der Baustelle anschaut. Rechtsanwalt Hubertus Schmitte vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband hat in der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk) Erfahrungen aus dem ersten Pilotprojekt aufgeschrieben. 

Wie groß ist die Baustelle?

Für die zwölf je 20 Zentimeter dicken Kabel sind zwei parallele Baugruben von je sechs Meter Breite und etwa 2,20 Meter Tiefe erforderlich. Dazwischen liegt eine Baustraße. Insgesamt werden so 22,60 Meter in Anspruch genommen, die später auch rechtlich im Grundbuch durch eine Dienstbarkeit zu sichern sind. Die Bau-Arbeitsbreite beträgt sogar 41,5 Meter (sogenannte Arbeitsstreifen). Nachhaltige Ertragsschäden sind laut Schmitte bereits zu befürchten.

Einfluss der Wärmeentwicklung auf die Bewirtschaftung?

Unerforscht ist, in welcher Weise die potenzielle Wärmeentwicklung der Erdkabel die Bewirtschaftung einschränkt. Zwar weisen die Leitungsunternehmen darauf hin, die Wärmeentwicklung (maximal 70 Grad an der Kabeloberfläche) sei an der Bodenoberfläche kaum noch zu spüren, doch für eine Frühabreife der Pflanzen oder vermehrte Austrocknung des Bodens kann dies reichen.

Was passiert mit dem Boden?

Beim Pilotprojekt in Raesfeld konnte eine Verhandlungskommission, bestehend aus einer Landwirtin und drei Landwirten sowie zwei Mitarbeitern des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes e. V. (WLV), ein ausführliches Bodenschutzkonzept erwirken. So wurde von einem Sachverständigen ein Bodenschutzkonzept für die Bauphase und die Rekultivierung erstellt. Die Bauausführung hat bodenschonend zu erfolgen, also grundsätzlich nur in der Zeit von März bis Oktober.

Um den Boden zu schonen, hebt der Bagger den Mutterboden ab, er wird nicht mit einer Raupe zur Seite geschoben. Ober- und Unterboden sind sorgsam zu trennen, es dürfen nur Fahrzeuge mit geringem Bodendruck eingesetzt werden. Besonders wichtig ist, dass der bodenkundliche Sachver- ständige zu jeder Zeit ein Baustopprecht hat, wenn nachhaltige Bodenschäden befürchtet werden. 

Wie wird entschädigt?

Die Entschädigung gliedert sich in eine Dienstbarkeit-, eine Flurschaden- und eine Aufwandsentschädigung. Wie genau entschädigt wird, hat RA Hubertus Schmitte in der Deutschen Bauern Korrespondenz beschrieben.

Folgeschaden-Monitoring läuft

Um die langfristigen Auswirkungen von Wechselstrom-Erdleitungen zu erforschen, erfolgt ein 5-jähriges Folgeschaden-Monitoring. An diesem wirkt die Landwirtschaftskammer NRW sowie die Universität Freiburg mit.

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