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Ernährung und Gesundheit

ESBL-Keime: Panikmache oder Grundsatzfrage?

pd/af/kk
am
15.01.2013

Berlin - Wie lecker ist ein Mettbrötchen noch? Die gefundenen ESBL-Keime rufen verschiedene Meinungen hervor. Die einen reden von Stimmungsmache, andere fordern eine Reform der Nutztierhaltung.

Die gefundenen ESBL-Keime auf den Mettbrötchen sorgen auch in dieser Woche noch für Diskussionsstoff. Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne ließen rohes Schweinemett aus dem Einzelhandel untersuchen - mit dem Ergebnis, dass 16 Prozent der Proben antibiotika-resistente Keime aufwiesen. Der Sprecher für Agrarpolitik, Friedrich Ostendorff fordert nun Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen. CSU-Agrarexpertin Marlene Mortler wertet die von den Grünen in Auftrag gegebene Stichprobe zum Thema "Keime auf Mettbrötchen" als gezielte Stimmungsmache gegen die Landwirtschaft im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche.

Ostendorff: Konsequente Reformen der Haltungssysteme

Ostendorff kritisiert, dass die ESBL-Belastung bis heute nicht im Zoonosen-Report der Bundesregierung untersucht würde - obwohl das Problem bekannt sei. Dieser Report befasse sich jährlich mit Keimen und Infektionen, die über Lebensmittel vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Auch bei der Bekämpfung des Antibiotikamissbrauchs in den Ställen, der zur Ausbreitung multiresistenter Keime wie dem ESBL führt, gehe es nicht voran. Die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Änderungen zum Arzneimittelgesetz werden nicht zu einer entscheidenden Drosselung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung führen. Hier brauchen wir endlich konsequente Reformen der Haltungssysteme.

Mortler: Panikmache vor der Grünen Woche

CSU-Agrarexpertin Marlene Mortler ist die Untersuchung der Grünen reine Panikmache. "Alle Jahre wieder inszenieren die Grünen pünktlich zur weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin ihren ganz persönlichen Lebensmittelskandal und diffamieren auf Basis nicht repräsentativer Daten eine ganze Branche", sagte die Bundestagsabgeordnete. Mortler hob hervor, die benannten Erreger kämen überall in der Umwelt vor, seien Bewohner des menschlichen und tierischen Darms. Auch der Mensch könne die Erreger übertragen. Es sei bekannt, dass ein erhöhtes Risiko beim Verzehr von Produkten wie rohem Fleisch bestehe.

BfR: Aufnahme des Erregers führt selten zur Infektion

Auf Nachfrage von agrarheute. com nahm das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Stellung: Es generell bekannt, dass bei rohen Lebensmitteln bzw. rohem Fleisch eine Kontamination mit Bakterien vorliegt und nachgewiesen werden kann. Dies kann auch resistente Keime betreffen. Das Ausmaß des Nachweises von ESBL-bildenden Keimen hängt erheblich von der verwendeten Nachweismethode ab. Die eingesetzten Verfahren bei der Studie im Auftrag der Grünen sind dem BfR nicht bekannt, daher kann hierzu nicht im Detail Stellung bezogen werden. Die Daten deuten aber darauf hin, dass gezielt nach ESBL-bildenden E. coli untersucht wird.
 
Wie hoch ist das Risiko sich mit ESBL-Keimen zu infizieren?
 
Grundsätzlich ist es möglich, sich über Lebensmittel mit ESBL-bildenden Keimen zu infizieren, da diese Keime in Lebensmitteln vorkommen können. Die Bedeutung dieses Übertragungsweges ist derzeit noch nicht abzuschätzen. In den meisten Fällen führt eine Aufnahme eines derartigen Erregers zu einer vorübergehenden Passage oder Besiedlung des Darmtraktes, aber nicht zu einer Infektion.
In den meisten Fällen wird der Mensch die Besiedlung mit ESBL- oder AmpC-bildenden Bakterien nicht bemerken, da die meisten dieser Bakterien harmlose Darmbewohner sind. Es gibt unter den ESBL- bzw. AmpC-bildenden Bakterien aber auch solche, die beim Menschen Erkrankungen verursachen können.
 
Ist dass das Auftreten der ESBL-Keime eine Folge des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung ist?
 
Für eine Vermehrung und Ausbreitung der Keime spielt mangelhafte Hygiene im Krankenhaus, im Tierstall und auch im Haushalt eine herausragende Rolle. Die Anwendung von Antibiotika bei Tieren und Menschen fördert die Verbreitung ESBL- oder AmpC bildender Bakterien und ihrer Gene, weil Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika zu einem selektiven Vorteil gegenüber konkurrierenden Bakterien führen.

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