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Ernährung und Gesundheit

Essen in Kitas lässt zu wünschen übrig

AgE
am
11.06.2014

Bonn - In vielen Kitas erhalten Kinder keine ausgewogene Ernährung. Häufig fehlt die richtige Ausstattung und die hauswirtschaftliche Kompetenz. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Immer mehr Kinder essen in der Kindertagesstätte zu Mittag, wobei ihre Verpflegung nur in jeder dritten Einrichtung anerkannten Standards entspricht. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, in der erstmals die Qualität und die Kosten des Mittagessens in Kindertagesstätten untersucht worden sind.
 
Demnach wird die Verpflegung bei der Finanzausstattung der Kitas selten berücksichtigt; es fehlt an hauswirtschaftlicher Fachkompetenz sowie an adäquater Küchenausstattung und Speiseräumen. "Wir brauchen bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für die Kita-Verpflegung. Hierzu bedarf es eines Bundes-Kitagesetzes", forderte der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger.

Zu wenig Obst, zu wenig Fisch, zu viel Fleisch

Gemessen an den Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) schneidet die Mittagsverpflegung laut der Bertelsmann-Stiftung in den meisten deutschen Kindertagesstätten schlecht ab: Nur zwölf Prozent (%) der Kitas reichen den Kindern genügend Obst, lediglich 19 % ausreichend häufig Salat oder Rohkost. Fisch stehe ebenfalls zu selten auf dem Speiseplan; diesen DGE-Standard erfüllten nur 30 % der Kitas. Fleisch hingegen böten drei Viertel der Kitas zu häufig an.
 
Auch die Caterer seien noch zu wenig auf kindgerechte Verpflegung ausgerichtet: Deutschlandweit ließen zwei von drei Kitas das Mittagessen anliefern, aber nur jeder zehnte Caterer, der eine Kita beliefere, habe speziell an den Bedarfen von Kindern ausgerichtete Mittagessen auf dem Speiseplan.

Ausgestattet wie private Küchen

Laut der Bertelsmann-Stiftung sind die Kitas außerdem nicht hinreichend für die Verpflegung ausgestattet: Die Küche vieler Einrichtungen ähnele der eines Privathaushaltes. Nicht einmal jede dritte Kita verfüge über einen Speiseraum. Häufig müssten die Kinder deshalb in ihrem Gruppenraum essen.
 
Nur jede dritte Kita beschäftige hauswirtschaftliches Fachpersonal. Die Finanzierung der hauswirtschaftlichen Personal-, Küchen- und Raumausstattung sowie der Betriebs- und auch der Lebensmittelkosten ist der Bertelsmann-Stiftung zufolge in den meisten Bundesländern nicht verbindlich und einheitlich geregelt. Auch deshalb unterscheide sich das einkommensunabhängige Essensgeld der Eltern für Mittagsverpflegung erheblich: Es reiche von 75 Cent bis zu sechs Euro pro Mahlzeit; im Schnitt zahlten Eltern den Kitas 2,40 Euro für ein Mittagessen ihrer Kinder. Damit hänge die Qualität des Mittagessens der Kinder von den Entscheidungen und Zuschüssen der jeweiligen Träger oder der Kommune ab.
 
Eine gesunde und ausgewogene Mittagsverpflegung, die den DGE-Standard erfüllt, kostet der Studie zufolge mindestens vier Euro.

Landfrauen: So kann es nicht weitergehen

Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) verwies anlässlich der Vorlage der Bertelsmann-Studie auf sein Anfang Mai vorgelegtes Positionspapier, in dem er eine bundesweite, gesetzlich verpflichtende Zertifizierung der Verpflegungsanbieter auf Grundlage der DGE-Standards gefordert hatte.
 
"Die Studie belegt, dass es so nicht weitergehen kann. Die Verbesserung der Qualität und damit der Bereitstellung der erforderlichen Gelder für gesundes Essen in Schule und Kita müssen mit großer Dringlichkeit verfolgt werden", erklärte dlv-Präsidentin Brigitte Scherb.
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