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Politik international

EU-Agrarbeihilfen treiben die Pachtpreise in Osteuropa

von , am
29.08.2013

Brüssel - Die Einführung der EU-Agrarsubventionen in den neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union in Osteuropa hat dort von 2004 zu 2005 zu deutlichen Pachtsteigerungen geführt - allerdings nicht so hoch wie theoretisch möglich.

Bulgarien hat das verlängerte Verbot des Agrarlanderwerbs gekippt. © Mühlhausen/landpixel
Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Zentrums für Europäischen Politikstudien (CEPS) in einer jetzt veröffentlichten Studie. Darin ging es den Wissenschaftlern vor allem darum, die Bedeutung der einzelnen Faktoren auf den Pachtpreis zu bestimmen.
 
Erwartungsgemäß beobachteten die Forscher, dass die flächenbezogenen Subventionen direkt den Wert des Landes steigerten und damit sich die Pachtpreise erhöhten. Bemerkenswert war für die Wissenschaftler jedoch, dass durchschnittlich nur 19 Cent jedes weiteren Euro Beihilfe sich in den Pachtpreisen widerspiegelten; sie hatten mehr erwartet.

Nichtlandwirte profitieren

Im Mittel seien zehn Prozent der Direktbeihilfen an nichtlandwirtschaftliche Landeigentümer geflossen, die ihre Flächen verpachteten. Nach einzelnen Ländern betrachtet fand der größte Abfluss an nichtlandwirtschaftliche Verpächter laut Studie entsprechend der vorherrschenden Betriebsstruktur in Tschechien und der Slowakei mit je 18 Prozent der Zahlungen statt, gefolgt von Estland, Ungarn sowie Litauen mit durchschnittlich 12 Prozent. In Polen und Lettland fiel der Verlust mit fünf Prozent beziehungsweise acht Prozent am geringsten aus.

Inputkosten steigen

Wie die Forscher weiter berichteten, nutzten die Flächenzahlungen hauptsächlich den Landeigentümern und erhöhten die Inputkosten der Landwirte. Allerdings könnten größere Betriebe anders am Pachtmarkt agieren als kleinere Betriebe mit ähnlich hohem Pachtanteil. Durch ihre Größe hätten sie eine stärkere Verhandlungsmacht und geringere Transaktionskosten; das wirke sich preissenkend aus, stellten die CEPS-Wissenschaftler fest.
 
Eine wichtige Determinante beim Pachtpreis sei zudem die Produktivität und Rentabilität der Betriebe. Alles was den Bodenwert steigere, verteuere auch den Pachtpreis. Der Zugang zu Krediten beeinflusse ebenfalls die Preise. Einen Effekt habe zudem der Anteil der Familienarbeitskräfte; in welche Richtung sei jedoch nicht eindeutig geklärt. Während man einerseits eine höhere Motivation und einen effektiveren Einsatz bei den Familienmitgliedern vermutet, beobachtet man andererseits den verstärkten Einsatz von neuen Technologien und eine größere Professionalisierung bei Betrieben mit landwirtschaftlichen Angestellten. Letztendlich sei der Einfluss der Arbeitskräfte aber im Vergleich zu anderen Wirkungen deutlich kleiner.

Weitere Steigerungen strittig

Bei den Berechnungen der CEPS-Forscher konnten mehrere Faktoren nicht berücksichtigt werden, beispielsweise mögliche Störungen am Pachtmarkt und Informationsdefizite, aber auch langfristige Pachtverträge und informelle Strukturen in den ländliche Räumen. Zudem räumten die Wissenschaftler ein, dass die Bodenmakler in den ersten beiden Jahren der EU-Mitgliedschaft mit dem System der Direktzahlungen noch nicht vertraut gewesen seien; zudem seien die Gelder teilweise erst verspätet ausgezahlt worden. Für die Zukunft erwarten die Wissenschaftler eine Fortführung des Effektes. Dem widersprechen allerdings andere Studien, die tendenziell eher eine Preisreduktion durch die anstehende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vermuten.
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