Login
Dorf und Familie

EU: Bäuerliche Familien sind Rückgrat der Landwirtschaft

AgE
am
08.08.2013

Brüssel - In der Landwirtschaft der Europäischen Union arbeiten weiterhin fast ausschließlich die Betriebsinhaber und ihre Familienangehörigen, ein nicht unwesentlicher Anteil auch über die Rente hinaus.

Zu diesem Ergebnis kommt die Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission nach Auswertung unterschiedlicher unionsweiter statistischer Erhebungen. Demnach gab es im Jahr 2010 rund 12 Millionen landwirtschaftliche Betriebe in der EU, in denen 25 Millionen Menschen regelmäßig arbeiteten.
 
Im europäischen Agrarsektor gibt es üblicherweise viele Teilzeitbeschäftigte und Saisonarbeiter, außerdem einen hohen Anteil an Nebenerwerbslandwirten, die nebenbei noch andere Arbeiten erledigen. Unter Berücksichtigung dieser Fakten errechnete die Generaldirektion etwa 10 Millionen Vollarbeitskrafteinheiten, das wären fünf Prozent der Gesamtbeschäftigten in der EU.

Familienarbeitskräfte dominieren

Betriebsinhaber und ihre Ehepartner beziehungsweise weitere Familienangehörige machten im Berichtsjahr zusammen 92,2 Prozent der Beschäftigten in den Betrieben aus, angestellte Nicht-Familienarbeitskräfte dementsprechend lediglich 7,8 Prozent. Mehr als die Hälfte der 25 Millionen Beschäftigten verbrachte weniger als 25 Prozent ihrer Arbeitszeit mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Für fast 30 Prozent war es zwar die Haupt-, aber nicht die einzige Beschäftigung.

Mehr Männer

Verglichen mit dem Rest der Wirtschaft ist der Anteil der Männer in der Landwirtschaft überdurchschnittlich hoch. Sie hatten 2010 einen Anteil von etwa 60 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft, während er in der Gesamtwirtschaft bei 54 Prozent lag. Bezüglich der Altersstrukturen überwiegen in der Landwirtschaft die älteren Jahrgänge. So waren den Kommissionsangaben zufolge im Jahr 2010 nur 33 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte jünger als 40 Jahre; innerhalb der Gesamtwirtschaft liegt der Wert bei 44 Prozent.

Ausnahmefall Tschechien

Zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten hat die Generaldirektion Landwirtschaft große Unterschiede festgestellt. Das liegt nur zum Teil an den unterschiedlichen Landesgrößen, sondern vor allem an Betriebsstruktur und Ausrichtung. Sieben EU Länder haben demnach mehr als eine Million Beschäftigte im Agrarsektor und stellen zusammen 80 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte; im einzelnen sind das Polen, Italien, Spanien, Griechenland, Frankreich, Ungarn und Rumänien. Für Deutschland wurden 750.000 Arbeitskräfte gezählt. Rechnet man die Zahl der Beschäftigten auf Vollzeitarbeitskräfte hoch, so konzentrieren sich 70 Prozent des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes auf die sechs Länder Polen, Rumänien, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Allein Polen und Rumänien haben zusammen einen Anteil von 37 Prozent. Landwirtschaftliche Arbeitskräfte außerhalb der Familien werden vor allem in Tschechien eingesetzt; hier liegt ihr Anteil bei 68 Prozent. Hohe Werte finden sich zudem in der Slowakei und Frankreich. In Deutschland sind gerade mal knapp ein Viertel der Arbeitskräfte nichtfamiliär.

Oft ohne Lohn

Durchschnittlich gab es 2010 in den Mitgliedstaaten laut EU-Kommission zwei Arbeitskräfte je Betrieb, hochgerechnet auf Vollarbeitskräfte war es sogar weniger als ein Beschäftigter je Unternehmen. Ausnahmen bildeten lediglich Tschechien und die Slowakei, wo die durchschnittlichen Betriebe größer waren und es mehr Arbeitskräfte gab. Der Anteil der Vollarbeitskräfte lag in Frankreich, Belgien, Luxemburg und abermals Tschechien deutlich höher als im Rest der EU. Überdurchschnittlich viele Kleinbetriebe meldeten dagegen Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Malta. Nichtentlohnte Familienarbeitskräfte leisten den Angaben zufolge mehr als 80 Prozent der Gesamtarbeitszeit in der Landwirtschaft in zwölf Mitgliedstaaten. Sie sind oftmals die Hauptkomponente der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Die Tschechische Republik und die Slowakei sind die einzigen Länder, wo der bezahlte Arbeitskrafteinsatz dominiert; einen wichtigen Anteil findet man außerdem in Estland, Dänemark den Niederlanden und Spanien.

Wenig Junge

Die meisten Junglandwirte, dass heißt die unter 40-Jährigen, fanden sich laut EU-Kommission in Dänemark mit einem Anteil von 43 Prozent im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung in der Landwirtschaft, dicht gefolgt von den Niederlanden, Spanien und Rumänien. Den geringsten Anteil hatten die jungen Landwirte dagegen in Portugal und auf Zypern. Dementsprechend war der Anteil der über 65-Jährigen in diesen beiden Staaten extrem hoch. Bemerkenswert war er zudem in Irland und Slowenien. Überdurchschnittlich viele Männer, dass heißt mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlichen Beschäftigten, gab es in Malta, Dänemark, Irland, Großbritannien und Luxemburg. Überdurchschnittlich viele Frauen fanden sich dagegen in Rumänien, Slowenien, Österreich, Polen, Griechenland, Portugal und Litauen. In diesen Ländern hatten sie einen Anteil von mehr als 40 Prozent.
Auch interessant