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Wirtschaft

EU-Kommission: Arla darf MUH und Milk Link übernehmen

Norbert Lehmann, agrarmanager
am
27.09.2012

Brüssel - Die Europäische Kommission hat die Übernahme der Milch-Union Hocheifel (MUH), Pronsfeld, durch die skandinavische Molkereigenossenschaft Arla Foods amba heute genehmigt. Gleichzeitig erhielt Arla grünes Licht für die Akquisition der britischen Milk Link.

Haben gut lachen: Tim Ørting Jørgensen, Geschäftsführer von Arla Deutschland, und MUH-Vorstand Rainer Sievers stoßen mit einem Glas Milch auf den Zusammenschluss ihrer Unternehmen an. © Norbert Lehmann
Ohne Auflagen darf die Fusion der beiden Genossenschaften vollzogen werden. Nach Ansicht der Kommission ist das Vorhaben wettbewerbsrechtlich unbedenklich, da keine wesentliche Änderung der Marktstruktur zu erwarten sei. Damit werden die beiden Partner ihren Zusammenschluss voraussichtlich zum 1. Oktober vollziehen.
 
Über die Einzelheiten wollen MUH und Arla am Montag in einer Pressekonferenz im MUH-Werk Pronsfeld informieren. Spätestens dann sollte klar werden, ab welchem Zeitpunkt die MUH-Mitglieder den gleichen Milchpreis erhalten wie die Arla-Erzeuger, abzüglich eines Konsolidierungsbeitrags zur Aufwertung der Geschäftsanteile.
 
Ursprünglich hieß es, die MUH-Lieferanten würden den Arla-Leistungspreis ab September erhalten. Im Juli lag die Auszahlung der MUH um 3,4 Cent beziehungsweise 4,3 Cent je Kilogramm (kg) Milch mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß unter dem Milchpreis der deutschen Arla-Töchter Hansa Milch Upahl und Allgäuland Käsereien. Arla gibt seinen Mitgliedern eine uneingeschränkte Milchabnahmegarantie.

Investitionen gehen weiter

Die von der MUH 2011 begonnenen erheblichen Investitionen in den Standort Pronsfeld wollen die Skandinavier fortsetzen. Unter anderem wird in der Eifel ein neues Trockenwerk entstehen, das 2013 in Betrieb gehen soll. Auch eine neue Butterei ist vorgesehen. Pronsfeld wird Arlas größter Produktionsstandort in Deutschland. Im vorigen Jahr verarbeitet die Milch-Union dort 1,3 Milliarden (Mrd.) kg Milch. Der Umsatz belief sich auf 693 Millionen Euro. Durch die Übernahme wird Arla Foods das drittgrößte Molkereiunternehmen in Deutschland hinter dem DMK Deutsches Milchkontor und der Müller-Gruppe.

Breite Zustimmung

Die Vorstände von MUH und Arla hatten den Zusammenschluss im Mai dieses Jahres vorgeschlagen. Die Vertreterversammlungen hatten nur einen Monat später fast einstimmig für die Übernahme votiert. Nachdem nun auch die Brüsseler Wettbewerbshüter grünes Licht gaben, wird die Genossenschaft MUH mit ihren 2.400 Mitgliedern unter dem neuen Namen MUH Arla eG Mitglied der Arla Foods amba.

Auch Milch Link-Übernahme genehmigt

Gleichzeitig mit der Freigabe genehmigte die EU-Kommission Arla auch die Übernahme der britischen Molkerei Milk Link. Bedingung ist jedoch, dass das einzige H-Milch-Werk von Milk Link in Crediton, Devon, verkauft wird. Auch die damit verbundenen Marken muss Milk Link veräußern. Ohne diese Auflage hätte der Zusammenschluss der beiden führenden H-Milch-Anbieter in Großbritannien nach Auffassung der Kommission den Wettbewerb erheblich beeinträchtigt. Milk Link ist Großbritanniens viertgrößter Milchverarbeiter und wird Arla Foods ebenfalls als Genossenschaft beitreten. Damit werden die Skandinavier Marktführer auf den britischen Inseln. Im Konzern steigt der Umsatz in diesem Jahr fusionsbedingt voraussichtlich um mehr ein Viertel auf umgerechnet rund 9,4 Mrd. Euro. Die Milchverarbeitung steigt von neun Milliarden auf zwölf Milliarden Kilo Milch.
 
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